Astrid Lindgrens Ursprünge "Guten Morgen" in Sodom und Limonade in Gomorrha

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Alte Zöpfe abgeschnitten: Alba August als die junge Astrid Lindgren, der ersten Frau mit kurzen Haaren in ihrem Heimatdorf. Foto: DCMAlte Zöpfe abgeschnitten: Alba August als die junge Astrid Lindgren, der ersten Frau mit kurzen Haaren in ihrem Heimatdorf. Foto: DCM

Osnabrück. Astrid Lindgren als junge Frau:Der Film "Astrid" erzählt von den schweren Anfängen der beliebten Kinderbuchautorin.

Das südschwedische Dorf Vimmerby in den 1920er Jahren ist wie viele Orte jener Zeit gefangen in der engen Moral der Kirche. Menschen haben ihren festen Platz in der Gemeinde, Grenzüberschreitungen gibt es nicht. Oder sie werden verheimlicht. Das muss auch die junge Astrid Ericsson (sensibel gespielt von Alba August) feststellen. Ein Wildfang und eine Querdenkerin ist sie. Eine, die sich nicht einengen lässt.

Etwa als sie nach einer Sonntagspredigt für ihre Geschwister, die Bibel etwas umdichtet. Sodom und Gomorrha, diese „Städte der Sünde und des Lasters“ sind für sie alles andere als bedrohlich. Mehr noch - die mahnenden Worte des Pfarrers dreht sie um: Denn, so erzählt sie, in der einen Stadt sagt man den lieben langen Tag nur „Guten Morgen“, und in der anderen trinken die Einwohner nur Limonade. Astrids Geschwister lieben solche Geschichten, die Mutter jedoch hält sie für „gotteslästerlich“.

Fantasie gegen Engstirnigkeit: Später als Astrid Lindgren  als Kinderbuchautorin  von Klassikern wie „Pippi Langstrumpf“, „Karlsson vom Dach“ oder „Ronja Räubertochter“ weltberühmt, schien der Anfang ihres Lebens fast ihr gesellschaftliches Ende.  .

Denn mit 18 Jahren wurde die unverheiratete Volontärin Astrid, schwanger. Und das ausgerechnet von ihrem Arbeitgeber, einem Redakteur und unglücklich verheirateten Familienvater,(Henrik Rafaelsen).

Ein Dilemma. Um den Skandal zu vermeiden, wird Astrid nach Dänemark geschickt. Dort kann sie ihr Kind heimlich austragen, die Pflegemutter Marie (Trine Dyrholm) kümmert sich um das Neugeborene.

Astrid arbeitet daraufhin als Sekretärin beim Schwedischen Automobilclub in Stockholm (übrigens als Nachfolgerin von Zarah Leander), hat aber Sehnsucht nach ihrem Sohn Lasse. Durch die lange Trennung entfremdet der sich mehr und mehr von Astrid. Aber die junge Mutter gibt nicht auf. Ein schwieriger Kampf um die Liebe ihres Sohnes beginnt.

Die wenig bekannte Episode aus dem Leben Astrid Lindgrens geriet in diesem Film letztlich zu einem Mut machenden Plädoyer, den eigenen Weg zu gehen. Er zeigt aber auch, warum stets ein.Schatten in der scheinbaren „Bullerbü“-Idylle ihrer Bücher liegt:  „Pippi Langstrumpf“ ist etwa Vollwaise, in „Die Brüder Löwenherz“ wird der Tod thematisiert, und "Michel aus Lönneberga" hat nur Streiche im Kopf. In praktisch allen Werken Astrid Lindgrens verweigert sie sich einem idealisieren Weltbild, der leider so oft in Kinderbüchern vorherrscht. Der Mut, unkonventionelle Geschichten zu erzählen, brachte Astrid Lindgren dementsprechend immer wieder Kritik ein. 

Inszeniert von der "Silberner Bär“-Gewinnerin Pernille Fischer Christensen, die zusammen mit ihrem Mann, dem Kinderbuchautor Kim Fupz Aakeson, das Drehbuch schrieb, beschränkt sich die Handlung zwar nur auf einige wenige, dafür aber prägende Jahren im Leben der Autorin.  Der englische Titel "Becoming Astrid" verweist darauf.

Filmisch gesehen ist „Astrid“ zwar recht konventionell, fast bieder erzählt, Trotzdem wirkt der Film im Ganzen authentisch. Getragen von einer wunderbaren Hauptdarstellerin ist aus „Astrid“ ein berührendes Werk geworden, dass emotional packt, und es schafft, einen neuen Blick auf eine der größten Autorinnen der Weltliteratur zu werfen. Ein starker Film über eine starke Frau.  


Astrid

„Astrid“. S/DK/D 2018. R.: Pernille Fischer Christensen. D.: Alba August, Trine Dyrholm, Henrik Rafaelsen. 123 Minuten. FSK: ab 6.

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