Das Erste hat die Nase vorn TV-Höhepunkte 2018: Das waren die Favoriten unserer Kritiker

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Das Abtreibungsdrama "Aufbruch in die Fieheit" mit Alwara Höfels, l.) und der grandios aufspielenden Anna Schudt war für unseren TV-Kritiker Joachim Schmitz das Highlight des Jahres. Foto: ZDF/Bernd Spauke.Das Abtreibungsdrama "Aufbruch in die Fieheit" mit Alwara Höfels, l.) und der grandios aufspielenden Anna Schudt war für unseren TV-Kritiker Joachim Schmitz das Highlight des Jahres. Foto: ZDF/Bernd Spauke.

Osnabrück. Der Siegeszug der Streaming-Dienste hielt auch im ablaufenden Jahr unvermindert an – Höhepunkte aber waren dabei eher selten zu finden. Zumindest in den TV-Highlights unserer Kritiker findet sich lediglich ein Netflix-Format. Großer Sieger war hingegen das Erste mit sieben von elf Nennungen.

„Die Lindenstraße“ (Das Erste)

Mit Hans Beimers Tod hat die „Lindenstraße“ sich noch einmal als kreatives Biotop bewiesen. Nur Wochen später lässt das Erste die Serie selbst sterben. Obwohl auch ich seit Jahren nicht geguckt habe, bin ich darüber wirklich traurig. Daniel Benedict  


Daniel Benedict favorisiert die "Kindenstraße". Diese Filmszene zeigt Helga Beimer, gespielt von Marie-Luise Marjan, mit ihrem ersten Mann Hans, gespielt von Joachim Hermann Luger. Foto: WDR/dpa


“Spuk in Hill House” (Netflix)

Am Anfang denkt man noch, dass es sich nur um eine wunderbar ausgestattete Gruselserie um ein teuflisches Haus handelt. Nach zehn großartigen Folgen weiß man: Dieses hochemotionale Familiendrama ist große Kunst für den kleinen Bildschirm. Corinna Berghahn


„Wissenschaft am Donnerstag“ (3sat)

Ich zünde ein Feuerwerk für fundierte Dokumentationen, die zeigen, was in der Welt wirklich abläuft - wie in der Reihe „Wissenschaft am Donnerstag“. Die Themen werden anschließend bei „Scobel“ im Gespräch mit Experten noch vertieft. Selbstdarstellerisches Gelaber, wie bei mancher Talkshow, ist da nicht möglich. Marie-Luise Braun


„Die Hand am Po“ (Das Erste)

Eines der Aufregerthemen des Jahres 2018 war #MeToo. Die Dokumentarfilmerin Nicola Graef hat es in der Reihe "Die Story" widergespiegelt. Schon der Titel "Die Hand am Po - Macht und Sex am Arbeitsplatz" zeigt, dass es nicht nur um die, nun brüchig gewordene Glamourwelt von Film, Fernsehen und Theater geht, sondern auch um die "ganz normalen" Übergriffe im Job. Das schildert Nicola Graef schlüssig und beklemmend, geht Hintergründen und Ursachen nach, meidet dabei schrille Boulevard-Töne. Aufklärungsfernsehen vom Feinsten. Ute Grundmann


„Glauben, Leben, Sterben: Menschen im 30-jährigen Krieg“ (Das Erste)

Ein Doku-Drama über den 30-jährigen Krieg: Das klingt eher nach „Gäähn“ als nach Highlight. War es aber. Denn der Film basierte auf Tagebüchern und Briefen von real existierenden Personen, kleinen Leuten, wie es sie millionenfach gab. Ihr Schicksal war Thema, aber außerdem wurden sie (fiktiv) befragt: zu ihren Gefühlen, ihrem Glauben, ihrer Hoffnung. Dadurch kam man ihnen nah. Und dem alten Thema 30-jähriger Krieg auch. Susanne Haverkamp

Tom Heise war begeistert von "Der Blaue Planet" im Ersten, Foto: WDR/BBC/Tony Wu


„Der Blaue Planet: Faszination Ozean“ (Das Erste)

Grandioses Erlebnisfernsehen lieferten die sechs Folgen der BBC-Reihe im Ersten: egal ob atemberaubende Bilder aus der Tiefsee oder emotionale Aufnahmen eines Walrossjungen. Tolle Naturdokumentation! Tom Heise


„Bad Banks“ (Arte/ZDF)

Eine junge Investmentbankerin (Paula Beer) macht Karriere bei der „Deutschen Global Invest“ und landet in der von Korruption, Manipulation und männlichem Machtmissbrauch dominierten Hölle der skrupellosen Hochfinanz. Regisseur Christian Schwochow ist nach dem Drehbuch von Oliver Kienle ein virtuos inszenierter und extrem spannender Thriller in sechs Teilen gelungen, der locker höchsten internationalen Standards standhält. Fortsetzung folgt. Frank Jürgens

"Bad Banks" gefiel Frank Jürgens am besten: Jana Liekam (Paula Beer) stand darin vor einer großen, beruflichen Herausforderung. Foto: ZDF/Sammy Hart


„Zur Hölle mit den anderen“ (Das Erste)

Die Zutaten sind simpler als jedes Weihnachtsgericht: Zwei Paare, zwei Kinder, zwei unvereinbare Modelle von Geschlecht, Erziehung und Beruf. „Zur Hölle mit den anderen“ (Regie: Stefan Krohmer Buch: Nicole Armbruster) ist ein bitterböses und komisches Kammerspiel der Extraklasse, das vor allem von den beiden tollen Hauptdarstellerinnen Britta Hammelstein und Mira Bartuschek getragen wird. Marcel Kawentel

"Zur Hölle mit den anderen" ist der Favorit von Marcel Kawentel. Foto: SWR/Johannes Krieg


„Aufbruch in die Freiheit“ (ZDF)

Mit diesem großartigen und hochemotionalen Film thematisierte das ZDF die Abtreibungsdebatte Anfang der 70er Jahre, die im „Stern“-Titel „Wir haben abgetrieben!“ gipfelte. Einfach nur grandios: Anna Schudt als Frau in Gewissensnöten – wenige Wochen, bevor sie für „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ (RTL) mit dem International Emmy Award ausgezeichnet wurde. Joachim Schmitz


„Frankfurt, Dezember 17“ (Das Erste)

Dass Figuren in Filmen immer mal wieder Blicke in die Kamera werfen oder sich mit ihren Gedanken direkt an den Zuschauer wenden, ist kein neues, aber ein eher selten gewähltes Stilmittel. Überragend gut gelang dies in dem atmosphärisch dichten ARD-Drama „Frankfurt, Dezember 17“. Christian Schubert


„Kulenkampffs Schuhe“ (Das Erste)

Die Doku bot eine bestechende, innovative TV-Geschichtsstunde. Komplett zusammengefügt aus Archivmaterial, beleuchtete Filmautorin Regina Schilling, wie die großen Samstagabendshows der 60er und 70er sowie Showmaster wie Hans-Joachim Kulenkampff, Peter Frankenfeld oder Hans Rosenthal dabei halfen, die Wunden des Krieges zu verwinden – auch innerhalb der Familie der Regisseurin. Ein teils sehr persönlicher, doch stets erhellendes Medienessay über die junge Bundesrepublik. Tobias Sunderdiek


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