Interview mit der Schauspielerin Christiane Paul bewahrt ihren Emmy in der Küche auf

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Andere Menschen bräuchten zwei oder mehr Leben für das, was Christiane Paul in den ersten 44 Jahren ihres Daseins geschafft hat: Model, Ärztin, Schauspielerin, sozial stark engagierte Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und nicht zuletzt zweifache Mutter. An diesem Samstag ist die Emmy-Preisträgerin einmal mehr als unorthodoxe Kommissarin Ann Kathrin Klaasen in der Verfilmung eines Ostfriesland-Krimis von Klaus-Peter Wolf zu sehen. Aus ihrem spannenden Leben erzählt sie in einem Berliner Café:

Frau Paul, Sie haben Ihren Emmy in der Küche stehen…

Ja. Wir haben eine Wohnküche, und da gibt es ein Podest mit CDs, allem möglichen anderen Kram, dem Emmy und ein paar anderen Preisen. Da steht er gut, man kann ihn von überall sehen, auch wenn ich immer aufpassen muss, dass er nicht runterfällt.

Kochen Sie besser, seit Emmy in der Küche steht?

Nein (lacht). Ich bin so viel unterwegs, dass es mit dem Kochen ein bisschen hapert. Ich krieg zwar immer noch was Frisches hin, aber eine begnadete Köchin bin ich nicht. Vielleicht im nächsten Leben.

Nach Ihnen hat nun auch Anna Schudt den Emmy gewonnen. Was sagt das über die Frauen im deutschen Film?

Anna Schudt hat den Emmy ja für eine andere Art Film und Rolle bekommen als ich vor zwei Jahren. Das zeigt, welche Bandbreite und Vielfalt wir tatsächlich haben. Ich denke, dass es den Frauen im deutschen Film gut geht, auch wenn es da sicher andere Meinungen gibt. Dennoch hat die Bewegung Pro Quote ihre Berechtigung, wobei sie für Frauen hinter der Kamera vielleicht noch wichtiger ist als für Frauen vor der Kamera. Frauen stehen immer häufiger im Mittelpunkt der Geschichten, weil sie aus meiner Sicht auch in der Gesellschaft immer mehr in den Mittelpunkt rücken. Insofern glaube und hoffe ich, dass es auch immer mehr Rollen für Frauen geben wird.

Apropos Frauen – Ihr Geburtstag, der 8. März, fällt auf den Weltfrauentag.

Das ist doch schön. Ich weiß noch genau, dass es an diesem Tag deshalb bei uns in der DDR nie Blumen gab. Das lag sicher daran, dass Schnittblumen generell eher Mangelware waren, aber eben auch am Frauentag, weil man da allen Frauen Blumen schenkte.

Nächstes Jahr soll der Weltfrauentag und damit Ihr Geburtstag in Berlin zum gesetzlichen Feiertag werden.

Im Ernst? Das habe ich noch gar nicht mitbekommen. Dann haben wir am 8. März immer frei? Ist ja toll. Dann kann ich demnächst ja immer richtig Geburtstag feiern.

Noch mal zum Emmy – was hat der sonst noch mit Ihrem Leben gemacht? Müssten Sie nicht längst in Hollywood sein, statt in Aurich und Norden Ostfrieslandkrimis zu drehen?

Ein inneres Glücksgefühl und Anerkennung im Ausland hat er mir gebracht. Eine Bestätigung, dass ich vielleicht doch ein paar Dinge richtig mache, die ich mache. Und ich drehe ja nicht nur in Ostfriesland. 2016 habe ich eine englische Serie gedreht, letztes Jahr die erste Staffel von „Counterpart“ und jetzt die zweite Staffel mit einer größeren Rolle. Deshalb war ich Anfang Dezember auch bei der Premiere in Los Angeles.

Ihre Karriere wird also internationaler?

Der ganze Markt globalisiert sich, wir Schauspieler, aber auch deutsche Regisseure arbeiten dadurch viel häufiger in internationalen Serien. In Deutschland hatte man den Anschluss an die horizontalen Serien fast ein bisschen verschlafen, aber da haben wir in den letzten zwei, drei Jahren total nachgezogen. Mittlerweile fragt man sich ja sogar, wann man das alles gucken soll. Das ist doch toll. Es sind wirklich viele Sachen dabei, die man sich gerne ansieht. „Beat“ fand ich zum Beispiel großartig.

„Beat“ ist eine Amazon-Serie.

Ja, da herrscht eine regelrechte Goldgräberstimmung. Durch die ganzen Streaming-Dienste wird wahnsinnig viel produziert, der Markt vernetzt sich, und wir haben alle überall Arbeit. Wir sind nicht mehr auf unser Land beschränkt, sondern können überall arbeiten. Das empfinde ich als ein Geschenk.

Also sind die Streaming-Dienste für Schauspieler ein Segen?

Ein Gewinn auf jeden Fall, auch wenn viele von uns in den Anfängen von Netflix für einen Bruchteil ihrer normalen Gage gearbeitet haben. Das kann man natürlich nicht auf Dauer machen. Andererseits haben die Streaming-Dienste ganz viel Kreativität angekurbelt, man kann viel absurdere Sachen machen, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch nicht möglich wären. Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler können jetzt zeigen, was sie können und dass sie durchaus dem internationalen Vergleich standhalten.

Das Ende einer Ära?

Nein, auf keinen Fall. Wir können froh sein, dass wir so ein Fernsehen haben, wie wir es haben. Bei aller Kreativität und Energie, die durch die Streaming-Dienste freigesetzt werden, möchte ich keinen Abgesang auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen anstimmen. Im Gegenteil – wir brauchen es mehr denn je.

Warum?

Donald Trump hat nicht nur die politische, sondern auch die informative Welt total durcheinandergewirbelt. Wir müssen zusehen, dass wir noch Informationen bekommen, denen wir vertrauen können. Und dafür ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen wie unseres im weitesten Sinne zuständig, auch wenn die Informationen da auch ausgewählt und damit in gewissem Sinne manipuliert sind. Auf jeden Fall sind sie verlässlicher als irgendwelche Facebook-Meldungen.

In Polen hat die Regierung das Führungspersonal beinahe komplett in ihrem Sinne ausgetauscht.

Ja, und dort kommt die Demokratie an ihre Grenzen. Es ist beängstigend was in Polen, Ungarn oder der Türkei geschieht. Man hat das Gefühl, dass diktatorische Systeme entstehen, in denen demokratische Grundrechte wie Presse-und Meinungsfreiheit mehr und mehr verloren gehen.

Drehen wir die Uhr mal ein ganzes Stück zurück: Sie sind 1974 geboren, haben also die ersten 15 Jahre Ihres Lebens in der DDR verbracht. Wie erklären Sie heute Ihren Kindern, was die DDR war?

Komischerweise sprechen wir eher wenig über die DDR. Wir reden über alles Mögliche, auch über den Zweiten Weltkrieg, aber das Thema DDR muss ich vielleicht noch mal anstoßen. Ich glaube, dass es für Kinder schwer zu verstehen ist – man kann sich heute ja kaum noch vorstellen, dass es eine Mauer gab, die eine Stadt geteilt hat, dass in der DDR Verhaltensmuster und zwischenmenschliche Beziehungen anders waren, dass es gewisse Dinge einfach nicht gab, die Kultur anders geprägt war und vieles mehr. Es war einfach ein anderes Land, ein Land, das es nicht mehr gibt.

Worin sehen Sie den Unterschied zwischen Ihrer Kindheit in der DDR und der Ihrer Kinder?

Das lässt sich schwer vergleichen, die Jugend in einer vergangenen Zeit ist immer anders als die Jugend von heute. Die Zeiten haben sich total verändert, und ich bin mir nicht sicher, ob wir unseren Kindern noch so eine Zukunft zusichern können, wie wir sie hatten. Ohne schwarzmalen zu wollen, glaube ich, dass sie eine Menge Dinge zu lösen haben. Und ich glaube nicht, dass sie es leichter haben werden als wir. Dabei haben sie noch das Riesenglück, in Deutschland in geordneten und materiell stabilen Verhältnissen groß zu werden.

Ärzte als Eltern zu haben war in der alten Bundesrepublik nahezu gleichbedeutend mit einem gewissen Wohlstand. Wie war es in der DDR?

Materielle Werte waren nicht so wichtig. Uns ging es gut, wir hatten Telefon und zwei Autos. Meine Mutter war Anästhesistin, mein Vater Chirurg, beide mussten erreichbar und mobil sein. Das war schon besonders und hat uns aus der Masse hervorgehoben. Dennoch hatte das Materielle einfach nicht so einen Stellenwert, es ging um was anderes, um soziale Gerechtigkeit. Man hatte nicht die Möglichkeit, superreich zu werden, und konnte auch nicht total verarmen. Alle lebten ungefähr auf dem gleichen sozialen Niveau.

Wovon haben Sie geträumt als Mädchen aus Ostberlin? Von Reisen in die ganze Welt, wie man gemeinhin annimmt?

Der einzige Ort, wo ich damals unbedingt hinwollte, war Paris. Wegen Sartre, Beauvoir und Remarque, von dem ich ganz viel gelesen habe, darunter „Arc de Triomphe“, aber auch viele seiner unbekannteren Romane. Diese Reise habe ich tatsächlich auch direkt nach der Wende gemacht. Ansonsten wüsste ich nicht, dass ich von irgendwas geträumt habe. Ich war auch kein typischer Teenager und habe es nie als Mangel empfunden, die Ärzte nicht live hören zu können.

Sie haben doch in einem langsam sterbenden System gelebt.

Ich bin auch politisch und gesellschaftlich sehr reflektiert aufgewachsen. Meine Freunde und ich haben uns sehr mit dem System auseinandergesetzt, wir wollten es verbessern, zur Veränderung beitragen. Ich habe vor dem Staatsratsgebäude mit den NVA-Leuten diskutiert. Aber ich habe tatsächlich nicht gedacht, dass ich unbedingt nach Marokko reisen muss.

Haben Sie mit 15 zu denjenigen gehört, die gedacht haben „Die Mauer muss weg“?

Ich glaube nicht, dass ich diesen konkreten Gedanken hatte. Das war außerhalb unserer Vorstellung. Der ganze Herbst war ja schon spannend gewesen, aber dass dann die Mauer fiel, war ja eigentlich ein Versehen. Ich saß mit meinem Vater im Wohnzimmer, er sah die Nachrichten und sagte auf einmal: „Schabowski hat gerade gesagt, dass alle reisen können. Was ist denn jetzt los?“ Mein Vater hatte vor allen Dingen Angst davor, dass es zu Zusammenstößen kommt, die Situation eskaliert und es Schießereien gibt. Deshalb sagte er: „Wir gehen auf keinen Fall raus, sondern bleiben zu Hause.“

Sie haben den Mauerfall also zu Hause im Wohnzimmer erlebt?

Ja, aber am nächsten Tag sind wir alle über die Grenze nach Westberlin – nach der Stunde Astronomie.

Und dann waren Sie ziemlich fix als Model im Westen unterwegs. War das Ihr Berufswunsch?

Vielleicht habe ich ja davon als Teenager geträumt, auf jeden Fall haben mich die Modewelt und die Schauspielerei immer schon interessiert. Aber dass es irgendwann tatsächlich funktioniert, hatte ich nicht geglaubt. Das habe ich persönlich dem Mauerfall zu verdanken: Model und Schauspielerin hätte ich so in der DDR nicht werden können.

Sie sind Tochter eines Arztehepaars, selbst promovierte Ärztin und erfolgreiche Schauspielerin. Aber zwischendrin gab’s einen Tag, an dem Sie sich um eine Putzstelle in einer Münchner Fleischerei beworben haben.

Das war im Sommer 1990, als ich in München meine Model-Laufbahn beginnen wollte. Ich wusste nicht, dass man dafür erst mal Geld braucht, um überhaupt Fuß zu fassen. Ich hab in einer Model-WG gewohnt, brauchte Fotos für mein Modelbuch, Setkarten – und hatte ganz schnell 10000 Mark Schulden bei meiner Agentur. Mir war auch nicht klar, dass die Modeljobs in München nicht auf mich gewartet hatten und ich nicht sofort Geld verdienen würde, sondern erst mal investieren musste. Deshalb habe ich vor lauter Panik erst mal versucht, mit irgendeiner Arbeit nebenher noch Geld zu verdienen.

In einer Fleischerei?

Ja, ich bin in der Nähe des Rotkreuzplatzes in eine Fleischerei gegangen und hab gesagt, dass ich gern bei ihnen arbeiten würde. Daraufhin fragten sie, ob ich eine Lohnsteuerkarte hätte. Die ich natürlich nicht hatte, ich hatte bis dahin noch nie das Wort gehört. Und das war’s dann auch. Ein älteres Model, Valentina, hat sich damals sehr um mich gekümmert und mir gesagt, dass ich auf keinen Fall nebenbei arbeiten, sondern mich aufs Modeln konzentrieren sollte. Sie hat mich aufgefangen, begleitet und schützend ihre Hand über mich gehalten in dieser sehr abenteuerlichen Modewelt, die für einen jungen Menschen auch nicht ganz ungefährlich ist. Ich war erst 16.

Was war mit Ihren Eltern? In einem Arzthaushalt ist es ja nicht unüblich, dass die Kinder in die Fußstapfen der Eltern treten.

Ich weiß gar nicht, ob sie das jemals so konkret formuliert haben, aber für mich war es eigentlich immer klar, dass ich mal Medizin studiere. Andererseits habe ich schon als Kind gerne Rollenspiele gemacht. Ich bin als Schaffner verkleidet zum Beispiel mal so stark durch die Gegend gehinkt, dass die Nachbarn meine Eltern darauf aufmerksam machten: Ihr Kind hinkt (lacht). Und wo immer ein Gedicht aufgesagt werden musste, war ich die Erste auf der Bühne. Ich habe jede Möglichkeit genutzt, um zu spielen.

Und dann trotzdem Medizin studiert.

Ja, weil es mir nie in den Sinn gekommen wäre, dass mein Talent ausreicht, um Schauspielerin zu werden.

Erinnern Sie sich an den Tag, an dem Sie sich als fertige Ärztin entschieden haben, Schauspielerin zu werden?

Das hat sich über mehrere Jahre hingezogen. Ich hatte ja studiert und parallel gedreht. Ich hab in der Charité mein AIP (Arzt im Praktikum) gemacht, hab 60 Stunden in der Woche gearbeitet, dann kurz pausiert, um Theater zu spielen, und stand dann, zurück in der Klinik, irgendwann nachts vor dem Fahrstuhl und dachte: Ich muss spielen. Es muss sein. Dabei wusste ich überhaupt nicht, was mich in der Schauspielerei erwartet.

War es eine Entscheidung Kopf gegen Bauch?

Es war eine Bauchentscheidung. Der Kopf ist gar nicht so wichtig in meinem Leben, ich entscheide vieles intuitiv und emotional, was nicht immer nur von Vorteil ist. Dies war eine total emotionale Entscheidung – ich musste das tun, wo meine Leidenschaft steckt. Ich hatte aber auch eine große Leidenschaft für Chirurgie, und das hat’s mir wahnsinnig schwer gemacht.

Wie viel Ärztin steckt heute noch in Ihnen? Was behandeln Sie zu Hause selbst, und womit schicken Sie Ihre Kinder zum Arzt?

Die Kinder schickt man immer zum Arzt. In der Tat merke ich seit etwa vier Jahren, dass ich wirklich vieles von dem vergesse, was ich gelernt habe. Ich war ja auch nur anderthalb Jahre Ärztin. Die Handgriffe beim Verbinden passen zwar noch, aber sonst…

Lassen Sie uns noch ein bisschen über „Ostfriesenblut“ sprechen. Lesen Sie die Bücher von Klaus-Peter Wolf, oder reichen Ihnen die Drehbücher?

Ich lese auch die Romane, kenne dieses ganze Universum und auch Klaus-Peter Wolf persönlich. In die Drehbucharbeit bin ich sehr stark involviert, daher weiß ich, dass es gar nicht so einfach ist, diese Romane in ein Drehbuch zu fassen. Ich fand die Entscheidung krass und deshalb gut, gleich zu Beginn von „Ostfriesenblut“ eine Leiche vor Ann-Kathrin Klaasens Tür zu legen.

Was macht aus Ihrer Sicht den Erfolg der Romane aus?

Es hat viel damit zu tun, dass Ann-Kathrin Klaasen eine ganz normale Frau, eine im weitesten Sinne durchschnittliche Person ist, die aber eben auch über besondere Fähigkeiten verfügt. In den Büchern beschreibt Klaus-Peter sie ja noch gewöhnlicher, als wir es im Film tun, damit können sich sehr viele Leute identifizieren. Dazu kommt, dass er immer wieder gesellschaftliche Themen aufgreift wie die schwarze Pädagogik im Falle von „Ostfriesenblut“.

Ist das Thema nicht so alt, dass auch die Figuren alle zehn oder zwanzig Jahre älter sein müssten?

Hm, eigentlich nicht. Aber es ist ja nicht nur ein Film über die schwarze Pädagogik von damals, sondern generell über Erziehung und Kinder. Natürlich gibt es diese schwarze Pädagogik nicht mehr, aber das Thema Missbrauch in Familien und Schulen gibt es immer noch. Die Frage ist doch: Was braucht ein Kind, um ein guter Mensch zu werden? Aus meiner Sicht: Zuwendung und Liebe. Was passieren kann, wenn das fehlt, zeigt die Figur, die Jörg Schüttauf spielt: Da wird jemand zerstört und bleibt ein Leben lang gebrochen.

Gibt es an der Figur Ann-Kathrin Klaassen etwas, worauf Sie besonderen Wert legen?

Die Figur ist durch Klaus-Peter ja eigentlich gesetzt. Was ich aber mit beitragen konnte, ist diese Zwiesprache mit dem toten Vater. Die gibt es auch in den Romanen. Ann-Kathrin spricht da gedanklich mit ihrem Vater. Und das haben wir ins Bild gesetzt. Der Vater ist in ihrem Leben so wichtig, warum zeigen wir das nicht? Das war letztlich keine neue Idee. In der amerikanischen Serie „Six Feet Under“ hat das schon super funktioniert.

Was ist Ihnen sonst noch wichtig?

Wichtig war mir, dass Ann-Kathrin sozial nicht wirklich kompatibel ist. Sie wäre zwar gern eine gute Mutter, aber sie kann es nicht. Sie versucht es, aber sie scheitert immer wieder. Sie hat keine wirklich gute Beziehung zu ihrem Sohn, es gibt kein Happy End, es bleibt eine Baustelle. Das ist für mich Wirklichkeit. Gleichzeitig aber löst sie ihre Fälle – das erinnert mich an einen Satz, den Romy Schneider mal gesagt hat: Im Film kann ich alles, im Leben kann ich nichts. Dieser Satz hat viel mit der Grundlage für meine Figur zu tun: Ann-Kathrin kann in ihrem Beruf alles, aber im Leben wird es schwierig für sie.

Was nehmen Sie mit, wenn Sie von Berlin nach Ostfriesland zum Drehen fahren?

Nichts Besonderes. Mein Telefon und meine Kopfhörer sind natürlich immer dabei. Und beim letzten Mal hatte ich einen Band mit Gedichten von Pablo Neruda auf Englisch dabei, bin aber überhaupt nicht zum Lesen gekommen (lacht).

Und wen oder was würden Sie aus Ostfriesland gern nach Berlin mitnehmen?

Den Eindruck, den die Menschen auf mich gemacht haben. Ich finde die Ostfriesen irgendwie ganz besonders: Extrem freundlich und total offen. Zugewandt, liebevoll, einfach sehr angenehm. Und Norbert würde ich mitnehmen, den Physiotherapeuten, der mich gerettet hat, als ich dachte, ich könne nicht mehr arbeiten. Norbert würden sie hier in Berlin wohl die Bude einrennen (lacht).


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