Schauspielerin im Gespräch Christiane Paul zum Streaming: Mehr Arbeit, mehr Kreativität

Schauspielerin Christiane Paul freut sich über die Streaming-Dienste, hält das öffentlich-rechtliche Fernsehen aber für unverzichtbar. Foto: dpa/Britta PedersenSchauspielerin Christiane Paul freut sich über die Streaming-Dienste, hält das öffentlich-rechtliche Fernsehen aber für unverzichtbar. Foto: dpa/Britta Pedersen

Berlin. Streaming-Dienste wie Netflix und Amazon verändern die Fernsehlandschaft, indem sie das Angebot fürs Publikum vergrößern und verbessern. Doch was bedeuten sie für die Filmschaffenden? Sie sind ein Gewinn, aber nicht das Ende des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, sagt Emmy-Preisträgerin Christiane Paul.

Als Christiane Paul 2016 mit dem International Emmy Award den weltweit begehrtesten Fernsehpreis erhielt, galt diese Auszeichnung ihrer Hauptrolle in einem klassischen TV-Format: Elmar Fischers Politthriller „Unterm Radar“ war im September 2015 zunächst im WDR Fernsehen und drei Wochen später im ARD-Programm ausgestrahlt worden.

Als sie Ende November in „Saat des Terrors“ glänzte, wurde auch dieser Film im Ersten gezeigt. Und wenn die 44-Jährige am 29. Dezember in „Ostfriesenblut“, der Verfilmung eines Romans von Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf, die Hauptrolle bekleidet, wird dieser Auftritt im ZDF zu sehen sein.  (So stark war "Saat des Terrors")

Der Markt wird globaler

Warum singt die Schauspielerin dennoch das hohe Lied auf die Streaming-Dienste? „Ich drehe ja nicht nur in Ostfriesland,“ sagt die Schauspielerin im Gespräch mit unserer Redaktion. „2016 habe ich eine englische Serie gedreht, letztes Jahr die erste Staffel von ,Counterpart‘ und jetzt die zweite Staffel mit einer größeren Rolle. Deshalb war ich Anfang Dezember auch bei der Premiere in Los Angeles.“

Genau das ist der springende Punkt: „Der ganze Markt globalisiert sich, wir Schauspieler, aber auch deutsche Regisseure arbeiten dadurch viel häufiger in internationalen Serien,“ berichtet Christiane Paul. In Deutschland habe man den Anschluss an die horizontalen Serien fast ein bisschen verschlafen, aber: „Da haben wir in den letzten zwei, drei Jahren total nachgezogen. Mittlerweile fragt man sich ja sogar, wann man das alles gucken soll.“

Starke Serie "Beat"

„Toll“ findet das die Schauspielerin: „Es sind wirklich viele Sachen dabei, die man sich gerne ansieht. ,Beat‘ fand ich zum Beispiel großartig.“ Die von Marco Kreuzpaintner inszenierte Amazon-Serie dreht sich um Morde, Organhandel und organisierte Kriminalität im Berliner Nachtleben und zeigt exemplarisch, dass Geschichten aus Deutschland auch auf dem internationalen Markt als zunehmend attraktiv empfunden werden.

Die Streaming-Dienste hätten jede Menge Kreativität freigesetzt, sagt Christiane Paul: „Man kann viel absurdere Sachen machen, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch nicht möglich wären. Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler können jetzt zeigen, was sie können und dass sie durchaus dem internationalen Vergleich standhalten.“

Goldgräberstimmung

Die Schauspielerin beobachtet eine „regelrechte Goldgräberstimmung“ in der Branche: „Durch die ganzen Streaming-Dienste wird wahnsinnig viel produziert, der Markt vernetzt sich, und wir haben alle überall Arbeit. Wir sind nicht mehr auf unser Land beschränkt, sondern können überall arbeiten.“ Das empfinde sie als ein Geschenk.

Allerdings sei auch nicht alles Gold was glänzt. Streaming-Dienste seien zwar ein Gewinn für die Kreativbranche, aber: „Viele von uns haben in den Anfängen von Netflix für einen Bruchteil ihrer normalen Gage gearbeitet. Das kann man natürlich nicht auf Dauer machen.“

Froh übers Fernsehen

Ist der Siegeszug der Streamingdienste jetzt der Anfang vom Ende des öffentlich-rechtlichen Fernsehens? „Auf keinen Fall,“ sagt Christiane Paul: „Wir können froh sein, dass wir so ein Fernsehen haben wie wir es haben. Bei aller Kreativität und Energie, die durch die Streaming-Dienste freigesetzt werden, möchte ich keinen Abgesang auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen anstimmen. Im Gegenteil – wir brauchen es mehr denn je.“

Donald Trump habe „nicht nur die politische, sondern auch die informative Welt total durcheinandergewirbelt,“ meint die 44-Jährige. Deshalb müsse man zusehen, „dass wir noch Informationen bekommen, denen wir vertrauen können. Und dafür ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen wie unseres im weitesten Sinne zuständig, auch wenn die Informationen da auch ausgewählt und damit in gewissem Sinne manipuliert sind. Auf jeden Fall sind sie verlässlicher als irgendwelche Facebook-Meldungen.“


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