Ab Donnerstag neu im Kino "Aufbruch zum Mond" mit Ryan Gosling als Neil Armstrong

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Ryan Gosling spielt Neil Armstrong, den ersten Menschen, der einen Fuß auf den Mond gesetzt hat. Foto: Universal.Ryan Gosling spielt Neil Armstrong, den ersten Menschen, der einen Fuß auf den Mond gesetzt hat. Foto: Universal.

Osnabrück. Regisseur Damien Chazelle inszeniert seinen Film „Aufbruch zum Mond“ mit Ryan Gosling in der Rolle von Neil Armstrong als biografische Charakterstudie. Das Ergebnis ist ein in jeder Hinsicht spannendes Drama selbst für jene Zuschauer, die sich noch genau an die Ereignisse erinnern können.

Wir schreiben das Jahr 1961. Das Raketenflugzeug X-15 ächzt, stöhnt und keucht mit seinem Testpiloten Neil Armstrong (Ryan Gosling) bei vier-, fünf-, sechsfacher Schallgeschwindigkeit um die Wette. Bei 140000 Fuß droht dem Piloten, sein Gefährt in die falsche Richtung in den Weltraum abzudriften. Nur Dank seines außerordentlichen Improvisationstalents gelingt es ihm, die X-15 wieder unter Kontrolle zu bekommen und zu landen.

Szenenwechsel. Auf der Erde plagen den Ehemann und Familienvater ganz andere Sorgen, die er nicht kontrollieren kann. Seine zweijährige Tochter leidet unter einem Hirntumor und beinahe noch mehr unter den Belastungen der Behandlung. Penibel führt er Buch über die Pros und Contras möglicher medizinischer Eingriffe. Dann ist die Kleine tot. Neil Armstrong trauert heimlich und allein abseits der Trauergemeinschaft.

Dies ist nicht die letzte Trauerfeier im Film „Aufbruch zum Mond“ von Regisseur Damien Chazelle nach dem Drehbuch von Josh Singer, dem wiederum die Neil-Armstrong-Biografie „First Man“ von James R. Hansen zugrunde liegt. Und so ungewöhnlich kontrastreich der Film beginnt, so ungewöhnlich wird er auch weitererzählt.

Das Privat- und Familienleben des ersten Mannes auf dem Mond nimmt hier einen sehr hohen Stellenwert ein. Dazu gehört Armstrongs offenbar nicht richtig verarbeitetes Trauma des Verlustes seiner Tochter. Ein Trauma, das im Film zur Triebfeder seines Handelns erhoben wird. Als nur äußerlich fragil wirkender Gegenpol leidet seine Frau Janet (Claire Foy) zusätzlich unter den emotionalen Kommunikationsstörungen ihres Mannes. Die wortlose Schlusssequenz, in der sich die Armstrongs nach Neils gelungenem Mondflug erstmals wiedersehen, sagt mehr als tausend Worte.

Regisseur Chazelle gelingt es auf außerordentlich reizvolle Weise, die privaten Momente der Armstrongs mit den chronologisch erzählten Etappen des Mondprogramms bis zur Apollo-11-Mission zu verknüpfen. Selbstverständlich – Steven Spielberg ist als ausführender Produzent immerhin ganz vorne mit dabei – kommen dabei auch alle Weltraumfans auf ihre Kosten. Die historischen Raumkapseln und sonstige Gerätschaften wirken gerade in ihrer improvisierten, teils brandgefährlichen Schäbigkeit überraschend detailgetreu nachgestellt.

Auch wenn „Aufbruch zum Mond“ in erster Linie nicht als patriotisches Heldenepos, sondern als biografische Charakterstudie angelegt ist, kommt die Spannung nicht zu kurz. Dafür sorgt freilich einerseits die bekannte Geschichte des Apollo-Programms mit seiner Mischung aus Tragik und Heldentum, wie sie bereits vor 35 Jahren im Film „Der Stoff aus dem die Helden sind“ erzählt wurde. Aber Regisseur Chazelle gelingt darüber hinaus eine durch scharfe Kontraste getragene Dramaturgie, die ganz nebenbei auch den Irrsinn hinter der vom Kalten Krieg vorangetriebenen Mondmission widerspiegelt.

Insofern enthält „Aufbruch zum Mond“ auch eine historisch-kritische Komponente, die weder den Vietnamkrieg noch all die damaligen Widersprüche innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft ausspart. Da mag sich ein heute amtierender Präsident der Vereinigten Staaten dann noch so sehr darüber mokieren, dass ausgerechnet jene Szene ausgespart wird, in der ein US-Fähnchen in den Mondstaub gesteckt wird. Aber so eine unpassende Szene hätte diesen großartigen Film einfach nur unnötig verkitscht.

Aufbruch zum Mond. USA 2018. R.: Damien Chazelle. D.: Ryan Gosling, Claire Foy, Jason Clarke, Corey Stoll. Laufzeit: 141 Minuten. FSK: ab 12. Cinema Arthouse.


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