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RTL-Show "Darf er das?" Nach Sexismus-Kritik: RTL schneidet Show von Chris Tall um

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"Darf er das?"-Show: Chris Tall  glaubt nicht an Tabus – und spielt mit Bodyshaming und Homophobie. Foto: MG RTL D / Stefan Gregorowius"Darf er das?"-Show: Chris Tall glaubt nicht an Tabus – und spielt mit Bodyshaming und Homophobie. Foto: MG RTL D / Stefan Gregorowius

Berlin. Nach der Debatte um Bodyshaming und Homophobie: RTL schneidet Chris Talls Show "Darf er das?" um.

Am Wochenende zeigt RTL Chris Talls  "Darf er das"?"-Show (Samstag, 23.35 Uhr, erste von sechs Folgen). Dabei will der Komiker "ein für alle Mal klären, wie weit man heutzutage gehen kann". Schon in der Ankündigung scheint er sich verschätzt zu haben. Bei Twitter werden Szenenfotos der Programmvorschau als homophob und als frauenfeindliches Bodyshaming kritisiert.

Worum geht's in der Debatte?

Die Fotos zeigen Chris Tall bei Studiospielen mit zwei Gästen, dem Komiker Markus Krebs und Hendrik Duryn, Hauptdarsteller der RTL-Serie "Der Lehrer". Auf dem ersten betrachten die drei Männer eine Frau auf dem Podium; ein Schild gibt dazu die Quizfrage vor: "Schwanger oder dick?". Auf einem zweiten wird ein Mann daraufhin begutachtet, ob er schwul aussieht. Ausgrenzung unter dem Vorwand der Pointe: Das ist der Tenor der Kritik, die auf Twitter unter anderem auf einen Beitrag von Ricarda Lang folgte, der Bundessprecherin der Grünen Jugend.


"Darf er das?" Humor in der Tabuzone

Gags über Minderheiten sind bei Chris Tall Programm. Bekannt wurde der 27-Jährige durch Auftritte in Stefan Raabs "TV total", in denen er gezielt gegen humoristische Tabus antrat. Wer auch über sich selbst lacht, darf über alle lachen, lautet seine These: Ausgegrenzt werde nur dort, wo keine Gags über Behinderte oder Schwarze gemacht werden. Sprach's und haute eine Baumwollpflücker-Pointe raus. Für Aufmerksamkeit sorgte auch ein Holocaust-Wortspiel mit dem eigenen Namen: "Lasst uns die Bude abfackeln – jetzt ist Chris-Tall-Nacht!“, soll der Komiker laut  "Kölner Stadtanzeiger" im letzten Herbst zu Beginn einer Live-Show gerufen haben. (Mehr zum Thema: So denkt Micky Beisenherz über das Verhältnis von Humor und Tabu)



Was sagt RTL zur Empörung?

RTL nimmt zur der Aufregung bislang keine Stellung; die Bitte um eine Vorab-Kopie der Sendung schlägt der Sender mit dem Hinweis aus, sie sei noch nicht fertiggestellt. Chris Tall selbst beschränkt sich bei Facebook auf ein Zwinker-Smiley mit dem Hinweis: "Es ist nicht immer alles, wie es scheint." Womöglich ist alles also nur ein Marketing-Gag. Immerhin hatte die Redaktion von rtl.de sich selbst noch empört, als das "Dick oder schwanger"-Spiel vor einem Jahr Teil einer niederländischen Show war. Vielleicht gelingt es Chris Tall sogar, eine dicke Frau über ihren eigenen Körper zum Lachen zu bringen – weil er selbst ja schließlich auch dick ist. Die Naivität, mit der er sich sonst der Enttabuisierung von Sklaverei und Völkermord widmet, lässt allerdings nichts Gutes erwarten. Womöglich werden die Studiospiele also genau das, nach dem sie aussehen: Die Definition von Dick- oder Schwulsein als Abweichung von einer wie auch immer gearteten Norm – über die sich Chris Tall, Markus Krebs und Hendrik Duryn als Experten irgendwie einig werden.


Nachtrag: RTL schneidet Chris-Tall-Show um

Im Laufe des Tages reagiert RTLdoch noch auf die Debatte und schneidet die Show um. Via twitterte meldete der Sender: "In der Show geht es um den Unsinn von Vorurteilen im Alltag, auf die Chris Tall hinweisen will. Er ist Comedian und spielt damit. Da es nun im Vorfeld schon zu Missverständnissen kommt, werden wir entsprechende Elemente aus der Sendung nehmen. Danke für den Hinweis."






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