Netflix & Co setzen auf Europa Globale Videodienste profitieren von lokalen Inhalten

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Die polnische Netflix-Serie "1983" zeigt eine düstere Alternativwelt, in der es auch noch im Jahr 2003 die Berliner Mauer, den Eisernen Vorhang und den Kalten Krieg gibt. "1983". Alle acht Folgen der ersten Staffel bei Netflix. Foto: Krzysztof Wiktor / Netflix.Die polnische Netflix-Serie "1983" zeigt eine düstere Alternativwelt, in der es auch noch im Jahr 2003 die Berliner Mauer, den Eisernen Vorhang und den Kalten Krieg gibt. "1983". Alle acht Folgen der ersten Staffel bei Netflix. Foto: Krzysztof Wiktor / Netflix.

Osnabrück. Die EU will die Betreiber von Video-Plattformen in die Pflicht nehmen, mindestens 30 Prozent europäische Inhalte zu streamen. Und rennt damit offene Türen ein. Insbesondere Netflix setzt schon seit geraumer Zeit auf lokale Inhalte im globalen Wettbewerb.

Eine der herausragendsten Netflix-Produktionen des vergangenen Jahres stammt aus Polen. Sie heißt schlicht und ergreifend „1983“ und spielt in einer bitterbösen alternativen Realität.

Die Handlung lässt sich grob umrissen so zusammenfassen: Nach verheerenden Anschlägen im Jahr 1983 hat sich das Land in einen äußerst restriktiven Überwachungsstaat entwickelt. 20 Jahre später, die Berliner Mauer ist nie gefallen und der Eiserne Vorhang ist immer noch politische Realität, werden der abgehalfterte Ermittler Anatol Janów (Robert Więckiewicz, "In Darkness") und der angehende Anwalt Kajetan Skowron (Maciej Musiał) mit den Ereignissen rund um die Anschläge konfrontiert. Dabei kommen sie einer ungeheuerlichen Verschwörung auf die Spur, die weit über das Ministerium für Staatssicherheit hinausragt.

Nicht nur die dystopische Alternativwelt-Geschichte der Serie "1983", in der der Sowjetkommunismus überlebt hat, erscheint bemerkenswert. Auch einige Produktionsumstände lassen aufmerken. Für die Regie zeichnen ausschließlich Frauen verantwortlich, unter ihnen Agnieszka Holland ("Hitlerjunge Salomon") und ihre Tochter Katarzyna Adamik. Die optisch sowie dramaturgisch hochwertig produzierte Serie „1983“ markiert darüber hinaus die erste polnische Serienproduktion des Streaming-Giganten Netflix.

Nun haben sowohl Amazon Prime-Video als auch Netflix seit jeher europäische Produktionen eingekauft und selber produzieren lassen. Aber insbesondere Netflix hat bereits im vergangenen Jahr erkennbar sein Bestreben verstärkt, auf europäische Eigenproduktionen zu setzen.

Das passt natürlich zusammen mit einer im Oktober 2018 beschlossenen EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste. Darin heißt es, dass in Zukunft „mindestens 30 % der Programminhalte von Fernsehsendern und Videoabrufdiensten europäischer Herkunft sein müssen.“

Aber mit dieser Richtlinie rennt die EU insbesondere im Fall von Netflix ziemlich weit geöffnete Türen ein. Schließlich gehöre der Ausbau europäischer Eigenproduktionen für den Streaming-Anbieter zu dessen strategischer Gesamtausrichtung, wie ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt. Oder, wie es Kelly Luegenbiehl als Vize-Präsidentin für europäische Originalserien anlässlich der Ankündigung von neuen deutschen Netflix-Produktionen letzten Herbst formuliert hat: „Bei Netflix wollen wir einheimische Geschichten erzählen, die global verstanden werden.“

Dass lokale Inhalte im globalen Wettbewerb gut ankommen, wenn sie gut gemacht sind, hat man sowohl bei Amazon Prime Video wie auch bei Netflix längst erkannt. Seit Jahren sind dort nicht nur Geheimtipps wie die bulgarische Mafia-Serie „Undercover“ (Prime Video) oder die dänische Lehrerin-Serie „Rita“ (Netflix) zu finden. Es wird auch fleißig Neues produziert.

Bewährtes wie „Pastewka“ (die zehnte Staffel ab 25. Januar bei Prime Video) oder „Dark“ (Netflix) wird fortgesetzt. Und Neues ausprobiert. Allein für Deutschland kündigt Netflix im Jahr 2019 fünf inhaltlich breit gefächerte neue Produktionen an. Darunter die SF-Dystopie „Tribes of Europe“ sowie die geschichtsträchtige Produktion „The Barbarians“ über die Varusschlacht im Teutoburger Wald.

Aber auch weitere lokale europäische Neuproduktionen sollen die globale Zuschauerschaft zu Netflix locken. So zum Beispiel die Serie „Young Wallander“, die Wallanders allerersten Fall in sechs Episoden erzählt. Oder die französische Produktion „1787“, die sich auf ganz besondere Weise der Französischen Revolution nähert. Aus europäischer Perspektive noch interessanter erscheint die zwölfteilige Anthologie „Criminal“. Eine deutsch-französisch-spanisch-britische Koproduktion als Kammerspiel-Thriller im Verhörraum.

Streaming-Tipp: „1983“. Alle acht Folgen der ersten Staffel im Abo von Netflix.


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