Leiche im Wolfgangsee Tatort „Wahre Lügen“ heute aus Wien: Wird Bibi Fellner rückfällig?

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der Mord an einer Journalistin, die zuletzt an einer Geschichte über illegale Waffengeschäfte gearbeitet hat, bringt die beiden Wiener Sonderermittler Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) nicht nur an ihre Grenzen, sondern auch zu einem nicht restlos aufgeklärten Todesfall aus der Vergangenheit. Foto: ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro DomeniggDer Mord an einer Journalistin, die zuletzt an einer Geschichte über illegale Waffengeschäfte gearbeitet hat, bringt die beiden Wiener Sonderermittler Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) nicht nur an ihre Grenzen, sondern auch zu einem nicht restlos aufgeklärten Todesfall aus der Vergangenheit. Foto: ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro Domenigg

Osnabrück. Der Tatort kommt heute Abend aus Wien. „Wahre Lügen“ hat einen hochinteressanten Ansatz, scheitert aber an der Umsetzung. Die größte Spannung geht von der Frage aus, ob die alkoholabhängige Ermittlerin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) wieder rückfällig wird.

Auf jeden Fall ist der Wiener Tatort diesmal eine ausgesprochen runde Sache – zumindest was die Zahlen angeht. Harald Krassnitzer trat vor 20 Jahren seinen Dienst als Oberstleutnant Moritz Eisner an, Adele Neuhauser ist in „Wahre Lügen“ zum 20. Mal in der Rolle der Bibi Fellner sehen und feiert vier Tage nach der Ausstrahlung ihren 60. Geburtstag. Zu all dem darf man herzlich gratulieren. Zum aktuellen Fall allerdings nur sehr bedingt.

Er führt die beiden Ermittler ins Salzkammergut, wo eine deutsche Journalistin erschossen und samt ihrem Wagen im Wolfgangsee versenkt wurde. Offenbar hatte sie an einer Story über illegale Waffengeschäfte gearbeitet - und in diesem Zusammenhang auch den bis heute rätselhaften und vielfach bezweifelten Suizid des genau in solche Geschäfte verstrickten österreichischen Verteidigungsministers Karl Lütgendorf 1981 recherchiert. Eine Anleihe aus der jüngeren Geschichte, die diesen Tatort tatsächlich außergewöhnlich macht.  

Im Regen stehen, wo andere Urlaub machen: Die beiden Wiener Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) werden zu einem rätselhaften Mordfall ins Salzkammergut gerufen. Im Wolfgangsee wurde eine weibliche Leiche gefunden. Foto: ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro Domenigg

So weit, so interessant. Die Komplexität des Themas verursacht allerdings einen hohen Erklärungsbedarf – und der wird wie üblich über eine Unmenge von Dialogen abgearbeitet. Wobei die Geschichte immer bizarrer anmutet, je weiter sie sich entwickelt, und in eine ziemlich unrunde Auflösung mündet.

Schade auch, dass es Regisseur und Drehbuchautor Thomas Roth nicht gelungen ist, einen durchweg überzeugenden Cast zusammenzustellen. Zwar überzeugen Neuhauser und Krassnitzer allein schon durch ihre Routine – andere Figuren hingegen setzen dem Krimi wahrlich keine Glanzlichter auf.  

Sie können es nikcht fassen: Bibi Fellner (Adele Neuhauser), Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und ihr Chef Obert Ernst Rauter (Hubert Kramar, Mitte) werden von Lukas Kragl (Sebastian Wendelin) und Dr. Maria Digruber (Franziska Hackl) aus dem Innenministerium bei ihren Ermittlungen gehindert. Foto: ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro Domenigg

Da ist zum einen Franziska Hackl als Generaldirektorin Maria Digruber aus dem Innenministerium, die den Kommissaren in krimitypischer Manier Knüppel zwischen die Beine wirft und die Ermittlungen behindert, wo sie nur kann. Hackl überzeichnet diese Figur und macht aus ihr so etwas wie eine Karikatur österreichischer Vorgesetztenarroganz. Ähnlich schwach: Emily Cox als lesbische Lebensgefährtin des Mordopfers. Auch sie trägt deutlich zu dick auf.   

Sybille Wilderin (Emily Cox), Lebensgefährtin des Mordopfers, macht sich an den zwielichtigen Unternehmer David Weimann (Robert Hunger-Bühler) ran. Foto: ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro Domenigg

Immerhin widersteht der Film der Versuchung, eine verfilmte Hochglanzbroschüre des Salzkammerguts abzuliefern. Auf Fellners Bemerkung, es müsse ja „unglaublich schön sein, in der Gegend Urlaub zu machen“, kontert Eisner mit einem trockenen „Ja, und unglaublich teuer“. Und stapft durch den Regen.

Immer näher scheint derweil der Alkohol-Rückfall der seit langer Zeit trockenen Bibi Fellner zu werden. Schon beim letzten Fall hatte sie sich einen Sixpack Bier aus dem Supermarkt geholt, diesmal ist sie ganz nah dran am verhängnisvollen großen Schluck aus der Wodka-Pulle, als ihr der Fall zu sehr zu Herzen geht. Offenbar dämmert den Machern des Wiener Tatorts, dass der Alkoholismus einer Ermittlerin als dramaturgisches Element gar nicht so schlecht ist und auch schon bei der Einführung der Figur sehr gut funktioniert hat. (Hier gibt es ein ausführliches Interview mit Adele Neuhauser)

Schimpf fehlt - zum Glück

Angenehm ist auf alle Fälle das Fehlen des in den letzten Folgen eingeführten Assistenten Schimpf (Thomas Stipsits), den es in „Wahre Lügen“ zu einer überlangen Fortbildung verschlagen hat. Mögen seine Dienste den Kommissaren auch in der einen oder anderen Szenen fehlen – der Zuschauer kann’s verschmerzen und wird vermutlich erleichtert aufatmen. Aber ist die Abwesenheit einer überflüssigen Figur schon eine Stärke? Wohl kaum. (So war der letzte Wiener Tatort)


Tatort: Wahre Lügen. Das Erste, Sonntag, 13. Januar 2019, 20.15 Uhr.

Wertung: 3 von 6 Sternen


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN