Ab heute in ARD-Mediathek „Labaule & Erben“ - TV-Serie nach Harald Schmidt

Wer bremst, verliert! Gernot (Attila Georg Braun, li.) Labaule und sein Vater Christian (Dietrich Hollinderbäumer) haben Spaß. Keiner von beiden gönnt dem anderen den Triumph, als erster abzusteigen. Die neue SWR-Serie "Labaule & Erben" läuft ab Donnerstag, 27. Dezember, in der ARD-Mediathek. Foto: SWR/Violet Pictures/Maor Waisburd.Wer bremst, verliert! Gernot (Attila Georg Braun, li.) Labaule und sein Vater Christian (Dietrich Hollinderbäumer) haben Spaß. Keiner von beiden gönnt dem anderen den Triumph, als erster abzusteigen. Die neue SWR-Serie "Labaule & Erben" läuft ab Donnerstag, 27. Dezember, in der ARD-Mediathek. Foto: SWR/Violet Pictures/Maor Waisburd.

Osnabrück. Der Verlags-Patriarch und sein ältester Sohn sind tot. Wer soll nur die Nachfolge antreten? In der sechsteiligen SWR-Miniserie „Labaule & Erben“ nach einer Idee von Harald Schmidt brilliert Uwe Ochsenknecht in einer Paraderolle als schöngeistiger Verlagserbe mit beschränkter Hoffnung.

Nettes Spielzeug, so ein neues Segway. Wie zwei Halbstarke beim legendären „Hasenfußrennen“ im Filmklassiker „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ rollen Verlagspatriarch Christian (Dietrich Hollinderbäumer) und sein Sohn Gernot Labaule auf einen Abgrund zu. Wer zuerst bremst, verliert. Es gibt nur ein Problem. „Wo sind denn hier die Bremsen?“ Dann ist es auch schon zu spät.

Anstelle von Gernot darf nun ausgerechnet der nichtsnutzige Schöngeist Wolfram (Uwe Ochsenknecht in einer Paraderolle) das Erbe antreten. Allerdings hat der vom Zeitungs- und Verlagsgeschäft nicht die geringste Spur einer Ahnung. Eigentlich wollte er ja mal promovieren. „Über die Spaltung des Subjekts in der österreichischen Literatur am Beispiel der Melancholie“. Aber dann muss sich der Sohn mit beschränkter Hoffnung irgendwann dazu entschlossen haben, sein Leben auf einer Luftmatratze liegend im Swimmingpool zu perfektionieren.

Wolfram Labaule (Uwe Ochsenknecht) hat sich gerade in Stifters „Nachsommer“ vertieft, als zwei Polizisten mit einer schlechten Nachricht eintreffen, die auch Bernd (Nils Dörgeloh, hinten re.) nicht kaltlässt. "Labaule & Erben". Ab 27. Dezember in der ARD-Mediathek. Bild: SWR/Violet Pictures/Maor Waisburd.


Da wird der Mutter (Irm Hermann) im fernen Uruguay freilich so bange, dass sie aus Sorge um ihren Erbanteil nach vielen Jahren der Abwesenheit zurückkehrt. Schockiert realisiert sie, dass es den weltfremden Filius tatsächlich in den Chefsessel des Vaters drängt. Dabei sei „der Journalismus so tot wie dein Vater“, ätzt sie gegen Wolfram. Aber der will partout nicht hören. Also müssen schärfere Geschütze aufgefahren werden.

Die Idee zur SWR-Produktion „Labaule & Erben“ stammt von keinem Geringeren als dem einstigen Late-Night-Star und jetzigen „Traumschiff“-Kreuzfahrtdirektor Harald Schmidt. Aber auch wenn „Labaule & Erben“ im Verlagsmilieu spielt, handele es sich „eindeutig um eine Familiengeschichte, weil ich glaube, eine Mediengeschichte ist nicht so interessant für die Zuschauerinnen und Zuschauer“, wie Schmidt letzte Woche in der SWR-Landesschau Baden-Württemberg betonte.

Schräge Charaktere

Ausgearbeitet haben die Idee zu der zunächst sechsteiligen Miniserie dann aber andere. Die Drehbücher stammen vom „Haribo“-Trio Hanno Hackforth, Richard Kropf und Bob Konrad („4 Blocks“) in Zusammenarbeit mit Anneke Jannssen und Elena Senft, „den vermutlich lustigsten Autorinnen des Landes“, wie das Trio in einer Produktionsnotiz anmerkt. Im Ergebnis haben sich unter der Regie von Boris Kunz und entgegen der Aussage von Schmidt dann aber doch noch allerlei Handlungsstränge rund um das Thema Medien und Journalismus angesammelt. Die Nebenhandlung um einen gefeierten Reporter, der der Manipulation und Lüge überführt wird, könnte gar – Stichwort: „Spiegel“ – aktueller kaum sein.

Im Wesentlichen lebt „Labaule & Erben“ jedoch von schrägen Charakteren und ihren ausnahmslos grandiosen Darstellern, zu denen neben anderen noch Nils Dörgeloh, Michael Ostrowski, Bernd Stegemann, Emily Cox und August Zirner zählen. Was alleine schon die Frage aufwirft, wieso die Produktion nicht schnurstracks im ARD-Hauptprogramm des Ersten gelandet ist. Ob sie dort jemals ausgestrahlt wird, ist derzeit noch viel ungewisser als die Zukunft des Verlagswesens.

Zuerst in der Mediathek

Dafür werden alle sechs Episoden der Serie schon zwei Wochen vor der linearen Erstausstrahlung im SWR-Fernsehen in der ARD-Mediathek gestreamt. Mit dieser „Online-first“ genannten Programmpolitik versuchen die traditionellen TV-Anbieter immer häufiger mit Erfolg, insbesondere das jüngere Publikum zurückzuerobern und an sich zu binden.

Apropos Darsteller. Harald Schmidt taucht in den ersten sechs Episoden von „Labaule & Erben“ zwar nicht auf. Aber wenn es zu einer Fortsetzung der Serie komme, dann könne er sich eine Gastrolle durchaus vorstellen.


„Labaule & Erben“. Online ab Donnerstag, 27. Dezember, in der ARD-Mediathek. Im linearen Fernsehen ab Donnerstag, 10. Januar, 22.00 Uhr, im SWR.


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