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Wöchentliche Sendung mit Clips „Clipster“: Comeback des Musikfernsehens auf Einsfestival

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Anja Backhaus präsentiert das Magazin „Clipster“, mit dem Einsfestival ab Freitag an vergangene Zeiten anknüpfen will. Foto: WDRAnja Backhaus präsentiert das Magazin „Clipster“, mit dem Einsfestival ab Freitag an vergangene Zeiten anknüpfen will. Foto: WDR

Osnabrück. Das einst durch Sender wie MTV kultivierte Musikfernsehen ist mausetot. Dabei hätte die Kunstform der Videoclips nach wie vor eine größere Öffentlichkeit verdient. Das denken offenbar auch die Verantwortlichen des ARD-Senders Einsfestival – und schicken ab kommendem Freitag die Sendung „Clipster“ ins Rennen.

Es hätte ein schöner 25. Geburtstag werden können. Am 1. August 1987 startete mit MTV Europe der europäische Ableger des zu jenem Zeitpunkt bereits legendären US-amerikanischen Musiksenders. Der erste Videoclip, der nicht ganz ohne Ironie gespielt wurde, entsprach dem damaligen Zeitgeist der Musikindustrie, die vor lauter Geld beinahe zu platzen drohte: „Money for Nothing“ („Geld für Nichts“) von den Dire Straits. In den USA hatte MTV seinen Betrieb bereits 1981 mit dem Clip zum Buggles-Hit „Video Killed the Radio Star“ gestartet, dem ultimativen audiovisuellen Todesstoß gegen das Radio.

Doch während sich das Radio heute nach wie vor allerbester Gesundheit erfreut, wurde das Musikfernsehen von einem kräftigen Todesstoß niedergestreckt. MTV gibt es in Deutschland nur noch im Bezahlfernsehen. Und VIVA, die einstige Konkurrenz von MTV, wurde vom MTV-Mutterkonzern Viacom längst aufgekauft und schnullert seither mit Soaps, Serien und ganz selten auch Videoclips vor sich hin.

Dabei genießt die Kunstform der Musikvideos längst Anerkennung auf höchsten Ebenen. „Es gibt mittlerweile sogar museale Ausstellungen, die dem Clip als Kunstform“ ein Forum bieten, betont Michael Maurer gegenüber unserer Zeitung. Maurer war einst Redakteur bei VIVA ZWEI und für das mit dem Grimme-Preis gekrönte VIVA-Format „Fast Forward“ mit Charlotte Roche erfolgreich. „Wenn man sich anschaut, wie sich im Laufe der Jahre 2002 bis 2005 die Programmstruktur von MTV und VIVA entwickelt hat“, so Maurer weiter, dann müsse man leider feststellen, dass „der Name ,Music Television‘ für MTV oder auch die Prämisse, unter der VIVA gestartet ist, da schon lange nicht mehr zutrifft“.

Heute ist Maurer für den ARD-Sender Einsfestival als Redakteur tätig und will dem Musikvideo dort zumindest einmal wöchentlich für eine halbe Stunde am Freitagabend zu seinem Recht verhelfen. „Clipster“ heißt das neue Format, wobei der Name eine Wortspielerei aus Clip und „Hipster“ darstellt. Ganz schön mutig angesichts des schlechten Rufs, den die Hipster des 21. Jahrhunderts derzeit nicht nur im Hipster-feindlichen Berlin haben.

Moderiert wird die Sendung von Anja Backhaus, die Einsfestival-Zuschauern vor allem durch das Trend- und Lifestylemagazin „Einsweiter“ bekannt sein dürfte. Produziert wird in einem WDR-Studio. Obwohl man sich schon an den Single-Charts orientiere, „wollen wir die Charts nicht eins zu eins abbilden“, betont Maurer. Vielmehr gehe es bei der redaktionellen Auswahl um die gesamte Bandbreite des aktuellen Geschehens. „Außerdem“, so Maurer weiter, „wollen wir der Kunstform des Videoclips wieder zu ihrem Recht verhelfen.“

Nicht minder ehrgeizige Ziele hat sich der Sender Einsfestival für das Format bei der Zielgruppe gesetzt. „Wir haben uns ja generell vorgenommen, als Zielgruppe die 14- bis 49-Jährigen stärker zu erreichen“, verrät Einsfestival-Redaktionsleiterin Jessica Eisermann im Gespräch mit unserer Zeitung die Altersgruppe, die der Sender anvisiert. „Bei ,Clipster‘ wie bei allen unseren Eigenproduktionen wollen wir die 25- bis 35-Jährigen erreichen. Außerdem versuchen wir, ein eher weibliches öffentlich-rechtliches Publikum anzusprechen.“ Um beste Voraussetzungen für das Gelingen dieses Vorhabens zu schaffen, wurde das neue „Musikformat ,Clipster‘ am Freitagabend zwischen zwei Spielfilmen eingepackt, weil das halt unser ,jüngster‘ Abend ist“, so die Redaktionsleiterin.

Aber haben Musikvideoclips angesichts all der massiven Konkurrenz unterschiedlichster Internet-Plattformen von YouTube bis tape.tv überhaupt noch eine Chance im traditionellen Fernsehen? „Das ist auf jeden Fall eine Herausforderung“, räumt Eisermann ein. Andererseits: „Online ist ja vieles aufgrund der ungeklärten Rechtesituation gar nicht mehr ohne Weiteres verfügbar. Deshalb können wir den Zuschauern mit einem redaktionell ausgewählten Programm ein gutes Angebot machen. Wer uns schaut, ist auf dem neuesten Stand und braucht sich nicht erst mühselig mit Proxy-Servern wie ,Hide-my-ass‘ und solchen Sachen die Clips zugänglich machen.“

Sowieso liege die größte und entscheidende Stärke einer Fernsehsendung wie „Clipster“ in der redaktionellen Vorarbeit, wovon die Zuschauer deutlich profitierten. „Wenn Sie jemanden, der sich für Musikvideos interessiert, vor die Entscheidung stellen, ob er die Sachen lieber bei YouTube oder im Fernsehen sehen möchte“, so Eisermann, „dann dürfte die Wahrscheinlichkeit dafür, dass das Fernsehen vorgezogen wird, bei 99 Prozent liegen“.

Clipster, wöchentlich ab Freitag, 31. August, 21.45 Uhr, bei Einsfestival.


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