Ab Heute im Kino "Under the Silver Lake": Niedergang der Popkultur

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Sam (Andrew Garfield) schlafwandelt mit Millicent Sevence (Callie Hernandez), der Tochter eines entführten Milliardärs, durch das nächtliche Los Angeles. "Under the Silver Lake". Ab Donnerstag neu im Kino. Foto: A24.Sam (Andrew Garfield) schlafwandelt mit Millicent Sevence (Callie Hernandez), der Tochter eines entführten Milliardärs, durch das nächtliche Los Angeles. "Under the Silver Lake". Ab Donnerstag neu im Kino. Foto: A24.

Osnabrück. In seinem Mystery-Thriller „Under the Silver Lake“ inszeniert Regisseur David Robert Mitchell den Niedergang genau jener Populärkultur des vergangenen Jahrhunderts, von deren überbordenden Zitaten sein Film lebt.

Anfang 30 und schon am Ende? Sam (Andrew Garfield) geht voll und ganz in seiner Antriebslosigkeit auf. Am liebsten macht er es sich an seinem Fenster zum Hof bequem und beobachtet seine Nachbarinnen auf dem Balkon oder unten am Pool.

Als er dort eines schönen Tages die geheimnisvolle Sarah (Riley Keough) sichtet, ist es um ihn geschehen. Erst lädt sie ihn zu sich ein. Dann verschwindet sie spurlos. Anstatt sich um das Geld für seine längst ausstehende Miete zu kümmern, begibt sich Sam spontan auf eine Odyssee durch die kurzen Tage und langen Nächte von Los Angeles und trifft dabei auf allerlei skurrile Typen und Situationen. Bekommt sein Leben doch noch einen Sinn?

Der eigensinnig inszenierte und mit Filmzitaten nur so gespickte Mystery-Thriller „Under the Silver Lake“ von Autor und Regisseur David Robert Mitchell („It Follows“) wandelt stilistisch auf groteske Art und Weise in den Spuren des Films noir. Die reichen von der desillusionierten Weltsicht des Protagonisten bis hin zu den meist nächtlichen Kulissen von Los Angeles, in denen nur wenig Gutes lauert.

Aber auch wenn sich Mitchell zu ein paar spontan wirkenden Gewaltexzessen hinreißen lässt, steht hier weniger die Spannung eines düster-zynischen Krimis im Vordergrund als vielmehr Mitchells eigene düstere Weltsicht auf die Populärkultur des vergangenen Jahrhunderts. Alles schon mal dagewesen und seitdem nur wiedergekäut – das scheint die Kernbotschaft zu sein.

Was ein bisschen absurd wirkt. Denn Mitchells etwas zu lang geratener Film lebt geradezu von den Zitaten jener Populärkultur, deren Niedergang er hier inszeniert. Und zwar konsequent mit den Mitteln geheimnisvoller Versatzstücke und Insignien heutiger Verschwörungstheorien, deren Wurzeln freilich weit zurück reichen. Selbstverständlich trägt das Appartement, in dem Sam wohnt, dann auch die mystische Nummer 23. Die Illuminaten lassen heimlich grüßen.


Under the Silver Lake

USA 2018. R.: David Robert Mitchell. D.: Andrew Garfield, Riley Keough, Topher Grace, Callie Hernandez. Laufzeit: 139 Minuten. FSK: ab 16. Cinema Arthouse.

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