Film von Kirill Serebennikow "Der die Zeichen liest": Packendes Kino aus Russland

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Benjamin (großartig: Pyotr Skwortow) als bibelfundamentalistischer Unruhestifter an einer Schule.Benjamin (großartig: Pyotr Skwortow) als bibelfundamentalistischer Unruhestifter an einer Schule.

Osnabrück. "Der die Zeichen liest" von Kirill Serebennikow provozierte die russische Kirche und den Staat.

Die eigene Mutter? Ist eine Sünderin, denn sie ist geschieden und allein erziehend. Die Biologielehrerin? Muss eine Jüdin sein, denn sie lehrt die Darwin‘sche Evolutionstheorie. Und der Schwimmunterricht? Ist natürlich gotteslästerlich, weil die Mitschülerinnen Bikinis tragen. Benjamin, ein russischer Teenager, hat Gott für sich entdeckt und belegt seine fundamentalistischen Ansichten mit Bibelzitaten, fordert seine Umwelt heraus – bis es zur Katastrophe kommt. Entstanden nach einem Theaterstück des deutschen Dramatikers Marius von Mayenberg hat der russische Regisseur Kirill  Serebrennikow daraus ein packendes Stück Kino inszeniert. Meistens gedreht in dynamischen Plansequenzen, übt der Regisseur harte Kritik an Frömmelei und Fanatismus. Seine Kritik blieb nicht ohne Konsequenzen: Der offen schwule Serebennikow steht seit einem Jahr wegen angeblicher Fördergelder-Veruntreuung unter Hausarrest, wurde von der orthodoxen Kirche angefeindet und unter Putins Justiz angeklagt. Viele Künstler setzen sich seitdem für ihn ein - von Cate Blanchett über Volker Schlöndorff bis hin zu Elfriede Jelinek. Sein in Cannes, aber auch in Russland mehrfach ausgezeichneter Film ist damit ein aufrüttelndes aber  auch mutiges Meisterwerk.  

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Mittwoch, 7. November, Arte, 20:15 Uhr: "Der die Zeichen liest"

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