Heute bei Arte "Die Wege des Herrn": Spannende Serie über eine Pastorenfamilie

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Zwei Pfarrer der Familie Krogh: Johannes (Lars Mikkelsen) und August (Morten Hee Andersen). Foto: Tine HardenZwei Pfarrer der Familie Krogh: Johannes (Lars Mikkelsen) und August (Morten Hee Andersen). Foto: Tine Harden

Osnabrück. Deutsche Pfarrerserien erzählen von echten Helden. Sie sind warmherzig, einfühlsam und wenn sie mal an ihre Grenzen stoßen, dann nur wegen der Borniertheit anderer und nur, um sie schnell zu überwinden. Die dänische Pfarrerserie „Die Wege des Herrn“ ist anders. Ganz anders. Zehn Teile ab Donnerstag, 29. November um 20.15 Uhr bei Arte.

Familie Krogh steht seit neun Generationen im Dienste des Herrn. Die Söhne werden Pastoren, so ist das. Im Moment steht Johannes Krogh der Familie vor. Er ist knapp 60, ein begnadeter Prediger, ein einfühlsamer Seelsorger. Gerade scheint sich sein Lebenstraum zu erfüllen: Er will Bischof von Kopenhagen werden.

Die Chancen stehen gut. Bei einer Diskussion der vier Kandidaten redet er alle an die Wand. Wer ein bisschen etwas von Kirche versteht, wird merken: Mit diese Rede wird man überall Bischof. Brilliant. 40 Prozent der Stimmen hat er schon im ersten Wahlgang. Doch vor der Stichwahl zwischen ihm und seiner verbleibenden Kontrahentin Monica gibt es ein zweites Streitgespräch. Und da redet sich Johannes um Kopf und Kragen. Gegen den Islam und gegen Frauen, kann man seine Worte deuten. Politisch inkorrekt. Er verliert.

Und Johannes bricht zusammen. Denn unter seiner überzeugenden Fassade schlummert ein kranker Mann. Quartalssäufer ist er, ab und zu taucht er für ein paar Tage ab und schüttet sich zu. Seine Psyche gaukelt ihm dunkle Bilder vor, Johannes steht neben sich – bis seine Frau Elisabeth, der Fels in der familiären Brandung, ihn wieder aufrichtet.

Johannes ist auch kein guter Vater. Seinen Sohn August, den Theologen, liebt er heiß und innig. Mit gerade 28 Jahren wird August eine große Pfarrei angeboten, denn August fliegt alles zu. Wie sein Vater ein mitreißender Prediger, dazu gutaussehend, jung und glücklich verheiratet. Nur, dass er unbedingt als Militärpfarrer nach Afghanistan will, statt die Pfarrstelle anzunehmen, das passt der Familie nicht. „Ich will was machen, was ich nicht schon sowieso kann“, sagt August.

Die Arbeit als Militärpfarrer ist eine Herausforderung für August (Morten Hee Andersen). Foto: Tine Harden


Und er hat recht: Denn Militärseelsorge kann er nicht. Er predigt im Gottesdienst in Feldlager Feindesliebe und weigert sich, Militärfahrzeuge zu segnen. Und als er dann mit auf Streife geht, um das Vertrauen der Truppe zurückzugewinnen, bricht er zusammen, als die Patrouille in einen Hinterhalt gerät. Zurück nach Dänemark kommt er als gebrochener Mann, der an Gott und an seinem Leben zweifelt.

Und dann ist da noch Christian, der ältere Sohn. Theologie hat er geschmissen – wie er eigentlich alles schmeißt. Aber immerhin: Mit 30 gibt er dann doch eine Diplomarbeit ab, irgendetwas Wirtschaftswissenschaftliches. Bloß, dass er abschreibt und beim Plagiat erwischt wird. Wasser auf die Mühlen seines Vaters. Ganz unbiblisch schmeißt er ihn raus, als der „verlorene Sohn“ beschämt nach Hause schleicht. „Jesus steht auf Versöhnung, ich stehe mehr auf Konsequenz.“

In Dänemark wurde die 10-teilige Serie ein großer Erfolg. Das liegt im Wesentlichen an der Machart der Serie. Schnitte, Dramaturgie, Musik – das alles ist hervorragend gemacht. Kein Wunder, denn mit Adam Price zeichnet jemand für die Serie verantwortlich, der schon früher einen Serien-Welterfolg hatte: Borgen, die Politserie über Schloss Christiansborg (umgangssprachlich: Borgen), den Sitz des dänischen Parlaments sowie des Regierungschefs. Drei zehnteilige Staffeln hat sie erlebt; die „Wege des Herrn“ könnten daran kommen, denn schon wird die zweite Staffel gedreht.



Erfolgsgaranten der Serie sind auch die Schauspieler, allen voran Lars Mikkelsen als in sich zerrissenes Familienoberhaupt Johannes und Ann Eleonora Jørgensen als seine taffe Frau Elisabeth, die für diese Rolle einen Preis als beste Seriendarstellerin gewann.

Am meisten für den Erfolg stehen aber die tiefgreifenden Konflikte, die sich in der offenkundigen Diskrepanz zwischen scheinbaren glaubensfesten Pastorenfamilie und ihrem tatsächlichen Leben auftun. Es sind gebrochene Menschen, die man hier erlebt. Sie sind voll guten Willens und voll tiefen Glaubens, aber doch scheitern sie am Leben. Sie rufen nach Gott – aber bekommen nur selten Antwort. Sie kennen die Bibel – aber können sie doch im Alltag nicht umsetzen.

Elisabeth Krogh (Ann Eleonora Jørgensen) macht das Verhalten ihres Mannes nachdenklich. Foto: Tine Harden


Ist das nun abgrundtiefe Kirchenkritik? Adam Price, der sich selbst als er als einen „Atheisten mit ausgeprägter Neugier“ bezeichnet, sagt, er wolle „die Zuschauer dazu bewegen, über Religion zu diskutieren“. Das kann tatsächlich gelingen. Denn in der Serie wird so viel Kluges und Tiefgründiges über Gott und den Glauben gesagt, dass auch die gebrochenen Pastoren das nicht aufwiegen können. Denn trotz allem Versagen bleibt ihr Bemühen. Und das zählt vielleicht mehr als die Heldentaten aus deutschen Pfarrerserien.


Die Wege des Herrn

Teile 1-3 am Donnerstag, 29. November 2018, ab 20.15 Uhr bei Arte 

Teile 4-10 an den folgenden Donnerstagen ab 20.15 Uhr bei Arte

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