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Heft für die Jungs von früher „Yps“ erscheint jetzt als ein Männermagazin

Auf Männerfang: Ob das „Yps“ gelingt? Foto: dapdAuf Männerfang: Ob das „Yps“ gelingt? Foto: dapd

Osnabrück. In den 70er- und frühen 80er-Jahren war „Yps“ eines der auflagenstärksten Comicmagazine in Deutschland. Als Männermagazin soll es nun wieder auferstehen. Doch die Comeback-Ausgabe lässt daran Zweifel aufkommen.

Urzeitkrebse sind wahre Überlebenskünstler – dank ihrer Eier: Trotz Temperaturen von über 50 Grad können sie jahrzehntelang überleben und schlüpfen dann beim ersten Regentropfen – oder wie jetzt mehrere Tausend Mal in Deutschland im Wasserglas. Denn der Urzeitkrebs ist nicht nur ein beliebtes Fischfutter, sondern auch das Lieblingsgimmick der „Yps“-Heft-Leser. Und ziert auch die aktuelle Comeback-Ausgabe. Ähnlich dem possierlichen Wassertierchen will der herausgebende Ehapa-Verlag den Kult um das Kindercomicmagazin der 70er- und 80er-Jahre wiederbeleben.

Denn „Yps“ – das erste Heft erschien vor fast genau 37 Jahren am 13. Oktober 1975 – war tatsächlich eine spannende Sache für Kinder: von den Eltern verpönte Comics und dazu Texte, die den Entdecker- und Abenteuerdrang weckten. Und mit „Gimmicks“, Beigaben, die die Leser gratis dazuerhielten. Damals hatte das nur „Yps“ und machte dank der wöchentlich auf den Heften klebenden Um-Die-Ecke-Guck-Rohren, Fliegenklatschpistolen und Luftschiffen zum Selberbasteln aus Kindern Spione, Magier und Paläontologen.

Das ging eine ganze Zeit lang sehr gut, teilweise mit einer Rekordauflage von bis zu 610000 Exemplaren, doch Ende der 90er-Jahre gab es genug andere Zeitschriften mit „Gimmicks“. Die Auflage sank in den Keller, bis das Heft 2000 eingestellt wurde. Zwar gab es in 2005 einen Wiederbelebungsversuch, doch kam der nur auf vier Ausgaben.

Was erstaunt, waren unter den Lesern früher doch auch Mädchen. Aber egal, Unisex ist out, also ist „Yps“ eben für die Jungs von früher, die heute erwachsen sind - und sich gerne wieder die „Gefährten unserer Kindheit“ anschauen: Fahrzeugmodelle der 70er, 80er und 90er Jahre.

Viel mehr als eine Retrospektive auf den alten Glanz bietet das neue Heft nicht. In fast jedem Text wird mindestens einmal mit den Urzeitkrebsen kokettiert, andere Beiträge wirken wie die Auflistung zusammengegoogelten Wissens. Die Comics sind in Zeiten von Graphic-Novels eher altbacken. Und selbst der Text von Hardcore Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg stammt aus einem vom ihm 2010 veröffentlichten Buch; er hat ihn für die Zeitschrift nur „adaptiert“, was diese sogar stolz verkündet.

Nun ja, früher eben war alles besser. Doch ob sich mit dem Konzept Retro eine erfolgreiche Zeitschrift behaupten kann bleibt abzuwarten. Man kann ja nicht auf jede Ausgabe Urzeitkrebse kleben und den Geist vergangener Tage beschwören.

Doch ob sich mit dem Konzept Retro eine erfolgreiche Zeitschrift behaupten kann bleibt abzuwarten. Selbst wenn das Comeback-Heft vielerorts nach dem ersten Erscheinungstag ausverkauft war: Man kann nicht mit jeder Ausgabe den Geist vergangener Tage beschwören.


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