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Am Mittwoch im Fernsehen Frühe Frauenrechte: Spielfilm und Doku über Frauen am Bauhaus

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In der Kunsthochschule Bauhaus entwerfen Lotte (Alicia von Rittberg) und Paul (Noah Saavedra) ihr erstes gemeinsames Architekturmodell.In der Kunsthochschule Bauhaus entwerfen Lotte (Alicia von Rittberg) und Paul (Noah Saavedra) ihr erstes gemeinsames Architekturmodell.

Osnabrück. Der Begriff „Bauhaus“ dürfte den meisten ein Begriff sein. Auch, dass er nichts mit Heimwerkermärkten zu tun hat, sondern ein Design- und Architekturstil ist: klare Linien, keine Schnörkel, große Farbflächen. Weniger bekannt dürfte sein, dass das Bauhaus sich auch die für Frauenrechte einsetzte. In einem Spielfilm und einer Doku rückt das heute in den Vordergrund.

Es waren revolutionäre Zeiten, damals 1919. Gerade hatte der Kaiser abgedankt, die ersten Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung waren abgehalten. Das Alte brach zusammen, Neues war im Aufbruch, auch in den gesellschaftlichen Vorstellungen und Normen.

Das Bauhaus passte da hinein. 1919 hat der Architekt Walter Gropius in Weimar diese Kunsthochschule neuen Stils gegründet. Der Name der Schule, Bauhaus, passt da hinein. Denn es wurde gebaut: mit Holz und Metall, Stoff und Beton. Die Grenzen zwischen Handwerk, Kunst und Architektur sollten fallen. Fallen sollten auch die Geschlechtergrenzen: die Hälfte der Studierenden sollten Frauen sein, forderte Gropius, Begabung war das Aufnahmekriterium, nicht das Geschlecht. Hier weiterlesen: Mythos Bauhaus - die Geschichte der Hochschule in fünf kurzen Kapiteln.

Walter Gropius (Jörg Hartmann) will in seiner Hochschule Männer und Frauen gleichberechtigt unterrichten. Foto: MDR/UFA Fiction/Stanislav Honzik


Das war revolutionär. Vielleicht zu revolutionär wie die damalige Gesellschaft, die konservativ und vom Kaiserreich geprägt war. Auch im kleinen Weimar, das schließlich nicht Berlin war. Das Bauhaus war beides: ein Sehnsuchtsort für moderne junge Leute, die nach persönlicher und sexueller Freiheit strebten; und ein Sündenpfuhl für die traditionell orientierte Gesellschaft, die für Frauen die Mutterschaft und für Männer einer anständigen Beruf vorsah.

In diesem Zwiespalt befindet sich Lotte (Alicia von Rittberg). Ihre Familie lebt 1921 in Weimar, der Vater betreibt dort eine Schreinerei. Sein Lebensziel für die Tochter: Sie soll im Büro helfen und einen Mann heiraten, der die Firma übernimmt. Doch Lotte hat andere Träume. Sie zeichnet, sie hilft in der Werkstatt und will einen künstlerisch-kreativen Beruf. Sie will ins Bauhaus.

Lotte bewirbt sich und wird aufgenommen – und zuhause rausgeworfen. Jetzt hat sie die Freiheit, die sie wollte. Sie findet Freunde und Erfüllung in ihrem Studium; sie findet Paul (Noah Saavedra), den Mann, den sie liebt und mit dem sie bald zusammenzieht. Sexuelle Befreiung – noch so ein Tabubruch für ihre Familie, die sich von ihr lossagt.

Gleichberechtigung funktioniert nicht immer

Und doch läuft nicht alles rund im Bauhaus. Die Professoren – hier „Meister“ genannt – sind, natürlich, Männer. Berühmtheiten wie Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger sind dabei. Und die haben nicht in allem dieselbe Vorstellung wie Walter Gropius. Frauen ja, finden sie, aber bestimmt in der Holz- oder der Metallwerkstatt. Nicht als Architektin. Malen dürfen sie und in der Weberei arbeiten. Weben, das war schon immer eine Frauenkunst. Außerdem müsse man Rücksicht nehmen. Die Gesellschaft sei noch nicht so weit. Der zunehmende Ärger mit den rechten Kräften des frühen Nationalsozialismus werfen ihre braunen Schatten voraus.

Doch Lotte begehrt auf. Mit einigem Erfolg. In der Holzwerkstatt, für die sie nun doch zugelassen wird, entwickelt sie Kinderzimmermöbel nach dem Baukastenprinzip. Sie entwirft zusammen mit ihrem Lebensgefährten Paul moderne Villen. Und sie muss erleben, dass man sie nicht ernstnimmt. Dass sie allenfalls als Pauls Assistentin gilt. Und dass sie beruflich völlig aufs Abstellgleis gerät, als sie schwanger wird und eine Tochter zur Welt bringt. Den Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau bekommt sie nur noch über Paul mit, der inzwischen eine wichtige Rolle in der Schule einnimmt. Sie bleibt zu Hause. Die Rückwärtsrolle ist vollbracht.

Spielfilm mit historischem Wert

„Lotte im Bauhaus“ ist ein Spielfilm. Aber er hat einigen historischen Wert. Er erzählt durchaus realistisch vom Leben und Treiben in der Hochschule, von den politischen und finanziellen Schwierigkeiten. Er ist an Originalschauplätzen in Weimar und Dessau gedreht mit Originalrequisiten und –gebäuden. Die Rolle der Lotte erinnert an Frauen, die tatsächlich im Bauhaus studiert haben. Alma Buscher zum Beispiel, die tatsächliche Erfinderin der höchst erfolgreichen Kinderzimmermöbel. Andere Personen sind historisch. Walter Gropius (Jörg Hartmann), der Gründer der Schule, der zwischen dem eigenen Anspruch und den gesellschaftlichen Zwängen vermitteln muss; Lottes Freundin Friedel Dicker (Nina Gummich), eine begabte Studentin, die das erste Flachdach-Haus entwarf und später zunächst nach Prag floh, dann nach Theresienstadt deportiert und schließlich im KZ Auschwitz vergast wurde.

Monika Stadler erzählt über das Leben ihrer Mutter, der Bauhaus-Meisterin Gunta Stölzl. Foto: MDR/Koberstein Film/Marcus Winterbauer


Wer mehr über die tatsächlichen Bauhausfrauen erfahren möchte, dem sei die 30-minütige Dokumentation empfohlen, die dem Spielfilm folgt. Drei Frauen stehen im Mittelpunkt, von ihnen erzählen Expertinnen. Aber auch zwei Kinder von Bauhausfrauen berichten über ihre Mütter und deren Erfahrungen an der Hochschule, darunter die Tochter von Gunta Stölzl, die als einzige Frau in den Kreis der Meister aufgenommen wurde.

Doch in der Summe waren die Erfahrungen eher schlecht – und je stärker der Nationalsozialismus wurde, desto schlechter. Fast alle verließen schon vor der Schließung 1933 das Bauhaus. Außer für Experten sind die Bauhausfrauen weitgehend vergessen. Grund genug, zum 100-jährigen Jubiläum der Kunsthochschule mit Spielfilm und Dokumentation an sie zu erinnern.

Lotte am Bauhaus. Am Mittwoch, 13. Februar 2019, um 20.15 Uhr im Ersten

Die Bauhausfrauen. Film von Susanne Radelhoff. Am Mittwoch, 13. Februar 2019, um 22 Uhr im Ersten


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