Heute Abend auf Arte Doppelleben in der Notaufnahme: „Verrate mich nicht“

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Verwirrend, aber spannend: Jodie Whittaker (r.) spielt Cath Hardacre, die Dr. Sutton spielt.Verwirrend, aber spannend: Jodie Whittaker (r.) spielt Cath Hardacre, die Dr. Sutton spielt.

Osnabrück. Am 31.1.19 um 20.15 Uhr startet bei Arte die 4-teilige britische Miniserie „Verrate mich nicht“.

Die britische Schauspielerin Jodie Whittaker („Broadchurch“) machte zuletzt Schlagzeilen als aktuelle Inkarnation der Hauptfigur in der BBC-Langzeit-Serie „Doctor Who“  In „Verrate mich nicht“ (Originaltitel: „Trust Me“) spielt sie die Krankenschwester Cath Hardacre, die zu Beginn der Geschichte haarsträubende Patientenvernachlässigungen an ihrem Arbeitsplatz anprangert. Dafür wird sie vom Dienst suspendiert. Die alleinerziehende Mutter steht vor dem Nichts - bis ihre Freundin und Kollegin Dr. Ally Sutton nach Neuseeland auswandert. Cath beschließt Allys Identität anzunehmen, fälscht ihren Lebenslauf, wälzt Fachliteratur und bekommt tatsächlich einen Job als Ärztin in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Edinburgh. Mit Hilfe von YouTube-Videos und einem kleinen Handbuch arbeitet sie sich provisorisch ein. Doch die Notaufnahme ist nicht nur ein Kessel Buntes, in dem man nie weiß, mit welchem Leiden der nächste Patient kommt. Es geht auch immer wieder um Leben und Tod. 

Ständige Bedrohung

„Verrate mich nicht“ funktioniert - ähnlich wie der US-Serienerfolg „Nurse Jackie“ - aufgrund des Doppellebens, das die Heldin führen muss. Sogar ihre kleine Tochter wird darauf getrimmt Mama mit dem neuen falschen Namen anzusprechen. Die ständig schwelende Bedrohung der Entdeckung verleiht jeder Szene eine Grundspannung, die über die Standards der handelsüblichen Krankenhausserie hinausgeht. Und wenn der Zuschauer sich eben zurücklehnen will, weil es scheint, als fasse Cath in ihrem neuen, besseren Leben endlich Fuß, meldet sich die Vergangenheit zurück. Der Reporter Sam, dem sie in ihrem früheren Leben als Krankenschwester von den Missständen auf ihrer Station erzählt hatte, spürt sie auf und will sie als Quelle für seine Story. Hinzu kommt, was kommen muss: Cath beginnt eine Affäre mit ihrem neuen Kollegen Andy, der natürlich ebenfalls nicht wissen darf, wer sie wirklich ist.

Kritik am Gesundheitssystem

Scheinbar nebenbei greift „Verrate mich nicht“ das Thema Pflegenotstand auf, das nicht nur in Großbritannien aktuell ist. „Scheiß auf das Gesundheitssystem“ lautet bezeichnenderweise der Trinkspruch, mit dem die Belegschaft der Notaufnahme zur Verabschiedung der echten Dr. Ally Sutton anstößt. Die wiederum ist froh endlich der Mühle des Krankenhausbetriebs zu entrinnen und macht keinen Hehl daraus. Dass es neben der günstigen Gelegenheit zum Betrug auch Caths finanziell prekäre Situation als unterbezahlte Krankenschwester und alleinerziehende Mutter ist, die sie zu der gefährlichen Scharade verleitet, ist eine weitere sozialpolitische Randnotiz. Schließlich geht es aber auch um den Nimbus der Unfehlbarkeit, der auch hierzulande den Berufsstand des Arztes umweht und der es Cath überhaupt ermöglicht längere Zeit als Ärztin durchzugehen. Symptomatisch für die Klassengesellschaft innerhalb der Krankenhausbelegschaft ist der erste Fehler, den Cath in ihrer Rolle als Ally macht: sie wechselt einen Verband selbst. Für sie als Krankenschwester Normalität, für Schwester Karen in der Notaufnahme Edinburgh ein sofortiger Hingucker: Ärzte wechseln nie selbst Verbände! Die Arroganz, die man von ihr als Dr. Sutton erwartet, fehlt Schwester Cath, was sie beliebt macht, aber auch in Gefahr bringt. Dieser elegante Zweischritt, mit dem „Verrate mich nicht“ Rollenklischees und soziale Schieflagen auf den Punkt bringt und zugleich dauerhaft für Spannung sorgt, macht die Miniserie zu einem kleinen Juwel. Die Tatsache, dass sich die britische Fangemeinde beim Staffelfinale der BBC-Ausstrahlung über die Beleuchtung ärgerte, zeigt, dass auf hohem Niveau geklagt wird. Eine zweite Staffel ist bereits angekündigt, muss allerdings ohne Jodie Whittaker auskommen, die nun für „Doctor Who“ im Einsatz ist.

Arte zeigt die Folgen 1 und 2 am 31.1.19, Folge 3 und 4 am 7.2., jeweils ab 20.15 Uhr.


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