Am Freitag im Fernsehen Eine dickköpfige Frau: Filmbiografie über die Habsburger Herrscherin Maria Theresia

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Die junge Maria Theresia (Marie-Luise Stockinger) bereitet sich heimlich auf das Amt der Regentin vor. Foto: Ceská televize/Julie VrabelováDie junge Maria Theresia (Marie-Luise Stockinger) bereitet sich heimlich auf das Amt der Regentin vor. Foto: Ceská televize/Julie Vrabelová

Osnabrück. Eine Frau auf dem Thron? Unmöglich fanden das um 1730 herum die Männer in der Wiener Hofburg. Gut möglich fand es dagegen die älteste Tochter von Kaiser Karl VI. "Maria Theresia": ein barockes Spektakel um eine Frau, die sich durchsetzt. Am 28. Dezember um 20.15 Uhr bei Arte.

„Wir brauchen einen habsburgischen Erben!“ Die Not ist groß an der Wiener Hofburg. Kaiserin Elisabeth hat zwar zwei Kinder geboren, aber beide sind Mädchen: Maria Theresia, genannt Resi, und ihre jüngere Schwester Anna. Jetzt geht ist die Kaiserin über 40, und jeder eheliche Beischlaf wird zur skurrilen Staatsaktion. Doch nichts hilft: weder die Gebete des Hofkaplans, noch der Rotwein, den der Leibarzt als Medizin empfohlen hat und den Kaiserin in Massen konsumiert, noch die freizügigen Gemälde, die die Diener dem Kaiser zur sexuellen Motivation darbieten. Es gibt keinen männlichen Erben, und das wird sich auch nicht mehr ändern.

Dann eben Maria Theresia (Marie-Luise Stockinger). „Eine Frau kann nicht herrschen!“, darin ist sich der Kronrat einig. Deshalb muss der Plan B her: ein passender Ehemann. Und hier setzt das Problem ein: Maria Theresia selbst. Eine Schönheit ist sie zweifellos, auch eine politisch gute Partie, aber sie hat einen ausgeprägten Dickkopf und der sagt ihr zweierlei: Erstens will sie Franz Stephan von Lothringen heiraten, in den sie sich schon als Kind verliebt hat. Und zweitens will sie auf den Thron, denn eine Frau könne sehr wohl herrschen, meint sie.

Die Männer sind selbstverständlich anderer Meinung. Dem Chefberater und heimlichen Herrscher, Prinz Eugen von Savoyen, schwebt Kronprinz Friedrich von Preußen als Ehemann vor. „Er soll Männer im Bett bevorzugen“, wendet ein Berater ein. „Er ist Protestant“, mahnt der Hofkaplan des katholischen Königshauses. Aber egal, die Politik steht über allem. „Ein Bündnis mit Preußen wird Österreich nützen.“

Prinz Eugen von Savoyen (Karl Markovics, li.) berät Kaiser Karl VI. (Fritz Karl) auch in Sachen Schwiegersohn. Foto: Ceská televize/Julie Vrabelová


Preußen ist interessiert, Maria Theresia nicht. „Du wirst als Ehegatten nehmen, wen wir für dich auswählen“, befiehlt ihr Vater. „Manche Dinge muss man einfach akzeptieren; es ist doch nur ein Mann“, beruhigt ihre Mutter. Doch als der preußische Gesandte zu Sondierungsgesprächen an der Wiener Hofburg erscheint, beleidigt Maria Theresia ihn und das Preußische Königshaus vorsätzlich. „Du hast gespuckt auf Preußens Friedrich. In ein paar Wochen weiß das ganz Europa. Jetzt wird dich niemand nehmen“, klagt Mutter. Gut so, denkt Maria Theresia. Und nimmt heimlich Nachhilfestunden in Politik, Geschichte, Kriegskunst. Sie will Herrscherin werden. Und sie will den gutausehenden, unterhaltsamen Franz Stephan (Vojtech Kotek) heiraten – und erstaunlicherweise schafft sie mit ihrem Dickkopf und einer Menge Taktik beides.

Die mehr als dreistündige österreich-tschechische Filmbiographie „Maria Theresia“ strahlt Arte heute Abend am Stück aus. Es ist ein wahrhaft opulentes Werk mit der ganzen barocken Pracht und Hofetikette des 18. Jahrhunderts: Musik und Tanz und Maskenbälle, ausladende Gewänder und Perücken, Festgelage und Hofzeremoniell, Kronrat und Hofdamen, Politik und Erotik. Den Prunk, aber auch das Elend dieser Lebensweise kann man spüren.



Allerdings beschränkt sich der Film beschränkt auf die jungen Jahre der 1717 geborenen Maria Theresia, die Zeit also, als sie zunächst um Thron und Eheglück kämpfen muss, und dann feststellt, dass es gar nicht so leicht ist mit dem regieren. Denn als sie 1740, mit gerade mal 23 Jahren, nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters die Regentschaft antritt, marschiert Preußen direkt in habsburgische Gebiete ein. Und die Franzosen und Bayern machen mit. Eine schwache Frau auf dem Thron – da wollen sie kurzen Prozess machen.

Tatsächlich fühlt sich die junge Frau und Mutter von drei Töchtern überfordert: Alle wollen etwas von ihr, jeder hat andere kluge Tipps – und ihr Gatte Franz Stephan hat bei Hofe nichts zu sagen und geht seine eigenen Wege. Sie versucht, mit harter Hand zu regieren – und scheitert. „Wenn du die Dinge wie ein Mann und mit Gewalt machst, wirst du deine Ziele nie erreichen“, sagt ihre Mutter. Also müssen weibliche Tugenden her. Auch weibliche Reize, denn Maria Theresia galt als Schönheit. Ihr erstes Opfer: der ungarische Graf Nikolaus Esterhazy (Adorjani Balint), denn nur ein Bündnis mit Ungarn kann das habsburgische Reich jetzt noch retten.

Reformerin und Mutter von 16 Kindern

In Österreich ist Maria Theresia nach wie vor Legende. Sie war eine starke Herrscherin, führte zahlreiche Reformen durch, die auch dem einfachen Volk zugutekamen. Dazu gehörte ein Gesetz zur Einführung der Schulpflicht und die Gründung hunderter „Trivialschulen“ für Kinder von sechs bis zwölf Jahren auch auf dem verarmten Land. Über Reichtum sagte sie einmal: „So ist ein Landesfürst schuldig, zu Aufnahme oder Erleichterung seiner Länder und Untertanen wie auch deren Armen, alles anzuwenden, keineswegs aber mit Lustbarkeiten, Hoheiten und Magnifizenz die einhebenden Gelder zu verschwenden.“

Ihrem Mann Franz Stephan gebar Maria Theresia sechzehn Kinder. Auch Jungen waren dabei, so dass die Thronfolge war geregelt war. Von freier Partnerwahl nahm sie als Mutter allerdings Abstand: Die Söhne und Töchter mussten sich dem Staatswohl unterordnen und Personen heiraten, die ihre Mutter für sie ausgesucht hatte. Aber davon erzählt die Filmbiografie nichts mehr.

Maria Theresia. Am Freitag, 28. Dezember 2018, um 20.15 Uhr bei Arte


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