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„Ostfriesenblut“ am Samstag im ZDF Das mag Christiane Paul an Ann Kathrin Klaasen

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In Bedrängnis: Schafft es Frank Weller (Christian Erdmann), seine Kollegin Ann Kathrin Klaasen (Christiane Paul) in diesem schwierigen Fall zu unterstützen, der auch ihr Privatleben beeinflusst? Foto: ZDF/Sandra HoeverIn Bedrängnis: Schafft es Frank Weller (Christian Erdmann), seine Kollegin Ann Kathrin Klaasen (Christiane Paul) in diesem schwierigen Fall zu unterstützen, der auch ihr Privatleben beeinflusst? Foto: ZDF/Sandra Hoever

Osnabrück. Die Ostfriesland-Krimis von Klaus-Peter Wolf sind Bücher mit eingebauter Bestseller-Garantie. Auch als Samstagskrimi im ZDF dürfte ihnen der Quotensieg heute Abend kaum zu nehmen sein. Christiane Paul verkörpert die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen.

Nachdem „Ostfriesenkiller“, die erste Verfilmung aus Wolfs Bestsellerreihe, am 1. April vergangenen Jahres fast acht Millionen Zuschauer vor die Fernseher gelockt und einen Marktanteil von über 25 Prozent eingefahren hatte, war schnell klar, dass das Format auch im Fernsehen funktioniert und es eine Fortsetzung geben wird. In Norden, Aurich und Umgebung, Norddeich und auf Norderney wurden im Frühjahr mit „Ostfriesenblut“ und „Ostfriesensünde“ zwei weitere Folgen gedreht.

Ihre mittlerweile drei Ostfriesland-Krimis haben aus der Berliner Großstadtpflanze Christiane Paul so etwas wie eine Herzblut-Ostfriesin gemacht: „Ich finde die Ostfriesen irgendwie ganz besonders: Extrem freundlich und total offen. Zugewandt, liebevoll, einfach sehr angenehm,“ schwärmt die Schauspielerin im Gespräch mit unserer Redaktion. Und hebt einen ganz besonders hervor: Norbert würde ich mitnehmen, den Physiotherapeuten, der mich gerettet hat, als ich dachte, ich könne nicht mehr arbeiten. Norbert würden sie in Berlin wohl die Bude einrennen,“ sagt Christiane Paul und lacht. (Das hält Christiane Paul von Streaming-Diensten)

Kurz nacheinander werden zwei Leichen gefunden. Schaffen Rupert (Barnaby Metschurat) und Ann Kathrin Klaasen (Christiane Paul) es, den Zusammenhang zwischen den Morden zu finden und den Täter zu stoppen? Foto: ZDF/Sandra Hoever


Zum Lachen ist der Auftakt von „Ostfriesenblut“ allerdings wahrlich nicht. Thomas Hagemann (Jörg Schüttauf), den seit der Kindheit alle nur „Frosch“ nannten, hat in Leer eine alte Frau an einem Stuhl fixiert. Er stellt ihr ein Glas Wasser auf den Tisch – so, dass sie es nicht erreichen kann. Wenig findet Ann Kathrin Klaasen einen weißen Sack vor ihrer Haustür. Darin eingewickelt: die alte Frau. Der Frosch hat sie verdursten lassen und bei Klaasen abgelegt. Was will er der Kommissarin damit sagen?  


Die eigene Kindheit hat bei Thomas Hagemann (Jörg Schüttauf) tiefe Narben hinterlassen. Foto: ZDF/Sandra Hoever


Christiane Paul fand die Entscheidung „krass und deshalb gut, gleich zu Beginn eine Leiche vor Ann-Kathrin Klaasens Tür zu legen.“ Sie sei sehr stark in die Drehbucharbeit involviert, berichtet die Emmy-Preisträgerin. „Daher daher weiß ich, dass es gar nicht so einfach ist, diese Romane in ein Drehbuch zu fassen.“

Intensiv hat sich die 44-Jährige mit den Ostfriesland-Krimis beschäftigt: „Ich lese die Romane, kenne dieses ganze Universum und auch Klaus-Peter Wolf persönlich.“ Dessen Erfolg habe viel damit zu tun, „dass Ann-Kathrin Klaasen eine ganz normale Frau, eine im weitesten Sinne durchschnittliche Person ist, die aber eben auch über besondere Fähigkeiten verfügt. In den Büchern beschreibt Klaus-Peter sie ja noch gewöhnlicher als wir es im Film tun, damit können sich sehr viele Leute identifizieren.“ Dazu komme, dass Wolf immer wieder gesellschaftliche Themen aufgreife wie die schwarze Pädagogik im Falle von „Ostfriesenblut“. (Hier gibt es das vollständige Interview mit Christiane Paul)

Rupert (Barnaby Metschurat) und Ann Kathrin Klaasen (Christiane Paul) betrachten die Leiche von Reinhold Münzner (Frank Köbe). Hat der Mörder noch mehr Menschen im Visier? Foto: ZDF/Sandra Hoever


Darin liegt das Motiv des Mörders. Als Heimkind misshandelt und gedemütigt, will sich „der Frosch“ jetzt endlich an seinen Peinigern rächen. Natürlich gebe es diese schwarze Pädagogik nicht mehr, aber das Thema Missbrauch sei in Familien und Schulen heute noch aktuell, sagt Christiane Paul: „Die Frage ist doch: Was braucht ein Kind, um ein guter Mensch zu werden? Aus meiner Sicht: Zuwendung und Liebe. Was passieren kann, wenn das fehlt, zeigt die Figur, die Jörg Schüttauf spielt: Da wird jemand zerstört und bleibt ein Leben lang gebrochen.“

Die Schauspielerin versucht, der Ann Kathrin Klaasen ihren persönlichen Stempel aufzudrücken, auch wenn die Figur durch Klaus-Peter Wolf eigentlich schon gesetzt sei: „Was ich mit beitragen konnte, ist die Zwiesprache mit dem toten Vater. Die gibt es auch in den Romanen. Ann-Kathrin spricht da gedanklich mit ihrem Vater. Und das haben wir ins Bild gesetzt.“ Das sei zwar keine neue Idee gewesen, habe aber schon in der US-Serie „Six feet under“ hervorragend funktioniert.  


In Ostfriesland auf Verbrecherjagd: (von links) Ubbo Heide (Kai Maertens), Rupert (Barnaby Metschurat), Ann Kathrin Klaasen (Christiane Paul), Frank Weller (Christian Erdmann). Foto: ZDF/Sandra Hoever


Wichtig sei ihr auch, dass Ann-Kathrin Klaase „sozial nicht wirklich kompatibel“ sei, sagt Christiane Paul: „Sie wäre zwar gern eine gute Mutter, aber sie kann es nicht. Sie versucht es, aber sie scheitert immer wieder. Sie hat keine wirklich gute Beziehung zu ihrem Sohn, es gibt kein Happy End, es bleibt eine Baustelle. Das ist für mich Wirklichkeit.“

Gleichzeitig aber löst Ann Kathrin Klaasen ihre Fälle – das erinnert ihre Darstellerin an einen Satz, den Romy Schneider mal gesagt hat: Im Film kann ich alles, im Leben kann ich nichts. „Dieser Satz hat viel mit der Grundlage für meine Figur zu tun: Ann-Kathrin kann in ihrem Beruf alles, aber im Leben wird es schwierig für sie.“

Ostfriesenblut. ZDF, Samstag, 29. Dezember 2018, 20.15 Uhr.


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