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MaLisa-Studie zu Social Media Heidi folgen, Zähne bleichen: Wie Instagram Mädchen formt

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Instagram-Vorbild für weiße Zähne: Heidi Klum. Foto: imago stock&peopleInstagram-Vorbild für weiße Zähne: Heidi Klum. Foto: imago stock&people

Berlin. Welches Frauenbild zeichnen YouTube und Instagram? Wie wirkt es auf Mädchen? Neue Studien geben verblüffende Antworten.

„Ich wäre davon ausgegangen, dass Frauen auf Instagram deutlich erfolgreicher sind als Männer“, sagt Stefanie Giesinger. „Aber da habe ich mich geirrt.“ Nach ihrem Sieg bei „Germany’s Next Topmodel“ hat die 22-Jährige sich binnen fünf Jahren selbst zur Top-Influencerin entwickelt: 3,5 Millionen Fans folgen ihrem Instagram-Account. Und tatsächlich: Auch wenn man die Plattform mit Models wie ihr assoziiert, stellt sich das reale Geschlechterverhältnis anders dar. Ob man Deutschlands beliebteste Instagrammer anschaut oder die populärsten YouTube-Kanäle – hier wie dort stehen Männer doppelt so häufig im Mittepunkt wie Frauen. Das ergibt eine Reihe von Studien zur weibliche Selbstinszenierung im Netz, die Maria Furtwängler und ihre Tochter Elisabeth über ihre MaLisa-Stiftung beauftragt haben. Anfang der Woche haben sie die Ergebnisse in Berlin vorgestellt und mit Internet-Stars wie Giesinger diskutiert. 

Heidi folgen, Zähne bleichen. Grafik: MaLisa

Männer machen alles, Frauen schminken

Schon die Kernbotschaft der für Teenager besonders relevanten Medien lautet durch die männliche Übermacht: Frauen spielen eine geringere Rolle. Und nicht nur das – eine deutlich begrenztere Rolle spielen sie auch: Während männliche YouTuber die Themen Games, Musik, Sport und Film dominieren und die große Mehrheit der Komiker stellen, geben Frauen auf der Plattform – Schminktipps. Diese quantitative Auswertung haben die Wissenschaftlerinnen Elizabeth Prommer und Claudia Wegener um Interviews ergänzt. Die YouTuberinnen selbst begründen ihren normierten Auftritt demnach mit den Zuschauererwartungen, aber auch mit den Algorithmen und dem Problem, abweichende Angebote zu finanzieren. Auch Stefanie Giesinger spricht von geschäftlichem Druck, von Casting-Agenten, die zuerst nach der Größe ihrer Online-Anhängerschaft fragen, von Auftraggebern, die es stört, wenn ihr Instagram-Account zumindest ab und an mal Krankheit und Menstruation thematisiert.

Das Verhältnis von Instagram und Schlankheitsideal. Grafik: MaLisa

Instagram formt den Körper von Teenagern

Wie stark das mediale Menschenbild auf Jugendliche wirkt, hat Maya Götz untersucht. Ihre repräsentative Befragung macht deutlich, wie ernst der Begriff vom Influencer – also vom Beeinflusser – zu nehmen ist: Jedes fünfte Mädchen zwischen 12 und 19 Jahren optimiert Selfies, damit ihre Brüste größer aussehen oder die Hüfte schlanker. Viele Teenager reisen sogar, um Profi-Fotos eins zu eins nachzustellen. „Es kommt sehr viel häufiger vor, als man sich das vorstellt. Die Mädchen fahren ganz gezielt an diese Orte, nach New York, nach Verona“, sagt Maya Götze vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) und legt Beispiele vor, in denen Selfies von Stars und Laien kaum noch zu unterscheiden sind. Auch die Posen der Stars werden minutiös kopiert.

Die Influencer schreiben sich dabei nicht nur dem digitalen Ich von Teenagern ein – sondern auch ihren Körpern: Rund zwei Drittel der Social-Media-Fans von Heidi Klum bleichen ihre Zähne – das sind fast doppelt so viel, wie bei Mädchen, die den GNTM-Star ignorieren. Zwei Drittel der Mädchen, die Instagram-Idolen folgen, finden Schlanksein sehr wichtig; bei den anderen sagen das nur 38 Prozent. „Instagram ist eine Selbstinszenierungsplattform, die sehr visuell ist. Und da ist das Problem, dass es so eng geworden ist“, sagt Götz. „Es gibt nur noch ein bestimmtes Bild, bestimmte Posen, eine bestimmte Körperlichkeit, die man dort zeigen darf. Da war, so schwierig es auch war, selbst Facebook vielfältiger als das, was wir jetzt auf Instagram sehen.“

Wie Teenager ihr Selbstbild korrigieren. Grafik: MaLisa

Die Zahnspangen von Lena und Lisa

Wie können Influencerinnen ihr Publikum vom Optimierungsdruck entlasten? Götz appelliert dazu, einfach mehr zuzulassen, die Fettrollen zu zeigen, die sogar Models haben, Schönheitsfehler nicht mit dem Filter zu bearbeiten und Abweichungen von der Norm in ein positives Selbstbild zu integrieren. Als Beispiel nennt sie Lisa und Lena, zwei 16-jährige Instagram-Stars mit über 14 Millionen Abonnenten. Als einen der großen Momente wertet die Wissenschaftlerin das Bekenntnis der Zwillinge zur Zahnspange. Götz sieht die beiden damit als brauchbares Vorbild für Mädchen, die zumindest nicht stereotyp schön sind, deren Nase vom Ideal abweicht und die trotzdem „voller Selbstvertrauen sind und ihren Körper genießen“. 

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Wem gehört YouTube? Grafik: MaLisa



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