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Heute Abend im ARD-Programm Tatort „Der Pakt“ aus Saarbrücken: Devid Striesows feiner Abgang

Ramponiert wie selten zuvor: Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) beim Verhör. Foto: SR/Manuela MeyerRamponiert wie selten zuvor: Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) beim Verhör. Foto: SR/Manuela Meyer

Osnabrück. Vorhang auf zum Abgang: Devid Striesow gibt heute Abend mit „Der Pakt“ seinen Ausstand als Saarbrücker Tatort-Kommissar Jens Stellbrink, den er sechs Jahre lang verkörperte. Die respektable Abschiedsvorstellung einer umstrittenen Figur. Kommt jetzt Désirée Nosbusch?

Als der Profiler und langjährige Tatort-Berater Axel Petermann kürzlich im Interview mit unserer Redaktion gefragt wurde, welcher TV-Kommissar überhaupt nicht gehe, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Devid Striesow als Stellbrink im Tatort aus Saarbrücken, den gibt’s ja zum Glück nicht mehr.“ Zumindest mit dem letzten Teil seiner Antwort lag er falsch: Devid Striesow gibt erst an diesem Sonntag seinen Tatort-Ausstand.

Es ist das Ende eines großen Missverständnisses. Als Striesow in der Rolle des Jens Stellbrink 2013 die Tatort-Bühne betrat, kam dieser wunderbare Schauspieler daher wie eine alberne Witzfigur auf einem klapprigen Moped. Münster hatte damals Hochkonjunktur und der Saarländische Rundfunk (SR) wollte offensichtlich auch auf der Humorwelle surfen. Doch er bekam nie so richtig Wasser unters Brett.  


Sieht eigentlich aus wie gut angekommen: Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) beim "Schwenken" (saarländisches Grillen) auf seiner Dachterrasse. Foto: SR/Manuela Meyer


„Melinda“ hieß die erste Folge, die am 27. Januar 2013 über den Bildschirm flimmerte. In der Kritik unserer Zeitung hieß es damals: „Man stelle sich vor, Götz George säße in seiner Rolle als „Tatort“-Legende Horst Schimanski am Sonntagabend vor dem Fernseher und sähe sich den ersten Auftritt seines Kollegen Devid Striesow alias Jens Stellbrink in Saarbrücken an. Vorstellbar ist diese Reaktion: Das alte Raubein brüllt ein dreifaches ,Scheiße‘ und spült seinen Ärger mit zehn rohen Eiern hinunter.“ (So war der erste Saarbrücker Tatort mit Devid Striesow)

Selbst die eigentlich wohlgesonnene „Saarbrücker Zeitung“ fremdelte mit dem bunten Vogel, der im gelben Ostfriesennerz auf einem roten Moped daherkam. „Übertrieben kauzig“ sei es gewesen, „wenn der Vespa-Kommissar mit großen Kinderaugen als reiner Tor durch den saarländischen Sex- and Crime-Dschungel rollerte.“  


Im letzten Fall gibt's eine neue Kollegin: Jens Stellbrink (Devid Striesow) mit Kommissarin Mia Emmrich (Sandra-Maren Schneider). Gehört sie auch künftig zum Team? Foto: SR/Manuela Meyer


Striesow selbst schätzte die Publikumsreaktionen mit 20 Prozent Zustimmung und 80 Prozent Ablehnung durchaus realistisch ein, wertete das Entsetzen der Zuschauer im Interview mit unserer Redaktion jedoch als „eine Art Reklame für den Stellbrink“. Womit er sich täuschte. (Das komplette Interview mit Devid Striesow)

Die SR-Verantwortlichen auf dem Saarbrücker Halberg rissen das Ruder herum, spendierten dem Kommissar einen zeitgemäßen fahrbaren Untersatz und entwöhnten ihn vom Lachgas. Mit Erfolg: Ihr Tatort wurde sprunghaft besser, die Folge „Weihnachtsgeld“ am zweiten Feiertag 2014 war ein echter Klassekrimi. Regie führte damals Zoltan Spirandelli, der das in den Brunnen gefallene Kind vom glücklosen Kollegen Hannu Salonen übernommen hatte. (So gut war der Tatort "Weihnachtsgeld")

Nun verlässt Striesow diese Bühne wieder – und weint in seiner letzten Szene. Hätte er damals so begonnen wie er nun aufhört – „Der Pakt“ wäre vermutlich nicht sein letzter Tatort. Aber in Saarbrücken gehen die Uhren offenbar anders – immer wenn ein Tatort die Kurve gekriegt hat, ist das Rennen zu Ende. Schon Striesows Vorgänger Maximilian Brückner und Gregor Weber mussten gehen, als sie endlich gut geworden waren. Bei Striesow verhält es sich allerdings anders: Er nahm seinen Hut aus freien Stücken. Der Regisseur seiner Abschiedsvorstellung ist: Zoltan Spirandelli.

Saarbrücken ist in Partystimmung. Bei der Polizei wird gefeiert, ebenso in einem Schwesternwohnheim. Dort allerdings endet der Abend dramatisch. Schwesternschülerin Vanessa, die sich zum Sex mit einem iranischen Arzt ins Zimmer der Kollegin Anika zurückgezogen hat, wird bei deren Rückkehr erdrosselt aufgefunden. Anika hatte den Abend lieber im Einsatz für die „MefA“ (Mediziner für Asyl) verbracht und war einem ägyptischen Asylbewerber auf die Schliche gekommen, der Schicksalsgenossen an die Ausländerbehörde verrät und damit der Abschiebung preisgibt.  


Der ägyptische Christ Kamal (El Mehdi Meskar, links) verrät andere Asylbewerber, damit er und sein kleiner Bruder Ayoub Atiya (Ayoub Hussein) bleiben können. Foto: SR/Manuela Meyer


Typisch Tatort: Ein buntes Angebot von Verdächtigen, falsche Fährten und ein Kommissar, der immer erklärend zusammenfasst, wenn der Zuschauer mal etwas nicht verstanden haben könnte. Aber: Das ist durchaus gut gemacht. Emotional, aber – mit Ausnahmen – nicht melodramatisch. Spannend, aber nicht reißerisch. Dosiert humorvoll, aber nicht albern. So hätten wir Striesow alias Stellbrink gern noch länger zugesehen.

Tun wir aber nicht, weil der Schauspieler selbst schon im Sommer 2017 die Reißleine zog und seinen Ausstieg verkündete. Seitdem wartet das Publikum auf die Namen seiner Nachfolger. Doch der Halberg hüllt sich in Schweigen. Lediglich die Tatsache, dass künftig ein Quintett ermitteln und zumindest einer aus dem bisherigen Team dazugehören soll, konnte die „Saarbrücker Zeitung“ zutage fördern.


Letzter Auftritt in Saarbrücken: Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) mit Polizeikollegen bei der Fahndungsabsprache. Foto: SR/Manuela Meyer


Dass auch Désirée Nosbusch, die zuletzt in „Bad Banks“ glänzte, dabei sein soll, wird weder dementiert noch bestätigt. Erst im März werde es konkrete Informationen gebe, sagt SR-Sprecher Peter Meyer auf Anfrage unserer Redaktion.


Tatort: Der Pakt. Das Erste, Sonntag, 27. Januar 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 4 von 6 Sternen


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