Doku und Spielfilm über "Mosi" BR-Doku und ARD-Spielfilm über Rudolph Moshammer

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Hannelore Elsner als Mutter von Rudolph Moshammer (Thomas Schmauser) in "Der große Rudolph". Foto: WDRHannelore Elsner als Mutter von Rudolph Moshammer (Thomas Schmauser) in "Der große Rudolph". Foto: WDR

Osnabrück. Am 17.9. um 22 Uhr zeigt der BR die Doku „Lebenslinien: Rudolph Moshammer - Was vom Traum geblieben ist“.

Filme über reale Persönlichkeiten sind Publikumsmagneten, erzählen sie doch vermeintlich bislang Unveröffentlichtes über Prominente. Gleichzeitig steckt bei den sogenannten Biopics immer der mitunter belastende Vergleich zum Original mit im Gepäck. Das bietet wiederum Fernsehsendern die Möglichkeit ein Thema gleich zweifach zu bearbeiten, im Spielfilm und in einer zugehörigen Dokumentation. So zeichnet das BR-Format „Lebenslinien“ am heutigen Abend um 22 Uhr in der Ausgabe „Rudolph Moshammer - Was vom Traum geblieben ist“ das Leben von „Mosi“ mit bewegenden Interviewpassagen nach. Allein: diese Ausschnitte stammen aus einer älteren Ausgabe von „Lebenslinien“. Zusammen mit Interviews am Set von „Der große Rudolph“, den Das Erste am 19. September um 20.15 Uhr ausstrahlt, und wenigen neu produzierten Bildern ergibt das einen Beitrag, der ein bisschen wirkt, als habe man rasch noch etwas Dokumentarisches zu Moshammer anbieten und irgendwie eine Dreiviertelstunde füllen müssen. Details wie der Unterschied zwischen Gepard und Leopard geraten da im Sprechertext schon einmal durcheinander. 

Doku oder Fiction?

Trotzdem ist die Doku für diejenigen Zuschauer, die keine eingefleischten Moshammer-Kenner sind, eine gute Vorbereitung auf „Der große Rudolph“, eben weil der kein klassisches Biopic ist und nicht Moshammers gesamtes Leben abdeckt. Die Familientragödie etwa, die den Modemacher zu seinem karitativen Engagement bewegte, wird im Spielfilm nur angedeutet. „Lebenslinien“ wird hier seinem Reihentitel vollends gerecht. Die Interviewpassagen, in denen Rudolph Moshammer die Zustände in seiner Familie schildert, gehören zu den stärksten Momenten. Im direkten Vergleich zum echten Mosi wirkt der von Thomas Schmauser gespielte Moshammer in „Der große Rudolph“ ohne diese Leidensgeschichte leider irgendwie flach. Das Traurige im Charakter des exaltiert auftretenden Promis schimmert zwar immer wieder durch. Verstehen kann man den großen Rudolph aber nicht so recht. Es ist fast, als habe man vor den unbequemen Fragen nach dem Privatleben, die in der Doku feinfühlig formuliert werden, im Spielfilm zurückgeschreckt und sich aus Rücksicht - oder Scheu vorm Boulevardesken - auf den distanzierten Blick der Gesellschaftssatire zurückgezogen. Doch die Münchner Schickeria wirkt aus heutiger Sicht so weit weg, dass der erzählerische Sprengstoff des kritischen Blicks auf die 1980er verpufft.

Original oder Satire?

Dass ein Biopic immer betonen muss Fiktion und nicht Dokumentation zu sein führt im Fall Moshammer zu der seltsamen sprachlichen Verrenkung den Spielfilm als „angelehnt an das Leben des 2005 verstorbenen Modemachers Rudolph Moshammer“ anzukündigen. Die von Thomas Schmauser dargestellte Hauptfigur ist immerhin so sehr an den echten Rudolph Moshammer angelehnt, dass sie aussieht wie er und auch so heißt. Wer also die Doku - oder die realen Hintergründe aus anderen Quellen - kennt, wird sich wohl dabei ertappen immer zu vergleichen, als handle es sich beim Spielfilm um eine Hausaufgabe, in der ein historischer Text zu interpretieren sei. Damit kein falscher Eindruck entsteht: „Der große Rudolph“ ist kein schlechter Film. Tolle Schauspieler, allen voran Hannelore Elsner als Mutter Moshammer, tolle Bilder, mitunter lustige und skurrile, aber auch sanfte und nachdenkliche Szenen. Was uns das Gesamtprodukt sagen soll, bleibt allerdings unklar. So nah, so selbstinszenierungsfreudig und schillernd wirkt der echte Rudolph Moshammer noch, dass seine Filmversion dagegen schwer ankommt. Abschließend sei dem Einsteiger empfohlen, sowohl die Doku als auch den Spielfilm zu schauen. Der echte Moshammer-Fan hingegen, dem der Inhalt von „Lebenslinien“ bekannt sein dürfte, möge sein eigenes Urteil über „Der große Rudolph“ fällen - oder gar nicht erst einschalten und das Original unverfälscht in Erinnerung behalten.


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