Interview mit Schauspielerin Katharina Wackernagel: Aenne Burda hat mich verblüfft

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Katharina Wackernagel als Verlegerin Aenne Burda in ihrem Büro in Offenburg. Foto: SWR/Hardy BrackmannKatharina Wackernagel als Verlegerin Aenne Burda in ihrem Büro in Offenburg. Foto: SWR/Hardy Brackmann

Hamburg. Bevor Katharina Wackernagel die Titelrolle in dem ARD-Zweiteiler „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“ (Start: Heute, 5.12., 20.15 Uhr) angeboten bekam, habe sie gar nichts über das Leben und Werk der Verlegerin aus Offenburg gewusst, erzählt sie im Interview mit unserer Redaktion. Was sie dann aus dem Drehbuch von Regine Bielefeldt erfuhr, hat sie verblüfft.

Eine Zeitschrift mit aktueller Mode zum Selbstnähen anhand beigelegten Schnittmuster-Bogen: Mit dieser Idee führte Aenne Burda in Anfang der 50er-Jahre ihr Heft "Burda Moden" zum Erfolg. Unter welchen Umständen und  privaten Widerständen sie sich von der Verlegergattin zur  Chefin ihres eigenen Verlags entwickeln konnte, daran erinnert der zweiteilige TV-Film mit Katharina Wackernagel. Eine Titelrolle, von der die 40-jährige Schauspielerin auch persönlich für ihre Arbeit als Produzentin und Regisseurin etwas mitgenommen habe, wie sie im Interview sagt.   

Frau Wackernagel, welches Bild hatten Sie von Aenne Burda, als Sie das Rollenangebot für den Zweiteiler "Aenne Burda - die Wirtschaftswunderfrau" bekamen?

Ich wusste gar nichts. Ich dachte, dass Hubert Burda „Burda Moden“ erfunden hat. Ich kannte ihn auch nur im Zusammenhang mit der "Bambi"-Verleihung. Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war ich verblüfft zu hören, dass sich die Ereignisse tatsächlich so zugetragen haben: Aenne Burda sagte ihrem Mann, sie möchte ein Modeheft herausgeben. Während er zu ihr sagte, das sei Quatsch, niemand würde es kaufen, produzierte seine Geliebte bereits genau dieses Heft. Später hat ihr Aenne Burda das Heft und den Verlag weggenommen und zum großen Erfolg geführt. Das fand ich schon sehr spannend, als ich das gelesen habe.

Aenne Burda konnte selbst nicht nähen, wie sieht das bei Ihnen aus?

Das war mein großes Glück, sonst hätte ich noch Nähunterricht nehmen müssen!

Haben Schnittmuster überhaupt in Ihrem Leben je eine Rolle gespielt?

Während der Dreharbeiten habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Schnittmusterbogen in der Hand gehabt. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie aus einem Schnittmusterbogen ein Kleid werden kann, aber es hat mir große Freude gemacht, mich damit auseinanderzusetzen. Was ich wirklich toll von der Regisseurin Franziska Meletzky fand, dass sie die Statistinnen in dem Verlag, sowohl die Näherinnen als auch die Grafikerinnen, mit Frauen besetzt hat, die entweder nähen oder zeichnen konnten. Beim Drehen war das eine große Hilfe für mich, weil sie mir zeigen konnten, wo ich überhaupt zu suchen hatte, als ich eine Naht vor laufender Kamera bemängeln sollte.

Was hat Ihnen die Rolle der Aenne Burda gegeben?

Was ich von der Rolle persönlich mitgenommen habe, ist aus Rückschlägen einfach positive Energie zu ziehen, sie als Chance zu nehmen. Das ist ein Wesenszug, der mir durch das Spielen so präsent geworden ist, und nun für meine Arbeit als Produzentin und Regisseurin eine große Rolle spielt.

Warum ist es wichtig, dass man Aenne Burdas Geschichte jetzt erzählt?

Sie ist auch in der heutigen Zeit noch als eine sehr moderne Frau anzusehen. Sie hat für die Gleichberechtigung in dem Sinne etwas getan, weil sie gesagt hat, dass sie mit einem Mann auf Augenhöhe leben und arbeiten wollte, was heute noch keine Selbstverständlichkeit ist. Wir haben 2018: Es gibt die Frauenquote, Frauen müssen dafür kämpfen in Führungsposition zu sein und das gleiche Gehalt zu bekommen wie Männer, der Kampf ist also noch nicht ausgestanden. Die Ehe, die sie mit Franz Burda geführt hat, wirklich sehr modern, offen und frei. Ich kenne nicht so viele Beziehungsgeschichten, die derart ablaufen. Sie hat auch etwas mit gesellschaftlichen Zwängen zu tun, das ist nicht nur positiv zu betrachten, weil Aenne Burda von ihrem Mann betrogen und hintergangenen wurde. Dennoch sind beide noch bis zum Ende ihres Lebens zusammengeblieben. Das finde ich höchst modern, wenn man sich die Scheidungsquote heutzutage anschaut.

Welche Szene hat Sie beim Drehen am meisten gepackt?

Es ist die Szene, als Franz Burda ihr den Verlag versprochen hat. Sie stürmt voller Glücksgefühle und Tatendrang zur Vertragsunterzeichnung ins Büro und erkennt dann in den Unterlagen, dass dieser Verlag mit 200.000 D-Mark verschuldet ist. Sie realisiert in diesem Augenblick, dass Franz Burda diese Schulden, die er ihr berechnet, seiner Geliebten erlassen hätte. Diese Szene beinhaltet eigentlich dieses ganze Wechselspiel der Gefühle, das Aenne Burda über 15 Jahre erlebt haben muss: Das Glücksgefühl, dass ihre Vision von ihrem Verlag funktionierte, war gleichzeitig damit verbunden, dass ihr Mann sie belogen und betrogen hatte.

Was hat das Ehepaar Burda trotzdem zusammengehalten?

Bei diesem Ehepaar hat mich wirklich beeindruckt, dass sich so wahnsinnig gestritten haben und danach trotzdem am Abend zusammen gegessen und gelacht haben. Vielleicht waren die beiden sich auf eine Art sehr ähnlich. Vielleicht war dieses Zusammenbleiben nicht nur das Arrangement, das sie ab einem bestimmten Punkt in ihrem Leben getroffen haben, sondern sie wussten, so jemanden wie den, finde ich nicht wieder. Trotzdem hat es Aenne Burda nicht daran gehindert einen Liebhaber zu haben, aber ihr Seelenverwandter war Franz Burda. Er muss es genauso gesehen haben, denn die letzten 15 Jahre ihrer Ehe war sie erfolgreicher als er. Und dieses Alphatier hat es hingenommen und war auch stolz auf sie.

Keine leichte Beziehung – wie war das Zusammenspiel mit Fritz Karl, der Franz Burda verkörpert…

Es war für mich ein Riesenglück mit Fritz Karl zu arbeiten. Er ist extrem kollegial und ein großartiger Schauspieler. Wir hatten irrsinnig viele Szenen, in denen wir vor der Kamera Krach hatten, und trotzdem haben wir am Set viel gelacht. Das ist so wertvoll, denn es lag oft viel Spannung im Raum. Das tut so gut, wenn man dann mit einem Kollegen so eine Nähe aufbauen kann und sich in den kurzen Pausen fallen lassen kann.


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