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Ab heute Abend in der ARD Hochkarätige Ausnahmeserie "Babylon Berlin" im Ersten

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Nachts tritt die undurchsichtige Russin Swetlana Sorokina (Severija Janusauškaité) als charismatischer Sänger Nikoros im Moka Efti auf. "Babylon Berlin". Das Erste, ab Sonntag, 20.15 Uhr. Foto: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric BatierNachts tritt die undurchsichtige Russin Swetlana Sorokina (Severija Janusauškaité) als charismatischer Sänger Nikoros im Moka Efti auf. "Babylon Berlin". Das Erste, ab Sonntag, 20.15 Uhr. Foto: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier

Osnabrück. Lange erwartet und nun endlich im Ersten – die vielfach preisgekrönte Serie „Babylon Berlin“ feiert ab Sonntag, 20.15 Uhr, nun auch im frei empfangbaren Fernsehen seine Premiere. Das bildgewaltige Mammutwerk von unter anderem Tom Tykwer muss wirklich keine internationalen Vergleiche scheuen.

Der Sonntagabend im Ersten gehört dem Krimi. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Sollte trotzdem einmal kein „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“ das Wochenende beenden, dann ist entweder Fußballweltmeisterschaft oder es ist etwas sehr Schlimmes passiert.

Diesen Sonntag jedoch wird alles anders. Dann startet endlich die in Koproduktion mit dem Pay-TV-Sender Sky entstandene Mammutserie „Babylon Berlin“ auch im frei empfangbaren Fernsehen. Eine Serie, die für deutsche Produktionsverhältnisse jeden bisher dagewesenen Aufwand sprengt und geradezu nach Superlativen verlangt.

40 Millionen Euro sollen die 16 Episoden der ersten beiden Staffeln gekostet haben. Damit wäre eine 45-minütige Episode „Babylon Berlin“ ungefähr doppelt so teuer wie ein 90 Minuten langer „Tatort“. Was auch der Grund dafür ist, dass der Pay-TV-Anbieter Sky ordentlich mitfinanziert hat und die Erstausstrahlungsrechte vor bereits einem Jahr in Anspruch nehmen durfte.

Kompromissloser Aufwand

Der Aufwand hat sich gelohnt. Optisch, dramaturgisch und darstellerisch liefert die im Jahre 1929 angesiedelte Produktion einen für deutsche TV-Gewohnheiten vollkommen neuen Standard. Tom Tykwer, der gemeinsam mit Henk Handloegten und Achim von Borries für das Drehbuch und die Regie verantwortlich zeichnet, lässt hier keine Kompromisse zu. Von den detailgetreuen Kulissen bis zu den Kostümen, von der Maske bis zu den Spezialeffekten – hier kann alles bis ins letzte Detail mit internationalen Qualitätsproduktionen mithalten.

Natürlich kommen aber auch bei „Babylon Berlin“ Krimi-Fans auf ihre Kosten. Nur dass hier eben ein historischer Krimi aus dem Jahre 1929 vor dem Hintergrund der wirren Zeit des Scheiterns der Weimarer Republik episch ausgebreitet wird. Eine fiktive Geschichte vor realem Hintergrund.

Gewalt, Korruption und Vertuschung

„Babylon Berlin“ folgt dem ersten Gereon-Rath-Roman „Der nasse Fisch“ aus der Feder von Volker Kutscher trotz einiger kleinerer Abweichungen sehr originalgetreu. Im Mittelpunkt der Handlung steht Kriminalkommissar Gereon Rath (Volker Bruch), der von Köln nach Berlin versetzt wird, um einem Erpresserring auf die Schliche zu kommen. Dabei lernt der vom Ersten Weltkrieg psychisch deformierte Rath recht bald nicht nur das ausschweifende Nachtleben der Metropole kennen, sondern gerät auch in einen Strudel aus Gewalt, Korruption und Vertuschung, dessen politische Ausmaße dem unpolitisch agierenden Rath kaum bewusst werden.

Im Laufe der nicht genehmigten 1. Mai-Demonstranten erschoss die Berliner Polizei mehr als 30 unbewaffnete Zivilisten. "Babylon Berlin". Das Erste. Ab Sonntag, 30. September, 20.15 Uhr.


Zahlreiche historische Ereignisse und Figuren jener ereignisreichen Zeit bilden den historischen Rahmen für eine Erzählung aus einer verblassten Vergangenheit. So steht der Berliner Blutmai mit seinen über 30 von der Polizei willkürlich erschossenen Zivilisten als ein prägender Handlungsstrang im Mittelpunkt des Geschehens. Aber auch gesellschaftspolitische Widersprüche wie der Gegensatz zwischen Arm und Reich, die hilflose Rolle der gemäßigten Parteien zu jener Zeit, die Folgen des Ersten Weltkriegs sowie die Rolle Berlins als Schmelztiegel, Sündenpfuhl und Schauplatz zahlreicher brutaler Auseinandersetzungen bilden ein äußerst fesselndes Gerüst für das opulente Sittengemälde. Manche Ereignisse weisen beängstigende Parallelen zu unserer Gegenwart auf.

Berlin heimliche Hauptdarstellerin

Neben der Stadt Berlin als heimlicher Hauptdarstellerin klotzt die Produktion mit einer ganzen Reihe handverlesener Schauspieler, die ein herausragendes Ensemble bilden. Dazu zählen Matthias Brandt, Mišel Matičević, Jördis Triebel und Fritzi Haberlandt, um nur einige Namen zu nennen. Ganz besonders jedoch stechen Liv Lisa Fries und Peter Kurth in ihren Rollen hervor. Fries in ihrer widersprüchlichen, aber mit wunderbarerer Leichtigkeit gespielten Rolle der Charlotte Ritter, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt, nachts feiern und anschaffen geht und als Stenotypistin bei der Polizei einen Job als Kriminalassistentin bei der Mordkommission anstrebt. Und Kurth in seiner wuchtigen Rolle als kantiger, undurchschaubarer Oberkommissar mit einer sadistischen Ader.

Fans der Serie dürfen sich bereits auf eine dritte Staffel freuen. Und wer von der TV-Serie nicht genug bekommen kann, hat ab dem 30. September die Möglichkeit, sich über die App der „ARD Audiothek“ mit der Hörspielserie „Der nasse Fisch“ zu versorgen. An der Produktion von Radio Bremen, WDR und RBB sind unter anderem Ulrich Noethen und Peter Lohmeyer als Sprecher zu hören, unterstützt vom WDR-Funkhausorchester für den passenden Soundtrack.

Im TV: „Babylon Berlin“. Das Erste, Sonntag, 30. September, 20.15 Uhr, Folgen 1-3. Danach jeweils donnerstags um 20.15 Uhr.

„1929 – Das Jahr Babylon“. TV-Doku. Das Erste, Sonntag, 30. September, 22.45 Uhr.

Online in der ARD Mediathek: Folgen 1-8 (30. September bis 18. Oktober). Folgen 9-16 (18. Oktober bis 15. November).


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