Vor dem IBES-Finale 2019 Tag 14 im Dschungelcamp: Wer hat jetzt schon gewonnen?

Tag 14 im Camp: Bastian Yotta redet Tacheles. Foto: TV NOWTag 14 im Camp: Bastian Yotta redet Tacheles. Foto: TV NOW 

Berlin. Am Samstag geht das Dschungelcamp 2019 ins Finale. Wir bilanzieren schon jetzt die Sieger und Verlierer der 13. Staffel.

Das gab’s noch nie in 13 Staffeln Dschungelcamp: Wegen eines Serverproblems können die Zuschauerstimmen nicht ausgezählt werden – sodass am 14. Tag notgedrungen niemand die Show verlässt. Nach einem Halbfinale mit sechs Teilnehmern werden am Freitagabend dafür drei Kandidaten auf einmal gehen.  

Am Samstag entscheidet sich dann, wer Dschungelkönig wird – und die erstmals ausgelobte Prämie von 100.000 Euro kassiert. Wir bilanzieren schon jetzt, für wen sich der Einzug in den medialen Zirkus gelohnt hat. Wie haben sich die Dschungelcamper verkauft?

Peter Orloff: Optimistisch, heiter und auf eine rührende Weise von gestern: Der Schlagersänger vertritt auch im Trash-TV die Ideale, mit denen ARD und ZDF in den 70er Jahren Entertainment gemacht haben. Peter isst Schweine-Vagina und entschuldigt sich zugleich, wenn er mal „Scheiße“ sagt. Die steife Muskelmann-Pose, mit der Peter sein Alter überspielt, wird von den anderen Campern freundlich veralbert. Fast 75 Jahre ist er alt, aus seinen Augen aber blickt immer noch ein Junge, der geliebt werden will. Und irgendwie scheint er es im Dschungel geschafft zu haben.

Domenico de Cicco: Im Kuppel-TV verliebt er sich in Evelyn. Danach kehrt Domenico zur schwangeren Freundin zurück. Im Dschungel wartet Evelyn dann auf eine Erklärung. Die Ausgangslage ist also ohnehin schlecht, um sich als netter Kerl zu verkaufen. Aber nur ein Könner macht daraus das maximale Debakel: Domenico setzt sich nicht nur Evelyn gegenüber ins Unrecht; er lässt auch noch sein Familienleben als Instagram-Marketing erscheinen und geht wegen nicht ganz echter Haaren zu allem Überfluss als Toupenico in die Formatgeschichte ein.

Evelyn Burdecki: Statt sich auf den leichten Sieg gegen Domenico zu beschränken, verfolgt die virtuose Selbstdarstellerin einen Masterplan: die ziemlich intelligente Selbstvermarktung als Dummchen. Ihr Meisterstück ist Tag 10, an dem sie ihr schlaues Jahr ausruft, die Lektüre von Büchern ankündigt – und im naiven Bildungshunger erst recht doof wirkt. Dann sinniert sie über ihre „Fehlbildung“: Evelyns Stilblüten sind so brillant, als kämen sie von Stichwortkarten. Diese Frau hat was drauf – umso anstößiger ist es, dass sie sich als wandelnden Blondinen-Witz verkauft.

Leila Lowfire: Als Betreiberin eines Sex-Podcasts hätte Leila beweisen können, dass Reality-TV auch auf originelle Weise schlüpfrig sein kann. Sie hätte all die plastisch überarbeiteten Porno-Stars, Zuhälter-Witwen und Sex-Messen-Testimonials, die hier sonst sitzen, ein für alle Mal vom Bildschirm jagen können. Was tut sie? Süß lächeln und langweilen. Ein klarer Fall von Arbeitsverweigerung.

Sandra Kiriasis: Im Bob eine Ausnahmesportlerin bleibt Sandra im Dschungel unauffällig. Freundlich und bodenständig geht sie zumindest unbeschadet aus dem Format hervor. Nicht mal der gemeinsam mit Ex-Camperin Indira Weis aufgenommene Song „Es geht auf’s Eis“ kann dieser grundsoliden Person etwas anhaben.



Felix von Deventer: Schon vor dem Dschungelcamp hat der GZSZ-Star eine Pressemitteilung zur Schwangerschaft seiner Freundin vorbereitet. Im Dschungel weint er regelmäßig Freudentränen und entschuldigt sich fadenscheinig, weil er die Siegprämie in sein junges Familienglück stecken will. 100.000 Euro: Das wird eine schicke Erstausstattung.

Bastian Yotta: Der Motivationscoach berät alles, was sich nicht wehrt. Seine Kernthese – jeder hat Erfolg, wenn er es sich nur oft genug vorbetet – sind von mehreren Flop-Dschungelprüfungen widerlegt. Trotzdem werden Bastians Mantras Erkennungsformeln der Staffel. In kontrollierten Wortet berichtet Bastian immer wieder von der Kindheit unter Vaters Stock, vom spektakulären Aufstieg nach einem Selbstmordversuch – und wirkt dabei so glaubhaft wie seine hochmaterialistische Spiritualität. Er geht ungeliebt, aber bekannt. Das dürfte ihm reichen.

Chris Töpperwien: Der Vox-Auswanderer mit der Currywurst geht mit nur einem Thema durchs Camp: Opposition gegen seinen Erzfeind Bastian. Tatsächlich verhält Chris sich in seinen Anwürfen aber so herrisch und unfair, dass die Attacken dem Gegner womöglich eher nutzen. Weil Chris seinen Auftritt mit herablassender Dominanz würzt, fällt seine Bilanz durchwachsen aus: viel Sendezeit und wenig Sympathien.

Gisele Oppermann: Mit neun Dschungelprüfungen in Folge stellt die GNTM-Veteranin Larissa Marolts ewigen Rekord ein. Wo es bei Larissa noch um die Lustigkeit des Leidens ging, wirken bei Gisele offenbar echte Bestrafungsfantasien. Mit ihrer tränenreichen Selbstbezogenheit macht sie sich im Camp keine Freunde – und unter den Zuschauern auch nicht.

Doreen Dietel: Die Schauspielerin lässt ein Klischee aufleben, das Dschungelkandidaten in den allerersten Staffeln gern bemühten: die Grenzerfahrung als Weg zu Einkehr und Läuterung. Doreen betreibt Selbstanalyse, weint alten Liebhabern nach und beklagt die Arbeitssucht, mit der sie sich um das Familienleben betrügt. In der rotierenden Ironie des Formats wirkt ihr therapeutischer Ansatz etwas zerquält.

Tommi Piper: 77 Jahre ist er alt und immer noch so laut wie der Held, den er synchronisierte: Alf. Mal enthüllt Tommi den Alkoholismus seiner Frau, mal zieht er sich aus und informiert über seine Prostata-Ejakulationen. Er bricht anlasslos Konflikte vom Zaun und umschwärmt etwas zu feurig die Frauen im Camp. In einem Wort: Er liefert ab – aber immer erkennt man dahinter den Schauspieler, der er seit mehr als sechs Jahrzehnten ist.

Sibylle Rauch: Armentafel, Prostitution, Selbstmordgedanken – das Busenwunder der „Eis am Stiel“-Filme hat sich Schritt für Schritt zugrunde gerichtet. An ein Comeback im Dschungelcamp, erzählt sie beim Auszug, hat sie dann selbst nicht mehr geglaubt. „Ich wusste es besser“, sagt sie und stellt fest, „dass es diese zweite Chance einfach nicht gibt, wenn man da landet, wo ich war. Und irgendwie hat’s sicher auch seinen Grund.“ Nüchterner kann man sein eigenes Scheitern nicht abhaken. Hut ab, vor diesem Mut. Selten hat das Reality-TV einen so berührenden Moment produziert.

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