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„Hochzeit auf den ersten Blick“ Zweifelt Sat.1-Experte Markus Ernst an seiner Kuppelshow?

Markus Ernst sucht in der Sat.1-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“ seit fünf Jahren perfekte Paare.  Foto: Benedikt Müller/Sat.1Markus Ernst sucht in der Sat.1-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“ seit fünf Jahren perfekte Paare. Foto: Benedikt Müller/Sat.1
Benedikt Müller/Sat.1

Berlin. Markus Ernst stiftet für „Hochzeit auf den ersten Blick“ Ehen. In diesem Archivbeitrag nimmt er Stellung zur Kritik.

Zum fünften Mal stiftet die Sat.1-Kuppelshow „Hochzeit auf den ersten Blick“ rechtsgültige Ehen unter Unbekannten. Einer der Experten, die das Blind Date auf dem Standesamt mit wissenschaftlichen Tests vorbereiten, ist der Diplompsychologe Markus Ernst. Im Interview erklärt er, wieso eine Trefferquote 18 Prozent ein Erfolg ist, und äußert sich zur Kritik ehemaliger Kandidatinnen. Sat.1 zeigt die fünfte Staffel von „Hochzeit auf den ersten Blick“ ab dem 4. November 2018 immer sonntags um 17.30 Uhr. 

Herr Ernst, beim Sendestart von „Hochzeit auf den ersten Blick“ gehörte zum Experten-Team noch der „Innenarchitektur-Therapeut“ Uwe Linke; dessen zentrale Aufgabe – die Einschätzung der Kandidaten anhand der Inneneinrichtung – liegt inzwischen bei Ihnen. Wie haben Sie sich so schnell in den Bereich der „Wohnpsychologie“ eingearbeitet?

Ernst: Wer die Sendungen aufmerksam verfolgt hat, wird gemerkt haben, dass ich bei meinen Wohnungsbesuchen einen ganz anderen Fokus als Uwe Linke gelegt habe. Mir geht es darum, zu sehen, wie eine Person lebt: Handelt es sich um zum Beispiel einen sehr strukturierten Menschen? Kann sich jemand auf etwas einlassen oder sitzt er immer auf gepackten Koffern? Handelt es sich um einen sehr häuslichen Menschen oder dient die Wohnung fast nur als Schlafstätte? Das sind alles wichtige Aspekte, die mit in unsere Matching-Überlegungen einfließen und das Bild der jeweiligen Person nochmal im einen wichtigen Aspekt ergänzen. Ein wesentlicher Punkt ist für mich außerdem, dass ich bei den Wohnungsbesuchen Gelegenheit habe, mit Personen aus dem direkten Umfeld unserer Singles zu sprechen. Oft sind es Familienangehörige und enge Freunde, die meist sehr offen Auskunft geben. Der Abgleich dieser Fremdwahrnehmung des betreffenden Singles mit seiner Selbstwahrnehmung erlaubt weitere, oft sehr relevante Erkenntnisse.

Sie wirken wie ein Mensch, der sich hinter dem Bildschirm wohler fühlt als vor der Kamera. Haben Sie den Wechsel in die erste Reihe manchmal bereut?

Interessante Wahrnehmung, höre ich, ehrlich gesagt, so zum ersten Mal. Den Schritt vor die Kamera habe ich keine Sekunde bereut – ganz im Gegenteil: Ich war von Beginn an total überrascht, so viel positive Rückmeldungen zu erhalten. Die Arbeit im Expertenteam, mit den ganzen Singles, dem Produktionsteam und auch vor der Kamera macht mir riesengroßen Spaß. Übrigens von Sendung zu Sendung mehr. Die guten Quoten der Sendung motivieren natürlich auch noch mal ordentlich und fungieren auch als tolles Feedback für den eigenen Job.

Ganz weggefallen ist der geistliche Part im Experten-Team, den einmal der freikirchliche Pastor Martin Dreyer innehatte. Ist der Verzicht auf Seelsorge für Sie ein riskanter Verlust? Oder eher ein Zugewinn an Wissenschaftlichkeit?

Martin Dreyer hat in der ersten Staffel von „Hochzeit auf den ersten Blick“ einen tollen Job gemacht. Durch seinen Weggang ist es aber keineswegs zu einem Verzicht auf Seelsorge gekommen. Für unsere Singles und Paare ist es extrem wichtig, dass wir immer für sie da sind. Man darf nie vergessen, dass es sich um eine absolute Ausnahmesituation handelt, in der sich diese Menschen im Rahmen unseres Experiments befinden. Es können Zweifel aufkommen, alte Ängste. Meine beiden Kolleginnen, Dr. Sandra Köhldorfer und Beate Quinn, sind wie ich auch außerhalb von „Hochzeit auf den ersten Blick“ diesbezüglich fachlich bestens ausgerüstet, um unsere Singles und Paare umfassend zu betreuen. Diese persönliche Begleitung endet übrigens nicht mit dem Ende des Experiments oder einer Hochzeit. Ich denke, wir alle wissen um die große Verantwortung, die wir haben und tun alles, um der auch gerecht zu werden. Die überwiegende Mehrheit unserer Teilnehmer bestätigt uns das übrigens auch.

Sie sind bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ der Mann der Zahlen. Was macht eine Trefferquote von 17,6 Prozent zum Erfolg? 

Für den kritischen Außenstehenden klingt das verständlicherweise zunächst niedrig. Bedenkt man aber, dass wir aus einem großen Pool von Bewerbern Menschen auswählen, die einander nicht kennen und sich dann als Fremde auf dem Standesamt das Ja-Wort geben sollen, finde ich das Ergebnis nicht schlecht. Für mich persönlich lässt sich der Erfolg der Sendung auch nicht ausschließlich an der Zahl der Paare festmachen, die verheiratet bleiben. Selbst wenn es mit der Ehe nicht geklappt hat, uns aber Teilnehmer berichten, wie viel sie über sich erfahren haben und sich ihr Leben positiv verändert hat, ist das auch ein Erfolg. Außerdem darf man auch nicht vergessen, dass nicht jede gescheiterte Ehe unserer Paare gleichbedeutend mit einem schlechten Matching zu setzen ist. Wir können viel dazu sagen, wie gut die Basis zweier Menschen für eine langfristige und glückliche Beziehung ist und sind dabei natürlich in nicht unerheblichem Maß auf die Offenheit und Ehrlichkeit der Teilnehmer angewiesen. Auf die konkrete Beziehungsgestaltung und insbesondere die Bereitschaft, in die Partnerschaft zu investieren, haben wir dann nur noch wenig Einfluss.

Sat.1 zeigt immer wieder, wie Sie in der Expertenrunde Paare aus einer Handvoll Fotos miteinander kombinieren. Wie viel Augenmaß und Bauchgefühl erlaubt der Matching-Prozess von Sat.1?

Der gesamte Matching-Prozess bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ ist extrem umfangreich und erstreckt sich über einen langen Zeitraum. Wir Experten sind in dieser Zeit in permanentem Austausch, jeder lässt die Erkenntnisse aus seinem Arbeitsbereich ständig mit einfließen. Ich wünschte, der Zuschauer könnte einmal einen kompletten Einblick erhalten, wie viel Arbeit wir uns machen, bis wir am Schluss die Fotos zu Paaren kombinieren. Die Sendezeit ist naturgemäß begrenzt und wahrscheinlich würde die Mehrheit beim Anblick von Hunderten von Paarvergleichen auch eher abschalten, deshalb beschränken wir uns in der Sendung auf den für den Zuschauer interessanten Part. Die Wissenschaft ist für uns die Arbeitsgrundlage, Augenmaß und Bauchgefühl haben für mich aber ebenfalls einen hohen Stellenwert, gerade was die optische Passung unserer Singles angeht.

In Ihren Beratungen klingen auch unwissenschaftliche Erfahrungswerte an. Was stimmt wirklich: Ziehen Gegensätze einander an oder gesellen sich am Ende doch eher Gleich und Gleich?

„So viele Gemeinsamkeiten wie möglich, so viele Unterschiede wie nötig“ – das trifft es ganz gut. Gerade für unsere Paare, die sich zu Beginn absolut fremd sind, ist es wichtig, schnell Gemeinsamkeiten zu entdecken. So können sich am besten ein erstes Verbundenheitsgefühl und Nähe entwickeln. Wir wissen aber auch, dass bei bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen eine maßvolle Unterschiedlichkeit für eine langfristige Beziehung von Vorteil ist. Beispiel: Bei zwei Menschen, die beide extrem durchsetzungsfähig und wenig anpassungsbereit sind, wären permanente Konflikte fast vorprogrammiert. Hier wäre Gleichheit also eher kontraproduktiv.

In der letzten Staffel haben Sie ein Paar trotz eines großen Altersunterschieds und Dissonanzen bei Kinderwunsch und Religiosität zusammengeführt: Frank und Karin. Zur Sicherheit haben Sie die beiden offen in den Matching-Prozess einbezogen. Wirft das nicht das Kernversprechen der Sendung über den Haufen: dass allein die Wissenschaft entscheidet?

Bei Karin und Frank haben wir aus wissenschaftlicher Sicht eine gute Basis für eine langfristige Beziehung erkennen können – trotz gravierender Unterschiede im Lebensumfeld und einem relativ hohen Altersunterschied. Wir waren uns aber auch schnell einig, dass diese eher oberflächliche Unterschiedlichkeit den Kennenlernprozess zweier fremder Menschen negativ beeinflussen könnte. Deshalb sahen wir es als unsere Pflicht an, beide vor unserer Entscheidung an unseren Gedanken teilhaben zu lassen.

Das Expertengremium von „Hochzeit auf den ersten Blick“: Beate Quinn, Sandra Köhldorfer und Markus Ernst stiften für Sat.1 rechtsgültige Ehen. Foto: Benedikt Müller/Sat.1

Bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ treffen Sie als Wissenschaftler auf die Anforderungen eines Unterhaltungsformats. Dürfen Sat.1 oder die Produktionsfirma Redseven Ihre Expertise überstimmen und Paare gegen Ihren Rat zusammenbringen? Ist Ihnen womöglich schon reingeredet worden? 

Gerade dieser Spagat, wissenschaftliche Arbeit in ein attraktives, unterhaltendes Format zu integrieren, ist extrem spannend und macht großen Spaß. Schließlich verbinden die meisten Menschen mit Wissenschaft wahrscheinlich eher trockenes und langweiliges Zahlenwerk und der Bezug zur Realität gerät in den Hintergrund. Für mich ist die absolute Freiheit, die wir bei unserer Arbeit haben, extrem wichtig. Aus nachvollziehbaren Gründen gibt gewisse vorgegebene Ausschlusskriterien: So beziehen wir beispielsweise Bewerber mit kleinen Kindern oder sehr problematischen finanziellen Verhältnissen nicht in den Matching-Prozess mit ein. Ansonsten haben wir absolut freie Hand und keinerlei Vorgaben, weder vom Sender, noch von der Produktion.

Sat.1 zählt auch Vanessa und Peter zu den Erfolgsgeschichten. Tatsächlich haben die beiden sich erst nach der Ausstrahlung kennengelernt. Für ihr Glück mussten sie sich erst von den Partnern trennen, die Ihr Expertenteam ihnen zugeordnet hatte. Wieso haben Sie dieses perfekte Paar übersehen?

Wenn sich ein Single bei uns bewirbt, durchleuchten wir ihn aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Das Ziel ist hierbei immer, möglichst viel über einen Menschen herauszufinden, über seine Persönlichkeit, seine Vergangenheit und auch seine Vorstellungen und Wünsche. Wir erfragen zum Beispiel auch die Bereitschaft ab, für die große Liebe den eigenen Wohnort zu verlassen, also die Umzugsbereitschaft. Es wäre ein schlechter Start für eine Ehe, wenn eigentlich beide Partner lieber in ihrem Umfeld bleiben wollen, sie aber aus Flensburg, er aus Passau kommt. Wir nehmen diese Angaben sehr ernst und halten uns beim Matching daran. Vanessa und Peter hatten wir als Paar gar nicht im Bereich des Möglichen gesehen, da beide keine Umzugsbereitschaft signalisiert haben, die Wohnorte aber einige hundert Kilometer entfernt lagen. Dass die beiden jetzt glücklich miteinander sind und sogar schon Nachwuchs bekommen haben, freut mich aber riesig.

Peter erprobt sich auch als Schlagersänger. Haben Sie manchmal die Sorge, dass hier und da der Wunsch nach Publizität den nach einer Ehe überwiegt?

Bei jedem Fernsehformat werden sich auch Menschen bewerben, denen es in primär darum geht, einmal im Leben in der Öffentlichkeit zu stehen. Auch aus diesem Grund durchlaufen alle Bewerber, die an unserer Sendung teilnehmen wollen, einen sehr aufwendigen und für den einzelnen auch mühsamen Screening-Prozess. Spätestens im Rahmen der ausführlichen Einzelgespräche wird schnell deutlich, welche Motivation der Teilnahme zugrunde liegt. Peter war von Anfang an Feuer und Flamme für unser Experiment und hoch motiviert, so die große Liebe zu finden. Er ist einfach ein sehr extrovertierter Typ, der Gefallen daran gefunden hat, im Rampenlicht zu stehen. Für seine junge Schlagerkarriere wünsche ich ihm alles Gute!

Auf mich als Laien wirken die Balken-Diagramme, mit denen Sat.1 die „perfect matches“ illustriert, vergleichsweise grob. Vor allem im Vergleich mit den komplexen Persönlichkeitsprofilen, die Facebook und Google inzwischen anhand meiner Klicks erstellen. Warum ist Big Data für „Hochzeit auf den ersten Blick“ kein Thema?

Ich kann verstehen, dass die Diagramme zu den Matches vergleichsweise grob und etwas oberflächlich wirken mögen. Sie müssen sich vorstellen: Wir errechnen aus den psychologischen Tests viele hundert Einzelwerte pro Teilnehmer, dazu kommen die Ergebnisse aus den Einzelgesprächen und die Erkenntnisse aus den Wohnungsbesuchen und den Gesprächen mit Freunden und Bekannten der Singles. Naturgemäß müssen wir für die Sendung und den meist fachfremden Zuschauer die Ergebnisse verdichten.

„Hochzeit auf den ersten Blick“ polarisiert. Was sagen Ihnen Kollegen, die Sie ermuntern? Was sagen die sicher auch vorhandenen Kritiker in Ihrem Umfeld?

„Hochzeit auf den ersten Blick“ ist ein ungewöhnliches Format und jeder kann und soll sich seine eigene Meinung dazu bilden. Ganz ehrlich: Ich war überrascht, dass das Feedback aus dem Kollegenkreis überwiegend positiv war und hätte eigentlich mit mehr Gegenwind gerechnet. Positiv wird oft der mögliche Mehrwert für den Zuseher hervorgehoben, der sich vielleicht an der einen oder anderen Stelle selbst wiedererkennt und eigene Beziehungsmuster hinterfragt. Kritiker bezweifeln hin und wieder, ob es sich wirklich um echte Menschen handelt oder nicht doch Schauspieler, die bei uns die Ehe eingehen und fragen, ob sich die Paare vor der Hochzeit denn wirklich überhaupt nicht kennenlernen konnten. Die Antwort darauf ist: Nein, es sind mit Sicherheit keine Schauspieler und ja, sie kennen sich wirklich vor dem Ja-Wort nicht.

Etliche Kandidaten reden heute erbost über Sat.1, berichten von belastenden Scheidungsverfahren und Hasskommentaren im Internet. Lassen solche Rückmeldungen Sie an Ihrem TV-Engagement zweifeln?

Wir wollen festhalten, dass die große Mehrzahl der Teilnehmer von „Hochzeit auf den ersten Blick“ – egal ob glücklich verheiratet oder nicht – nach wie vor dem Experiment an sich und uns Experten sehr positiv und offen gegenübersteht. Mir ist aber auch bekannt, dass es ehemalige Teilnehmer gibt, die enttäuscht über den Verlauf ihrer Teilnahme sind und Schwierigkeiten haben, das Erlebte zu akzeptieren. Mir tut das Leid und es berührt mich auch. Unterschiedliche Menschen gehen sehr verschieden mit problematischen Lebenssituationen um. Für ein konstruktives, lösungsorientiertes Gespräch stand und steht die Produktion, aber auch wir Experten, immer zur Verfügung. Hasskommentare im Internet sind generell leider ein schreckliches und feiges Phänomen unserer Zeit, welches sich aus meiner Sicht zu einem echten gesellschaftlichen Problem entwickelt hat. Wer sich heutzutage in die Öffentlichkeit begibt, muss leider immer damit rechnen, von einzelnen Personen respektlos und abwertend behandelt zu werden. Wir nehmen das sehr ernst und klären unsere Teilnehmer sehr früh darüber auf, welche Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden und wie sie sich bestmöglich schützen können.

(Die Fragen wurden schriftlich beantwortet.)


Was ist und wann startet „Hochzeit auf den ersten Blick“?

In der Kuppel-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“ stiftet Sat.1 zum fünften Mal Ehen – auf Grundlage wissenschaftlicher Test. Ihren Idealpartner, den „perfect match“, treffen die Kandidaten dabei zum ersten Mal im Standesamt, wo sie vor laufender Kamera eine rechtsgültige Ehe schließen. Sat.1 begleitet die Paare dann beim Kennenlernen und in den meisten Fällen zugleich beim Scheitern ihrer Beziehung. Drei von bislang 17 Paaren sind derzeit noch verheiratet, das entspricht knapp 18 Prozent. Für Sat.1 ist die Eigenproduktion ein Erfolg: Zuletzt erreichte das Format 2,11 Millionen Zuschauer ab drei Jahren und 16 Prozent der umworbenen 14- bis 49-Jährigen. Die fünfte Staffel von „Hochzeit auf den ersten Blick“ zeigt Sat.1 ab dem 4. November 2018 immer sonntags um 17.30 Uhr. 

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