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„Hochzeit auf den ersten Blick 2018“ Sat.1-Expertin Quinn: Männer brauchen nicht Sex, sondern Liebe

Beate Quinn sucht in der Sat.1-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“ seit fünf Jahren perfekte Paare. Foto: Benedikt Müller/Sat.1Beate Quinn sucht in der Sat.1-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“ seit fünf Jahren perfekte Paare. Foto: Benedikt Müller/Sat.1
Benedikt Müller/Sat.1

Berlin. Bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ (Sat.1) stiftet Beate Quinn Ehen. In diesem Archivbeitrag nimmt sie Stellung zur Show.

Zum fünften Mal stiftet die Sat.1-Kuppelshow „Hochzeit auf den ersten Blick“ rechtsgültige Ehen unter Unbekannten. Eine der Expertinnen, die das Blind Date auf dem Standesamt mit wissenschaftlichen Tests vorbereiten, ist die Paar- und Sexualtherapeutin Beate Quinn. Im Interview redet Sie über sexuelle Missverständnisse als Trennungsgrund und antwortet auf die Kritik unzufriedener Kandidaten am Format. Sat.1 zeigt die fünfte Staffel von „Hochzeit auf den ersten Blick“ ab dem 4. November 2018 immer sonntags um 17.30 Uhr. 

Frau Quinn, Sie sind bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ die Frau fürs Intime. Was sind die häufigsten erotischen Missverständnisse an denen Beziehungen scheitern?

Quinn: Grundsätzlich entstehen Missverständnisse durch eine kommunikative Störung. Gerade wenn es zum Thema Sex kommt, hören die meisten Paare leider auf zu kommunizieren oder sprechen bereits von Anfang an nicht wirklich offen. Dabei könnte gerade zu Beginn einer Beziehung vieles erklärt und geklärt werden. Dazu müssen wir aber offen, ehrlich und authentisch kommunizieren. Der häufigste Missstand – und damit die häufigste Ursache, warum Beziehungen scheitern – ist die sexuelle Unlust. Männer sind enttäuscht, weil Frauen keine Lust haben, und Frauen fühlen sich meist unter Druck gesetzt. Der Konflikt hinter dem Konflikt wird aber nicht verstanden: Männer brauchen nicht unbedingt den Sex, aber was sie brauchen ist der Liebesbeweis, der für sie dahintersteckt. Die Intimität ist für den Mann ein Zeichen, dass die Frau ihnen nah sein will. Dass er etwas Besonderes für sie ist. Frauen fühlen sich oftmals unter diesem Druck nicht um ihrer selbst gesehen. Für sie wirkt es so, als wären sie ein Sexobjekt und sie haben das Gefühl, dass auf ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht eingegangen wird.

Wie schaffen Sie eine Atmosphäre, in der ein Mensch offen über sein Sexualleben Auskunft gibt? Bei Sat.1 entbinden die Kandidaten entbinden Sie von Ihrer Schweigepflicht. Aber macht die Kamera nicht gerade Ihre Gespräche völlig unbrauchbar?

Natürlich ist mir bewusst, dass es für viele Singles eine enorme Herausforderung ist, über intime Details mit jemand fast völlig Fremden zu sprechen. Das ist auch in meinem regulären Praxisalltag zu Beginn nicht anders. Deshalb nähere ich mich dem Thema langsam an und lade die Singles dazu ein, sich ihrer Sexualität, ihrer Intimität, alleine und schriftlich anzunähern und mir in dieser Form ihr ideales sexuelles Szenario zu beschreiben. Hierbei handelt es sich um ein persönliches sexuelles Profil in Essay-Form, in dem mir die Bewerber ihre Vorstellung erfüllter Intimität mitteilen – mit sexuellen Wünschen, Vorlieben und persönlicher Orientierung. Die Bewerber wissen, dass wir die Informationen absolut vertraulich behandeln und nicht öffentlich diskutieren. In den persönlichen Gesprächen bekomme ich dann ein Gespür dafür, inwieweit ich bestimmte Themen auch vor der Kamera besprechen kann und darf. Nach den gefilmten Gesprächen versichern wir uns bei jedem Single, was ausgestrahlt werden darf und was nicht. Daran halten wir uns strikt! Nach den Dreharbeiten führe ich noch weitere klärende und intime Gespräche mit den Singles unter vier Augen, um mein Bild für die Person und seine oder ihre Wünsche und Bedürfnisse weiter zu schärfen.

Einen Kandidaten, dessen Wohnung eine Art Star-Wars-Spielzimmer war, haben Sie mal gefragt, ob er heimlich von einem Dreier träumt. Seine Antwort war etwa: Er wäre schon froh, mit einer Frau zu schlafen. Sind solche Überraschungsfragen ein psychologischer Kniff, um Ihr Gegenüber aus der Reserve zu locken? Oder haben Sie den Mann einfach falsch eingeschätzt?

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Menschen in Parallelwelten aufhalten und dort bestimmte Fantasien ausleben. Mein Bestreben ist es, mit dem Teilenehmer gemeinsam sein Wunschszenario möglichst klar zu beschreiben und damit eine Basis für ein gutes Match auf sexueller Ebene zu schaffen. Aber natürlich möchte ich bei manchen Fragen auch ein Gefühl bekommen, wie die Singles auf meine Fragen reagieren. Der Inhalt der Antwort spielt dann oft eine untergeordnete Rolle.

Gerade Ihre Gespräche werden gewiss nur in einer behutsamen Auswahl gezeigt. Könnten Sie abstrakt ein paar Fälle skizzieren, wo Sie aufgrund der erotischen Präferenzen dringend für oder gegen ein Matching votiert haben?

Ein sehr krasses Beispiel ist, wenn zum Beispiel jemand auf SM steht und diese Vorliebe 80 Prozent seiner Sexualität ausmacht. Dann können wir ihn nicht mit einem Partner matchen, der zu 90 Prozent sehr romantischen Sex bevorzugt. Aber es gibt auch sexuelle Vorlieben, Präferenzen, aber auch Abneigungen, die für manche Singles essentieller Bestandteil ihrer Sexualität sind und auf die sie auch nicht verzichten möchten. Das müssen wir ganz klar beachten, sonst sind Probleme und Enttäuschung vorprogrammiert.

Etliche Kandidaten reden heute erbost über Sat.1, berichten von belastenden Scheidungsverfahren und Hasskommentaren im Internet. Lassen solche Rückmeldungen Sie an Ihrem TV-Engagement zweifeln?

Nein.

Eine Kandidatin wirft Sat.1 und der Produktionsfirma Redseven vor, sie gezielt als Hassfigur aufgebaut zu haben. Haben Sie es auch schon erlebt, dass Ihr eigenes Bild der Kandidaten von dem ausgestrahlten abgewichen ist?

Nein. Meinem Eindruck nach zeigen wir die Singles authentisch und mit allen Facetten ihrer Persönlichkeit.

Ein Format wie „Hochzeit auf den ersten Blick“ polarisiert. Was sagen Ihnen Kollegen, die Sie ermuntern? Was sagen die sicher auch vorhandenen Kritiker in Ihrem Umfeld?

Wie bei allen Themen in dieser Welt gibt es Fürsprecher und Gegner. Ich höre mir gerne Kritik an und reflektiere. Aber am Ende des Tages muss ich mit mir und meiner Arbeit im Reinen sein und das bin ich.

(Die Fragen wurden schriftlich beantwortet.)

Das Expertengremium von „Hochzeit auf den ersten Blick“: Beate Quinn, Sandra Köhldorfer und Markus Ernst stiften für Sat.1 rechtsgültige Ehen. Foto: Benedikt Müller/Sat.1


Was ist und wann startet „Hochzeit auf den ersten Blick“?

In der Kuppel-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“ stiftet Sat.1 zum fünften Mal Ehen – auf Grundlage wissenschaftlicher Test. Ihren Idealpartner, den „perfect match“, treffen die Kandidaten dabei zum ersten Mal im Standesamt, wo sie vor laufender Kamera eine rechtsgültige Ehe schließen. Sat.1 begleitet die Paare dann beim Kennenlernen und in den meisten Fällen zugleich beim Scheitern ihrer Beziehung. Drei von bislang 17 Paaren sind derzeit noch verheiratet, das entspricht knapp 18 Prozent. Für Sat.1 ist die Eigenproduktion ein Erfolg: Zuletzt erreichte das Format 2,11 Millionen Zuschauer ab drei Jahren und 16 Prozent der umworbenen 14- bis 49-Jährigen. Die fünfte Staffel von „Hochzeit auf den ersten Blick“ zeigt Sat.1 ab dem 4. November 2018 immer sonntags um 17.30 Uhr. 

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