Neu auf Amazon Prime Techno-Rausch und Verbrechen: Die Serie "Beat"

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Jannis Niewöhner in der Amazon-Serie "Beat". Foto: AmazonJannis Niewöhner in der Amazon-Serie "Beat". Foto: Amazon

Berlin. Ein Mann stürzt aus dem Rausch des Techno-Clubs in die Welt des Verbrechens: Marco Kreuzpaintners Amazon-Serie „Beat“.

Mit "Beat" hat Marco Kreuzpainter das zweite Amazon-Original nach Schweighöfers "You Are Wanted" vorgelegt. Ab sofort ist die Serie bei Amazon Prime Video verfügbar.


Wer oder was ist "Beat"?

In der Berliner Techno-Welt ist Beat eine anerkannte Größe, zur Realität hat er dank Partydrogen einen verschwommenen Bezug. Umso verblüffter ist er, als Geheimdienstler gerade ihn als V-Mann auf den Gangsterboss Vossberg ansetzen wollen. Ein Angebot, das Beat nicht ablehnen kann – und das ihm über Nacht Psychopathen, Organhändler und Mafiabosse in den Trip seines Lebens treibt: Beat tanzt sprichwörtlich unter Leichen, er wird Zeuge einer Hinrichtung, unter Beschuss genommen arbeitet nebenher seine Adoptionsgeschichte auf. Wie spielt man eine Rolle, die nur aus traumatischen Extremsituationen besteht? „Es ist auf jeden Fall ein Overkill, für Beat, aber auch für mich als Schauspieler“, sagt Hauptdarsteller Jannis Niewöhner. „Ich glaube, dass das die Figur so spannend macht: Normalerweise treiben Hauptcharaktere die Handlung voran. Beat steckt mitten im Sturm der Ereignisse und ist vollkommen passiv. Alles stößt ihm zu, und er reagiert.“ 

Vom Teenie-Idol zum Serienstar: Jannis Niewöhner

Beat hat starke Antagonisten. Karoline Herfurth verfolgt als Agentin undurchsichtige Absichten, Kostja Ullmann darf ein Kabinettstück als verrückter Verbrecher hinlegen. Getragen aber werden die sieben Episoden von Niewöhner, dem die Rolle zu einer Art Reifeprüfung wird. Nach Detlev Bucks Kiez-Groteske „Asphaltgorillas“ taucht der Schauspieler schon zum zweiten Mal in eine sehr erwachsene Rolle ein. Schüttelt er das Image des Teenie-Schwarms ganz bewusst ab? Niewöhner winkt ab: „Ich werde einfach älter, und damit kommen Rollen auf mich zu, auf die ich lange gewartet habe. Eine Serie wie ‚Beat‘ habe ich vorher noch nie gemacht; das ist etwas, mit dem man auf die Nase fallen kann, bei dem man Erfahrungen und vielleicht sogar Fehler macht, an denen man wächst“, sagt er. Was nicht heißt, dass er den Jahren als „Bravo“-Coverboy nachtrauert. Manchmal sei es schwer gewesen, sagt er. „Vor allem wenn ich in der Vollpubertät Filme gedreht habe, die die Leute in meinem Alter auch geguckt haben. Alle hatten eine Meinung über mich, und das ist eine echte Überforderung, wenn man 15 ist – egal, ob sie einen lieben oder hassen.“ Kennt er die Techno-Welt seiner Figur persönlich? Den positiven Kontrollverlust wilder Partys kennt er schon, sagt Niewöhner, aber: „Im Berghain war ich noch nie. Als ich mit 19 Jahren nach Berlin gezogen bin, stand ich viermal davor, aber die Türsteher haben mich nie reingelassen.“

Grausamkeit und schöne Worte: Fehlings Gangsterboss

Ganz anders Alexander Fehling, der auf die Frage nach Partydrogen nur vielsagend lächelt. In der Amazon-Serie muss er seine Vorkenntnisse aber verbergen. Fehling spielt einen Gangsterboss von eiskalter Überlegenheit: „Vossberg trinkt nicht, er hat keine Freude an der Gewalt, die Orgien der anderen Gangster interessieren ihn nicht“, sagt Fehling. „Und es gibt nichts Langweiligeres als ungebrochene Souveränität, im Schauspiel wie im Leben. Aber der Drang nach Kontrolle, nach Souveränität und Macht ist spannend – weil ihm nur eine genauso große Angst zugrunde liegen kann.“ Die Figur ist für unvorstellbare Verbrechen verantwortlich, gibt sich aber als nüchterner Philosoph der Gewalt. Für Fehling, der mit „Homeland“ schon eine große US-Serie gedreht hat, war das der Ansatz: „Die monströse Wirkung entsteht bei Vossberg aus dem Verhältnis von grausamen Taten und deutlichen Worten. Deshalb habe ich mich am meisten darum gekümmert: seine Worte, sein Sprechen aus der Situation heraus plausibel zu machen.“

Drogen am Set? Warum nicht.

Es gibt Killer, Leichen, Ermittler – und doch hält Regisseur Marco Kreuzpaintner die Serie nicht für einen Krimi. Die Genre-Elementesieht er eher als Vehikel, über die er ein Lebensgefühl transportiert: „Nach zwölf Jahren in Berlin hatte ich die Schnauze voll vom Lärm und bin zurück nach Bayern aufs Land gezogen“, sagt er. „Das erste Wort, das ich aufs Papier gesetzt habe, war ‚Beat‘ -– nur weil es das Gefühl, aus dem ich gerade kam, so gut wiedergab. Daraus habe ich dann die Figur entwickelt und aus ihr die Geschichte.“ Am Set war es dann trotzdem laut, besonders in den Party-Szenen: „Normalerweise spielt man die Musik an, dreht im entscheidenden Moment den Ton runter und lässt die Menschen während der Dialoge nur noch so tun als ob. Wir haben die Musik laufen lassen und die Dialoge später nachsynchronisiert, damit die Leute neun, zehn Stunden durchtanzen konnten.“ Die Party war also echt. Wie hat Kreuzpaintner verhindert, dass es am Set zu Drogentoten kommt? „Gar nicht, wir haben den Leuten die Freiheit gelassen. Wenn sich jemand mit Drogen umbringen will, ist das seine eigene Entscheidung. Leibeskontrollen wären der Tod unserer Partys gewesen“, lacht er. „Ich glaube, dass man diese Energie der Serie anmerkt.“

"Beat". Die sieben Episoden der ersten Staffel sind ab Freitag, 9. November, bei Amazon Prime Video verfügbar.

Mehr zum Thema:


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN