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Heute Abend im ARD-Programm Tatort „Vom Himmel hoch“ aus Ludwigshafen: Starke Lena Odenthal

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Ulrike Folkerts hat als Lena Odenthal ihren stärksten Auftritt seit langer Zeit. Zu verdanken hat sie das vor allem dem Autor und Regisseur Tom Bohn. Foto: SWR/Alexander KlugeUlrike Folkerts hat als Lena Odenthal ihren stärksten Auftritt seit langer Zeit. Zu verdanken hat sie das vor allem dem Autor und Regisseur Tom Bohn. Foto: SWR/Alexander Kluge

Osnabrück. Lange hat das Publikum mit dem einst so beliebten Lena Odenthal-Tatort gefremdelt. Heute Abend aber findet die Ermittlerin aus Ludwigshafen zu alter Klasse zurück. Zu verdanken hat das Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts vor allem einem Mann: Tom Bohn schrieb das Drehbuch und führte Regie.

Reihenweise schwache Drehbücher, dann die umstrittene Mundart-Folge „Babbeldasch“, gefolgt von der zweiten Improvisations-Folge „Waldlust“ und zwischendrin auch noch das schwer nachvollziehbare Aus für Lena Odenthals langjährigen und kaum wegzudenkenden Wegbegleiter Mario Kopper (Andreas Hoppe) – der Tatort aus Ludwigshafen hat in den letzten Jahren viel von dem Kredit verspielt, den er sich seit 1989 beim Publikum erworben hatte. Nun aber gibt es „Vom Himmel hoch“, einen schnörkellosen, hochpolitischen und zudem spannenden Krimi – den besten Odenthal-Tatort seit langer Zeit.  (Interview mit Andreas Hoppe: Am Ende hat's weh getan)

Schon die ersten Bilder dieses Films sind zwar nicht spektakulär, aber gut. Die Psychotherapeutin Christa Dietrich (Britta Maes) betritt ihre Praxis, hängt den Mantel in die Garderobe, nimmt die Post mit in ihr Büro und hört den Anrufbeantworter ab. Doch der Zuschauer sieht etwas, was sie nicht sieht: Die Hand einer Leiche.  


Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) begutachtet den Ort, an dem Psychiater Steinbach getötet wurde, während Kriminaltechniker Peter Becker (Peter Espeloer) und seine Kollegen der KTU Indizien sichern. Foto: SWR/Alexander Kluge


Als sie auf den verschmierten Boden blickt, grummelt die Frau kurz „altes Ferkel“, schnappt sich den Putzeimer und nähert sich wischend und auf den Knien dem Toten. Professor Steinfeld war ihr Partner in der Praxis. Ein Spezialist für Kriegstraumata, der sowohl Opfer wie auch traumatisierte Militärangehörige behandelte.

Unter anderem die Amerikanerin Heather Miller (Lena Drieschner). Früher wurde sie mal als sogenannter „Screener“ im Drohnenkrieg eingesetzt – bis ihre Arbeit sie depressiv machte und in die Praxis von Professor Steinfeld führte. Mittlerweile arbeitet sie als Ordonnanzoffizierin der US Army in Ramstein.  


Heather Miller (Lena Drieschner), Ordonnanzoffizierin bei der US-Army in Ramstein, will mit Johanna Stern (Lisa Bitter) nicht darüber reden, warum sie Patientin bei dem ermordeten Psychiater war. Foto: SWR/Alexander Kluge


Ins Visier von Odenthal und Johanna Stern (Lisa Bitter) geraten aber auch und vor allem die kurdischen Rojan-Brüder (Cuco und Diego Wallraff). Der eine hat bei einem US-Drohnenangriff im Irak seine beiden Kinder verloren, der in Ludwigshafen lebende Bruder hat versucht, auf dieses Schicksal öffentlich aufmerksam zu machen. Nun planen die beiden offenbar einen Anschlag auf einen Staatssekretär aus dem US-Verteidigungsministerium, der sich auf der Air Base in Ramstein zum Besuch angesagt hat.  


Vom Dach eines Parkhauses aus haben Mirhat (Cuco Wallraff) und Martin Rojan (Diego Wallraff) das Hotel, in dem der amerikanische Verteidigungs-Staatssekretär zu Besuch sein wird, gut im Blick. Foto: SWR/Alexander Kluge


Tom Bohns Stärke ist es, all diese Figuren so einzuführen, dass sie für den Zuschauer interessant sind, ohne dass er zu viel von ihnen verrät. Er entwickelt mehrere parallele Handlungsstränge, die seinen Film dicht und intensiv machen. Und er hat offenbar eine ausgeprägte Vorliebe dafür, Menschen beim Aufwachen zu zeigen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch den Krimi, verbindet Täter, Opfer und Ermittler.

Bohn hat auch nicht vergessen, wer Lena Odenthal durch lange Jahre begleitet hat: Mario Kopper. Zwar gibt es in „Vom Himmel hoch“ kein Gastspiel für Andreas Hoppe, aber immerhin hat Odenthal seinen alten Fiat als Spielzeug-Modell auf der Fensterbank hinter der Kaffeemaschine stehen. „Da fehlt er halt, der alte Einzelgänger,“ murmelt die Kommissarin. Und verdrückt eine Träne.  


Kopper ist Vergangenheit - nun ermittlet Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, links) nur noch mit Johanna Stern (Lisa Bitter). Foto: SWR/Alexander Kluge


Tom Bohn könnte der Mann sein, der Lena Odenthal aus der Dauerkrise führt. Der 59-Jährige ist ein alter Tatort-Hase, hat die meisten der 15 Auftritte von Robert Atzorn als Hamburger Ermittler Jan Cassttorff inszeniert. Er hat ein Gespür für die Figur Lena Odenthal und ist nach eigenen Worten bekennender Fan. Seine letzte Zusammenarbeit mit Ulrike Folkerts als Lena Odenthal liegt allerdings schon lange zurück: 2001 drehte er die Folge „Der Präsident“.  (So war der letzte Odenthal-Tatort mit Kopper)

Beim SWR scheint man die Qualitäten des etwas vergessenen alten Hasen neu bewertet und für gut befunden zu haben: Tom Bohn drehte im vergangenen Juni schon den nächsten Odenthal-Tatort mit dem Arbeitstitel „Maleficius“. Laut Senderangaben ein Psychothriller, der unter dem Motto „Green shooting“ entstand. Ein ökologisch produzierter Krimi, bei dem wiederverwendbare Flaschen und Gläser statt Plastikbecher, Bio-Lebensmittel und energiesparende Beleuchtung zum Einsatz kamen. Mit dem Inhalt der Geschichte hat das allerdings nichts zu tun.  (So war der Odenthal-Tatort "Waldlust") 


Zurück zu alter Stärke: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ist bei ihren Ermittlungen einem geplanten Anschlag auf die Spur gekommen. Foto: SWR/Alexander Kluge



Tatort: Vom Himmel hoch. Das Erste, Sonntag, 9. Dezember 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 5 von 6 Sternen


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