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Heute Abend im ARD-Programm Finsterer Tatort „Der Turm“ aus Frankfurt mit Brix und Janneke

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Anna Janneke (Margarita Broich) ist als erste am Tatort und macht Fotos. Foto: HR/Degeto/Bettina MüllerAnna Janneke (Margarita Broich) ist als erste am Tatort und macht Fotos. Foto: HR/Degeto/Bettina Müller

Osnabrück. Der Weihnachts-Tatort kommt heute Abend aus Frankfurt: „Der Turm“ führt die Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) ins Geschäftsviertel der Mainmetropole.

Wenn es ein Sinnbild für Frankfurt gibt, dann sind es die Bankentürme. Viel Glas - viel Geld verkünden sie mit kalter Eleganz. Schon erstaunlich, dass sich der Frankfurter Tatort so selten in dieses Milieu bewegt. Nun, zu Weihnachten, tut er es. Weihnachtlich geht’s allerdings nicht zu.  (So war der letzte Tatort mit Brix und Janneke)

Fotografie ist neben der Schauspielerei die zweite Leidenschaft von Margarita Broich. Die hat sie mitgebracht, als man sie zur Frankfurter Tatort-Kommissarin Anna Janneke machte. Schießen bedeute für sie erst mal ein Foto zu schießen und nicht etwa die Waffe zu ziehen, sagte Margarita Broich mal in einem Interview mit unserer Redaktion. Immer wieder war die Kamera bei ihren Tatort-Auftritten dabei. Diesmal spielt sie eine zentrale Rolle.  

(Interview: Margarita Broich - diese Frau schießt mit der Kamera)

Ermitteln am Turm, in den man sie nicht einlassen will: Die Kommissare Paul Brix (Wolfram Koch, links) und Jonas (Isaak Dentler). Foto: HR/Degeto/Bettina Müller


Vor einem dieser Frankfurter Glastürme liegt eine junge Frau. Tot, unbekleidet bis auf den Slip, mit einer Plastiktüte über dem Kopf. „Mehrfach sexuell penetriert“, wie es im Polizeijargon heißt. Anna Janneke ist als erste da. Sie hat sich die Jeans einfach über die Pyjamahose gezogen, als die Meldung kam.

Nun macht sie Fotos am Tatort. Am Turm, vom Turm, im Turm. Kollege Brix (Wolfram Koch) steckt hinter einem Müllwagen im nächtlichen Stau. Als er endlich eintrifft, liegt Janneke bewusstlos in einem Fahrstuhl. Mit einem Schädelhirntrauma. Und einer riesigen Wunde am Kopf.  


Anna Janneke (Margarita Broich) wird von Paul Brix (Wolfram Koch) bewusstlos in einem Fahrstuhl gefunden. Foto: HR/Degeto/Bettina Müller


Die Kollegen kommen nicht richtig weiter, Janneke kann sich nicht erinnern. Was bleibt, sind die Fotos, die sie am Turm, vom Turm, im Turm gemacht hat. Unscharfe, überbelichtete, wenig hilfreiche Bilder, auf denen kaum etwas zu erkennen ist.

Während Brix ein paar IT-Nerds befragt, die im Turm arbeiten, klickt sich Janneke durch die Bilder. Aber niemand erklärt uns, warum die Fotos so schlecht geworden sind. Und irgendwo steht immer ein unheimlich wirkender Motorradfahrer rum.  (Hier gibt's ein ausführliches Interview mit Wolfram Koch)


Vom jungen IT-Spezialisten Bijan (Rauand Taleb, links) erhofft sich Paul Brix (Wolfram Koch) Informationen darüber, was in dem geheimnisvollen Turn vor sich geht. Im Hintergrund: Bijans Kollege und Freund Jonathan (Rouven Israel). Foto: HR/Degeto/Bettina Müller


Für Buch und Regie zeichnet bei diesem Tatort Lars Henning verantwortlich. Lars Henning? Wer den Namen googelt, wird zunächst mal auf einen Klimaanlagenanbieter aus Hohnstorf an der Elbe und einen Finanzplaner aus Bremen aufmerksam. Tatsächlich ist der Regisseur Lars Henning ein noch weitgehend unbeschriebenes Blatt, dem der experimentierfreudige Hessische Rundfunk (HR) sein Vertrauen schenkte.

Denn beim HR hat man eine gute Erfahrung mit ihm gemacht: Nach einigen und teilweise preisgekrönten Kurzfilmen gab der heute 44-jährige Henning erst vor zwei Jahren mit dem ARD-Fernsehfilm „Kaltfront“ sein Langfilmdebüt – im Auftrag des HR. Den Film zeichnete damals eine große Düsternis aus, und diese Vorliebe ist auch Hennings Tatort-Debüt anzusehen: Etliche Szenen spielen im Dunklen, das ganze Finale im finsteren Turm, der durch eine gekappte Stromleitung nicht einladender wird.   (So war Lars Hennings "Kaltfront")


Freundlich, aber undurchschaubar: Die Rechtsanwältin Dr. Rothmann (Katja Flint, rechts) lässt Anna Janneke (Margarita Broich) abblitzen. Foto: HR/Degeto/Bettina Müller


Der Ansatz zu diesem Tatort ist interessant, aber die Geschichte benötigt Zeit, um Fahrt aufzunehmen. Nur allmählich steigert sich die Spannung, was auch daran liegt, dass mal wieder viel zu viel geredet und erklärt wird – eine Krankheit, die sich durch den deutschen Fernsehkrimi zieht wie ein roter Faden. Andere Fäden in diesem Krimi erweisen sich als lose Enden – so recht zusammenfügen wollen sie sich nicht.

Nicht aus jeder Vermutung wird eine Gewissheit. Und doch lohnt sich das Dranbleiben. Denn mit zunehmender Spielzeit verdichten sich Spannung und Intensität schließlich doch. Und münden in ein Ende, wie man es im Tatort selten sieht.


Tatort: Der Turm. Das Erste, Mittwoch, 26. Dezember 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 4 von 6 Sternen


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