Mittwochabend im Ersten „Unser Kind“: Starkes Drama mit Susanne Wolff

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Ellen (Susanne Wolff) kämpft in "Unser Kind" um das Sorgerecht für ihren Franz.Ellen (Susanne Wolff) kämpft in "Unser Kind" um das Sorgerecht für ihren Franz.

Osnabrück. Mit „Unser Kind“ zeigt Das Erste am Mittwoch, 7.11. um 20.15 Uhr ein starkes Drama um die Rechte homosexueller Eltern.

Nur Wochen vor dem Drehbeginn zu „Unser Kind“ wurde im Bundestag der Gesetzentwurf zur „Ehe für alle“ verabschiedet. Der landläufigen Annahme nach müsste damit eine gleichgeschlechtliche Ehe der traditionellen gleichgestellt sein. Doch das gilt nicht für das Abstammungsrecht. Was das konkret für das Schicksal einer Familie bedeuten kann, zeigt der WDR-Film „Unser Kind“ auf eindringliche Weise. Ellen und Katharina sind ein Paar und bekommen mit Hilfe eines Samenspenders aus dem Freundeskreis ein Kind. Als die biologische Mutter Katharina tödlich verunglückt, sieht sich Ellen mit den juristischen Fallstricken der noch nicht abgeschlossenen Adoption des kleinen Franz konfrontiert. Plötzlich erheben nicht nur Katharinas Eltern Anspruch auf Franz, sondern auch Samenspender Wolfgang.

Kein Gut und Böse

Drehbuchautorin Kristl Philippi schrieb die Geschichte ausgehend von einem realen Vorbild. Sie und Regisseurin Nana Neul waren sich von Anfang an einig, dass Susanne Wolff die Hauptrolle spielen sollte, alle anderen Rollen wurden um sie herum gecastet. „Ich finde, sie ist eine sehr besondere Person mit einer guten Ausstrahlung,“ sagt Regisseurin Nana Neul über Susanne Wolff. „Einfach eine Frau, die man toll findet. Und wir hatten das Gefühl, dass sie alles mitbringt, was für diese Figur wichtig ist: Weiblichkeit, Power und Tiefe.“ Tatsächlich schafft Susanne Wolff es die Trauer um die verlorene Partnerin ebenso glaubwürdig darzustellen wie den Kampf um das Sorgerecht ihres Kindes. Dabei spielen ihr Buch und Inszenierung in die Karten, die sich nicht nur bei der Figur der Ellen bemühen keine moralischen Wertungen und Sympathiepunkte zu verteilen. „Als Schauspieler mussten wir dafür Sorgen tragen, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer ihre Sicht auf die Dinge nicht an den Figuren und deren Charakter festmachen,“ erklärt Susanne Wolff. Nana Neul ergänzt: „Uns allen war sehr wichtig, dass wir echte Menschen zeigen, dass man jede Perspektive nachvollziehen und sich mit jeder Figur identifizieren kann.“ So wirkt nicht nur das Bedürfnis von Katharinas Großeltern (ebenfalls stark: Ernst Stötzner und Victoria Trauttmansdorff) mit dem Enkel ein Stück der verstorbenen Tochter behalten zu wollen echt und nachvollziehbar, sondern auch die unerwartete Liebe, die Samenspender Wolfgang (Andreas Döhler) für ‚sein‘ Kind entwickelt und der er einen rechtlichen Rahmen geben will. Somit weigert sich der Film beharrlich in gute und böse Figuren zu unterteilen - nicht nur für die Macher und Macherinnen der schwierigere Weg, auch für das Publikum. Dessen Solidarität und Sympathie dürften im Laufe der Geschichte ständig schwanken, was der Komplexität des Themas angemessenen Ausdruck verleiht.

Haltung ohne Moralkeule

Eine weitere wichtige erzählerische Entscheidung liegt darin Ellens verstorbene Frau Katharina, genannt ‚Kiki‘, in Rückblenden durchgängig präsent zu halten. Britta Hammelstein spielt die Mutter und Musikerin nicht minder natürlich und stark als ihre Kollegin Susanne Wolff. Zudem sang Hammelstein Kikis Songs selbst ein und gibt den Rückblenden damit eine intime Emotionalität, die es dem Zuschauer erlaubt sich in die Tragödie der jungen Familie einzufühlen. Indem die Homosexualität der Eltern eine untergeordnete Rolle spielt, erscheint ihre ungleiche Behandlung vor dem Gesetz umso deutlicher und fragwürdiger. Wie „Unser Kind“ eine Haltung zu einem aktuellen gesellschaftspolitischen Thema einnimmt ohne moralisches Lehrstück zu sein und es schafft eine emotional derart aufgeladene Geschichte zu erzählen ohne in dramatisierende Eskalationen oder Klischees zu verfallen, macht den Film zu einer Ausnahmeerscheinung und vielleicht jetzt zu schon zu einem der besten Fernsehspiele des Jahres.


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