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Zum Zweiteiler im ARD-Programm Katharina Wackernagel glänzt als Verlegerin Aenne Burda

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Es ist geschafft: Aenne Burda (Katharina Wackernagel) kommt mit den ersten Exemplaren der neuen Modezeitschrift zu ihren Mitarbeitern in den Verlag. Foto: SWR/Hardy BrackmannEs ist geschafft: Aenne Burda (Katharina Wackernagel) kommt mit den ersten Exemplaren der neuen Modezeitschrift zu ihren Mitarbeitern in den Verlag. Foto: SWR/Hardy Brackmann

Hamburg. Katharina Wackernagel verkörpert im ARD-Zweiteiler "Aenne Burda - die Wirtschaftswunderfrau (heute, 5.12., 20.15 Uhr) virtuos die legendäre Verlegerin von "Burda Moden" aus Offenburg - eine Frau mit Vision, Mut und Wut. Der Film zeigt: Die „Königin der Kleider“ zum Selbstnähen war in Sachen Emanzipation ihrer Zeit weit voraus.

Ausgerechnet die berühmte Aenne Burda (1909–2005), die mit ihrer Zeitschrift „Burda-Moden“ und den beigelegten Schnittmuster-Bogen aktuelle Mode aus Paris für jede Frau im tristen Alltag im Nachkriegsdeutschland möglich machte, konnte selbst nicht nähen: „Das war mein großes Glück, sonst hätte ich noch Nähunterricht nehmen müssen“, sagt Schauspielerin Katharina Wackernagel im Gespräch mit unserer Redaktion und lacht.

Nicht die einzige Überraschung im Lebenslauf der legendären Verlegerin aus Offenburg für die 40-jährige Schauspielerin, denn vor dem Rollenangebot für „Aenne Burda – die Wirtschaftswunderfrau“ habe sie nicht viel über deren Leben gewusst. Dazu gehört auch ihre ungewöhnliche – später offen geführte – Ehe mit dem Drucker und Verleger Franz Burda (1903–1986). 


Entschlossen und unbeirrt wirft Aenne (Katharina Wackernagel) ihre Konkurrentin persönlich aus dem Modeverlag. Foto: SWR/Hardy Brackmann

Der Zweiteiler zeigt, dass es nicht die Nähkunst war, die Aenne Burda beherrschen musste – dafür engagierte sie später in ihrem eigenen Verlag die besten Fachleute: In einer Zeit, als Frauen vom Führerschein bis zum Arbeitsvertrag noch die Erlaubnis ihres Ehemannes haben mussten, brauchte es sehr viel Mut und Durchsetzungskraft, um sich über gesellschaftliche Konventionen hinwegzusetzen. Die modebewusste, lebenslustige Aenne Burda verfügte über all das und die Vision einer Modezeitschrift. Zudem hatte sie Glück: Als „Burda Moden“ 1950 an den Start ging, waren auch die Stoffe wieder erhältlich. 

Wackernagel bezeichnet die Offenburgerin als eine sehr moderne Frau: „Sie hat für die Gleichberechtigung in dem Sinne etwas getan, weil sie gesagt hat, dass sie mit einem Mann auf Augenhöhe leben und arbeiten wollte, was heute noch keine Selbstverständlichkeit ist.“ 

Scheidung oder Zeitschrift?

Doch darüber hinaus war der Antrieb für die Mutter von drei schulpflichtigen Söhnen ihre enorme Wut auf ihren – genau wie sie – impulsiven Mann: 1949, hier setzt die Handlung ein, erfährt sie von seinem Doppelleben mit seiner Ex-Sekretärin. Der Verleger finanziert seiner Geliebten zudem die Modezeitschrift, die er zuvor seiner Ehefrau verweigert hatte. Diese droht nun: Zeitschrift oder Scheidung. Franz Burda willigt ein, ihr den Verlag zu überschreiben. Der Haken: Sie muss die hohen Schulden der Modezeitschrift übernehmen.  


Katharina Wackernagel steht als Aenne Burda im Mittelpunkt eines Zweiteilers über die Offenburger Verlegerin, die mit "Burda Moden" ein Verlagsimperium aufbaute und das Selbstschneidern nach Schnittmusterbögen popularisierte. Foto: SWR/Hardy Brackmann


Das streitlustige Paar blieb zusammen, und – so suggeriert der Film – es muss mehr als ein Arrangement gewesen sein: „Dass Aenne einen anderen Weg gehen wollte, war für ihn ein Schock, aber um seine Ehe zu erhalten, musste er sich von seinen Idealen und Vorstellungen trennen. Das hat er getan“, sagt Drehbuchautorin und Ideengeberin Regine Bielefeldt, die „biografische Fakten als Rahmen der Handlung“ für den mit viel Liebe fürs Detail ausgestatteten Film heranzog. Fritz Karl verkörpert Burda überzeugend als selbstgerechtes, aber auch lernfähiges Alphatier.

"Männer hatten Angst, ihr Gesicht zu verlieren"

 „Wichtig war es uns, auch die Männer in ihrem Verhalten zu verstehen“, so Regisseurin Francis Meletzky und erklärt: „Eine Karikatur wäre einfach gewesen. Aber Männer hatten damals wirklich Angst, ihr Gesicht zu verlieren, wenn die eigene Frau arbeiten geht. Dies hätte bedeutet, dass sie versagt haben.“ 

Das stets spannungsgeladene Spiel zwischen Wackernagel und Karl ist ein Grund, warum dieses Ehedrama vor der Kulisse der Modewelt zwischen Offenburg, Berlin und Paris (gedreht an Originalschauplätzen) über die Länge eines Zweiteilers trägt. Zeitlich umfasst der Film die Gründerjahre der „Burda Moden“ bis 1954. Innerhalb von zehn Jahren sollte die Zeitschrift eine Auflage von einer Million Exemplare erreichen. 

Mit der späteren Frauenbewegung konnte die Verlegerin übrigens nicht viel anfangen. „Aenne Burda wollte nicht emanzipiert sein, sie war es einfach. Und sie sprach nicht darüber“, meint Regisseurin Francis Meletzky. Produzentin Sabine Tettenborn fügt hinzu: „Ihr Selbstverständnis war es, dass sie keine gesellschaftlichen Einschränkungen akzeptiert hat und einfach gemacht hat.“ Seinen Visionen zu folgen, auch gegen Widerstände, das sei besonders für junge Leute heute eine wichtig. 

Aenne Burda habe sich nicht nur wirtschaftlich und emotional von ihrem Mann emanzipiert, so Bielefeldt: „Sie hat sich frei gemacht von dem Druck, gefallen zu müssen!“ Stattdessen habe sie eine Art „Aenne-Burda-Dimension“ geschaffen und dort nach ihren Regeln gelebt: „Sie hat gesagt, was man trägt, wie man sich benimmt, wie laut man sein darf. Sich so unabhängig vom Wohlwollen der anderen zu machen, das ist die wahre Emanzipation von der wir heute noch eine Menge lernen können.“


Aenne Burda vor ihrem Verlagsgebäude, 1973. Das Erste zeigt die Doku "Aenne Burda - Die Königin der Kleider", am Mittwoch (12.12.18) um 21.45 Uhr. Foto: SWR/Burda-Archiv



Sendetermine:

Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau: Das Erste, 20.15 Uhr, Teil 2 folgt am 12. Dezember, ebenfalls um 20.15 Uhr, im Anschluss, 21.45 Uhr, wird die Dokumentation „Aenne Burda – Die Königin der Kleider“ ausgestrahlt.

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