Wie Wähler über soziale Medien manipuliert werden Mit Datenanalyse an die Spitze

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Gelungen sei Donald Trumps Wahlerfolg unter anderem durch die detaillierte Analyse von Wählerdaten, erläutert Thomas Huchon in seiner Dokumentation. Foto: Getty ImagesGelungen sei Donald Trumps Wahlerfolg unter anderem durch die detaillierte Analyse von Wählerdaten, erläutert Thomas Huchon in seiner Dokumentation. Foto: Getty Images

Osnabrück. Wie es Donald Trump gelungen ist, mit gezielter Datenanalyse die Präsidentschaftswahl 2016 zu gewinnen, zeigt Thomas Huchon eindringlich in seiner Dokumentation.

Die Worte sind knapp, aber deutlich: Donald Trump sei der große Zerstörer der Demokratie, sagt eine Expertin über die Methoden, mit denen der 45. Präsident der Vereinigten Staaten und sein Team, die Wahl im November 2016 gewonnen haben.

Der Satz fällt gegen Ende der fast einstündigen Dokumentation, die nicht nur aufzeigt, wie die Daten in die Hände – oder besser gesagt in die Computer des Wahlkampfteams – geraten sind. Sie macht auch deutlich, wie diese Informationen eingesetzt wurden, um das Zünglein an der Waage unschlüssiger Wähler zu sein und sie dahin zu bewegen, Trump zu wählen.

Zudem erläutert sie das Netzwerk um Donald Trump, das ihm half, sich durchzusetzen. Namentlich: der menschenscheue Hedge-Fonds-Milliardär und Informatiker Robert Mercer, der seine massive finanzielle Unterstützung für Trump geschickt verschleierte. Dessen Gehilfe Steve Bannon, der von 2012 bis August 2016 die Website Breitbart News Network leitete – und dann ins Beraterteam Donald Trumps wechselte. Bannon war vom Amtsantritt Trumps im Januar 2018 bis August des Jahres dessen Chefstratege im Weißen Haus.

Donald Trump hatte zunächst keinen Grund gesehen, sich von Camebridge Analytica in seinem Wahlkampf unterstützen zu lassen, so heißt es. Doch der Brexit und die Strategien, die diese Entscheidung beeinflusst haben, sollen ihn laut Film zum Umdenken bewegt haben.

Huchon belegt das mit dem Aufzeigen von Netzwerken und dem Abgleich von Daten und Kontoständen. Um Interviews habe er sich bemüht, erläutert der französische Journalist und Regisseur. Dass er dafür von Menschen wie Bannon und Mercer keine Zusage erhalten hat, verwundert nicht weiter. Huchon hat sich die Antworten auf seine Fragen an anderer Stelle geholt – so suchte er sie beispielsweise in der Ausrichtung von Projekten und Firmen, in die Robert Mercer investiert hat. Sie verdeutlichen eine geradezu reaktionäre Sicht auf die Welt.

Wohl niemand hört gern, dass er manipulierbar ist. Thomas Huchon aber zeigt in seinem Film eindringlich, welche Daten Firmen wie Cambridge Analytica sammeln und wie sie anschließend gezielt auf Menschen zugehen, um sie dazu zu bewegen, ihr Kreuzchen bei der Wahl hinter dem Namen ihres Auftraggebers zu machen. Der Film bleibt damit nicht bei der Analyse der Hintergründe stehen, sondern zeigt ganz konkret die Mittel der Beeinflussung auf – die offenbar erfolgreich waren.

Netzwerke wie Facebook geben solchen Firmen die Instrumente dafür quasi direkt in die Hand. Dafür müssen ihre Daten noch nicht einmal gehackt werden. Es geht durch die geöffnete Tür: Mit so genannten Dark Posts. Das sind Nachrichten, die wie ganz normale Beiträge aussehen – die aber gezielte Werbebeiträge sind, die nur für bestimmte Nutzer sichtbar sind. Wer diese Posts bekommt, wird zuvor mithilfe persönlicher Daten ermittelt. So können unterschiedliche Gruppen mit jeweils passendem Ton, Stil und Inhalt angesprochen werden. Zu sehen sind Dark Posts nur während eines bestimmten Zeitraums. Danach verschwinden sie wieder und sind für den Nutzer nicht mehr auffindbar. In der Timeline erscheinen sie nie.

Ursprünglich galten solche Dark Posts als schlichtes Mittel des Marketings. Inzwischen haftet ihnen ein zweifehafter Ruf an: Im Kampf um Wechselwähler sollen politische Gruppen strategisch Fake News per Dark Post verbreiten.

Nüchtern und sachlich platziert Thomas Huchon die Ergebnisse seiner Recherche und verdreifacht dadurch die Effekte. Der Filmemacher zeigt, wie schnell Informationen – und Desinformation – im Internet viral werden, wie sie viele Menschen erreichen, die sich nicht einmal manipuliert, sondern lediglich informiert fühlen.

Vor allem legt der Film mindestens einen Finger in eine derzeit sehr große Wunde: Die der Tatsache nämlich, dass Interessengruppen, die manipulieren wollen, einen erschreckend großen Vorsprung vor der Gesetzgebung haben, die uns eigentlich vor dem Missbrauch unserer Daten schützen sollte.

Fake America great again. Wie Facebook und Co. die Demokratie gefährden. 9. Oktober, 20.15 Uhr, Arte


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