Ab Freitag neu bei Netflix "Dogs of Berlin"

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Erol Birkam (Fahri Yardim, l.) und Kurt Grimmer (Felix Kramer) werden in "Dogs of Berlin" dazu verdonnert, zusammenzuarbeiten. Ab Freitag neu bei Netflix. Foto: Stefan Erhard / SYRREAL ENTERTAINMENT GmbH, 2018.Erol Birkam (Fahri Yardim, l.) und Kurt Grimmer (Felix Kramer) werden in "Dogs of Berlin" dazu verdonnert, zusammenzuarbeiten. Ab Freitag neu bei Netflix. Foto: Stefan Erhard / SYRREAL ENTERTAINMENT GmbH, 2018.

Osnabrück. Clan-Kriminalität, Wettmafia, Neonazis und zwielichtige Polizisten – die neue zehnteilige Netflix-Serie „Dogs of Berlin“ um einen ermordeten Fußball-Nationalspieler trägt dick auf, überzeugt aber dank straffer Dramaturgie als spannender Thriller mit erstklassiger Darstellerriege.

Man stelle sich folgende Situation vor. Ein in der englischen Premier League spielender deutscher Fußball-Nationalspieler mit türkischen Wurzeln – Ähnlichkeiten mit lebenden Fußballstars sind rein zufällig – wird ermordet aufgefunden. Im sozialen Abseits einer Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn. Und das ausgerechnet am Tag vor dem wichtigen Länderspiel Deutschland gegen die Türkei im Berliner Olympiastadion.

Um Unruhen oder gar einen Rassenkrieg zu verhindern, wird der Tod des Spielers zunächst verheimlicht. Aber die schnell gebildete Spezialeinheit der Polizei steht quasi führungslos da, weil der Chefermittler nebenbei noch ein paar persönliche Dinge klären muss. Dafür brodelt es in der Berliner Unterwelt gewaltig. Vom türkischen Familienclan über die Wettmafia bis hin zu dumpfen Hooligans und brutalen Neonazis reicht die Verdachtskette zum ermordeten Spieler, die wie eine kurze Lunte am Multi-Kulti-Pulverfass der Hauptstadt liegt.

Zweite deutsche Netflix-Produktion

Die nach „Dark“ nunmehr zweite deutsche Netflix-Produktion „Dogs of Berlin“ trägt inhaltlich ziemlich dick auf. Aber dank einer straffen Dramaturgie und einem grundsätzlich unbefangenen Umgang mit polizeilichen Ermittlungsmethoden entsteht daraus schnell ein Thriller, der schon bald einen spannenden Sog entwickelt.

Regisseur, Produzent und Co-Autor Christian Alvart („Antikörper“) setzt in erster Linie auf schnörkellose Unterhaltung ohne Experimente. Alvart, der auch schon für Hollywood-Produktionen wie „Pandorum“ und „Fall 39“ Regie führte, gelingt es dabei, ein vielfältiges, gegensätzliches Personengeflecht aufzubauen, das nach dem Prinzip „Alle gegen alle“ handelt und natürlich für zahlreiche kontroverse Situationen sorgt.

Was insbesondere dank des herausragenden Ensembles gut funktioniert. Hauptdarsteller Felix Kramer, der auch schon in „Dark“ zu sehen war, glänzt in seiner nicht einfachen Rolle als undurchsichtiger und unsympathischer BKA-Ermittler Kurt Grimmer. Während dessen Frau Paula (Katharina Schüttler) von ihrem Mann vernachlässigt zu Hause mit ihren beiden Kindern vor sich her leidet, vergnügt sich Kurt mit einer prolligen „Bine“ (großartig: Anna Maria Mühe).

Wider Willen wird Kurt auch noch dazu verdonnert, die Ermittlungen gemeinsam mit einem gewissen Erol Birkam (Fahri Yardim) zu leiten – weil der alleine wegen dessen türkischer Herkunft „Dampf aus dem Kessel“ nehmen könne, wie es Kurts Chef formuliert.

Nazi-Omi und Menschenfänger

Am bemerkenswertesten erscheint in „Dogs of Berlin“ jedoch Katrin Saß in der Rolle von Kurt Grimmers Mutter Eva. Einer verbitterten Nazi-Omi, die auch schon mal die Enkelkinder entführt und zu einem zwielichtigen Nazi-Treffpunkt mitnimmt. Auf der anderen Seite überzeugt insbesondere Samy Abdel Fattah, dessen Rolle des jungen „Menschenfängers“ Raif aus dem Clan einer türkischen Großfamilie ein wenig an Fattahs Rolle des Mädchenfängers Cem aus dem TV-Film „Ich gehöre ihm“ erinnert.

Natürlich lebt „Dogs of Berlin“ neben der enormen Figurenvielfalt von einem enormen Wendungsreichtum, der sich bereits in den ersten vier Episoden, die Netflix der Presse vorab zugänglich gemacht hat, andeutet. Dass es am Ende knallen wird, verrät bereits das Intro. Was aber auch ein Ablenkungsmanöver sein kann.

Netflix plant, in Zukunft noch mehr „Serienformate mit nationaler Identität und globalem Appeal zu entwickeln“, wie es Netflix Vice President International Originals Erik Barmack in einer Pressemitteilung formuliert. Fünf deutsche Serien sollen es 2019 sein. Wobei der Bogen von der Varus-Schlacht („The Barbarians“) bis zur SF-Dystopie „Tribes of Europe“ gespannt werden soll.

„Dogs of Berlin“ (1-10/10). Netflix, ab Freitag, 07. Dezember.


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