Neue Highschool-Serie „Sex Education“ auf Netflix: Nie war schlechter Sex besser

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Wollen wir über Masturbation sprechen? In „Sex Education“ verwechselt Otis' Mutter (Gillian Anderson) ihren Sohn (Asa Butterfield) mit einem Klienten. Foto: Sam Taylor/NetflixWollen wir über Masturbation sprechen? In „Sex Education“ verwechselt Otis' Mutter (Gillian Anderson) ihren Sohn (Asa Butterfield) mit einem Klienten. Foto: Sam Taylor/Netflix

Berlin. Diese Highschool-Serie räumt mit allen Klischees auf: Auf Netflix startet „Sex Education“ mit Gillian Anderson. Ansehen!

Die erste Folge der britischen Highschool-Serie „Sex Education“ beginnt direkt mit dem Sex: Ein Schülerpärchen schläft miteinander. Und während sie eine Porno-Fantasie nach der anderen abspult, spielt er ihr einen Orgasmus vor. Und wird vom eigenen Kondom überführt. Der Netflix-Kracher trägt die Sexualkunde nicht nur im Titel: Was immer man aus Frauenzeitschriften über Sex zu wissen glaubt – hier wird es alles widerlegt  – und das mit originelleren, besser beobachteten und lustiger ausgespielten Konflikten, als im Genre sonst üblich.  

Wovon handelt „Sex Education“?

Im Zentrum der Serie steht der 17-jährige Otis, dessen Hemmungen im direkten Verhältnis zur Offenheit seiner  Mutter stehen. Die ist Sexualtherapeutin und qua Beruf distanzlos. Immerhin: Die Daueranalyse, die Otis zu Hause erduldet, macht ihn trotz mangelnder Erfahrungen zum profunden Experten in Beziehungsfragen. Gemeinsam mit Maeve – einem Underdog-Mädchen, in das er heimlich verliebt ist – zieht Otis auf dem Schulhof einen inoffiziellen Beratungsdienst auf.

Bald floriert das Geschäft: Die Mitschüler von Otis und Maeve decken nämlich die ganze Bandbreite sexueller Notlagen ab – als verklemmte oder im Gegenteil enorm paarungswillige Jungfrauen, als manische Selbstbefriediger oder Queen-Elisabeth-Fetischisten. Das klingt kurios, tatsächlich dürfte sich aber jeder Zuschauer in wenigsten einer der hochgradig diversen Figuren wiedererkennen. Das liegt auch daran, dass die Autoren jede einzelne zu ihrem Recht kommen lassen: Der Aufreißer aus dem Sportteam, sicherer Antagonist jeder Highschool-Komödie, entpuppt sich hier als leidenschaftlich Liebender mit einer Familienpackung an Problemen. Sogar zwei bigotte Abtreibungsgegner, die nur kurz als Nebenfiguren auftauchen, kriegen Mitgefühl und eine eigene Geschichte.

Eignet „Sex Education“ sich für den Unterricht?

Teenage-Schwangerschaft, Cyber-Mobbing und ungewollte Erektionen beim Schulkonzert – die Serie deckt alle relevanten Themen ab und wäre ohne weiteres im Unterricht einsetzbar. Zumindest in Klassen, die das Handy-Foto einer Vagina in Nahaufnahme aushalten und mit einem schonungslosen Humor umgehen können. Sehr lustig ist die Serie nämlich auch noch: Mal verwechselt die Sex-Therapeutin Klempner und Klient und befragt ihren Handwerker zu seinen Hoden. Mal begreift ihr neuer Lover ausgerechnet beim Handschlag, dass er Otis gerade beim Masturbieren stört. Lustiger kann man peinliche Situationen nicht ausspielen!

Gut gespielt ist die Serie auch. Showrunner Laurie Nunn kann auf ein Klasse-Ensemble zurückgreifen: Otis wird von Asa Butterfield dargestellt, dem einstigen Kinderstar aus Martin Scorsese Kinofilm „Hugo“ (2011), seine Mutter macht „Akte X“-Star Gillian Anderson zu einem grandiosen Mix aus Witz und Sex-Appeal.

Schüler sein, mit Eltern auskommen, unglücklich begehren – all das schildert diese Serie in angemessener Weise als lustige, schmerzhafte, hochkomplexe und in jedem Fall aufregende Erfahrung. In einem Wort: „Sex Education“ lohnt sich für jeden. Egal, ob man nun selbst noch Jungfrau ist – oder ob man sich nur wehmütig wünscht, man hätte diese entlastende Serie schon vor dem ersten Mal gesehen.

 „Sex Education“: Acht Folgen sind ab dem 11. Januar bei Netflix verfügbar.




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