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Heute Abend im ARD-Programm Grandioser Tatort „Blut“ aus Bremen: Vampir an der Weser

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Fulminanter Auftritt: Lilith Stangenberg spielt die blutrünstige Nora Harding, die mit ihrem Ziehvater Vater Wolf (Cornelius Obonya) in einem abgedunkelten Haus lebt. Foto: Radio Bremen/Christine SchröderFulminanter Auftritt: Lilith Stangenberg spielt die blutrünstige Nora Harding, die mit ihrem Ziehvater Vater Wolf (Cornelius Obonya) in einem abgedunkelten Haus lebt. Foto: Radio Bremen/Christine Schröder

Osnabrück. Halloween steht vor der Tür und der Tatort neigt in letzter Zeit ohnehin zu Ausflügen in irreale Gruselwelten. Da liegt ein Vampir-Tatort geradezu auf der Hand. Das Bremer Team Inga Lürsen (Sabine Postel) und vor allem Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) brennt sich heute Abend mit „Blut“ ins Gedächtnis der Zuschauer.

Nicht erschrecken, auch wenn die ersten Bilder gruselig sind. Am Anfang ist’s nur ein Film im Film. Drei Mädels räkeln sich auf der Couch, schlickern Popcorn und gucken einen Horrorstreifen. „Kranker Scheiß“ meint die eine dazu, und die andere fragt: „Hast Du mal wieder was von Deiner Irren gehört?“   


Der vorletzte Fall für die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen)ist ein ganz besonderer. Foto: Radio Bremen/Christine Schröder


Tief in der Nacht machen sich Anna (Lilly Menke) und Julia (Lena Kalisch) auf den Heimweg. Kurz nachdem sich ihre Wege getrennt haben, setzt der reale Horror ein: Julia wird von einer jungen Frau – der „Irren“ – überfallen und in übelster Vampir-Manier zu Tode gebissen. Ihre Kehle ist völlig zerfetzt, das Gesicht der Täterin blutverschmiert. Julia hört noch die Schreie, eilt zum Tatort, sieht das Grauen und flüchtet sich völlig traumatisiert in einen Abwasserkanal.

Puh, so heftig hat’s uns lange kein Tatort mehr in den ersten zehn Minuten gegeben – da könnte im Fernsehsessel schon mal die eine oder andere Verspannung auftreten. Mögen die Handlung und so mancher Dialog auch ein bisschen schlicht daherkommen – der Spannungsaufbau ist exzellent und fesselt von der ersten bis zur letzten Minute.  


Ein Notruf geht bei der Bremer Polizei ein, zu hören sind Hilferufe. Kurze Zeit später wird in einem Park die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die massiven Verletzungen am Hals der Toten stellen die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) vor ein besonderes Rätsel: War etwa ein Vampir am Werk? Foto: Radio Bremen/Christine Schröder


Da hat der mehrfach ausgezeichnete Philip Koch, der nicht nur Regie führte, sondern auch unter Mitarbeit von Holger Joos das Drehbuch schrieb, ganze Arbeit geleistet. Sein Krimi hat im wahrsten Sinne des Wortes Biss, ist so brutal spannend wie wunderbar spooky und hat auch in Sachen Kameraführung, Musik und Ton etliche Highlights zu bieten. Auch wenn regelmäßige Konsumenten von Horrorfilmen sich vielleicht schlapplachen werden – das Tatort-Publikum hat so einen Krimi lange nicht oder vielleicht noch nie gesehen. Wobei sich „Blut“ nur ganz selten mal ein Augenzwinkern gönnt.

Der Zuschauer kennt seinen Vampir von der Weser ziemlich bald: Die junge Nora (brillant dargestellt von Theaterstar Lilith Stangenberg) lebt zusammen mit ihrem sterbenskranken Ziehvater in einem abgedunkelten Haus – weil sie natürlich kein Sonnenlicht verträgt. Als sie schließlich Kommissar Stedefreund ihre Zähne in den Hals rammt, wird der Film für ihn zum Horrortrip.   


Was ist passiert? Anna Welter (Lilly Menke) hat den Mord beobachtet und steht unter Schock. (rechts Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen). Foto: Radio Bremen/Christine Schröder


Stedefreund-Darsteller Oliver Mommsen ist begeistert von diesem Film. Er habe schon nach der Lektüre des Drehbuchs „nur laut Jippih a yeah geschrien“, sagt der 49-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich liebe die Tatorte in denen ordentlich an der Schraube gedreht wird.“ Die Folge „Blut“ sieht er in einer Reihe mit Ulrich Tukurs Shakespeare-Tatort „Im Schmerz geboren“ und der Bremer Folge „Scheherazade“ (2005), in der es um nicht weniger als die Weltverschwörung ging.

Vor allem Lilith Stangenberg als vermeintlicher Vampir Nora hat es Mommsen angetan: „Ich liebe die Szenen in denen Lilith ihre ungezügelte Wildheit rauslässt und einen mit ihrer Kraft umhaut, um sich Sekunden später sofort dafür zu entschuldigen - ganz nach dem Motto ,Ups, da sind wohl meine Superkräfte mit mir durchgegangen‘.“  


Unzertrennlich und aufeinander angewiesen: Nora (Lilith Stangenberg) und ihr Vater Wolf Harding (Cornelius Obonya). Foto: Radio Bremen/Christine Schröder


Ähnlich hoch her geht es offenbar in Mommsens und Postels letztem Bremer Tatort, den sie in dieser Woche abgedreht haben. „Sabine und ich haben jeden Tag genossen und Bremen hat uns die ganz große Spielwiese ausgebreitet, auf der wir noch mal ein richtiges feuerwerk abfackeln dürfen,“ verriet Mommsen und zeigte sich im Rückblick „mächtig stolz“ darauf, 18 Jahre lang Teil „eines sehr mutigen Tatorts“ gewesen zu sein. In Bremen wurde noch nie Dienst nach Vorschrift geleistet. Wir haben uns immer etwas getraut und man konnte immer gespannt sein was die Bremer diesmal anstellen würden. Das verdanken wir zu großen Teilen unserer Redakteurin Annette Strelow, die die Ideen zugelassen hat, und dem Hammerteam, das dann den Wahnsinn in die Tat umsetzte.“

Tatort: Blut. Das Erste, Sonntag, 28. Oktober 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 6 von 6 Sternen


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