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Sonntagabend im ARD-Programm Tatort „Tiere der Großstadt“ aus Berlin: Kotztüte Karow

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Karow (Mark Waschke) und Assistent Tim Steinke (Tim Kalkhof) fragen sich, ob eine manipulierte Kaffee Nadel im Kaffeeroboter das Opfer umbrachte. Wenig später bekommt der Assi eine gebaltte Wutattacke des Kommissars ab. Foto: rbb/Conny KleinKarow (Mark Waschke) und Assistent Tim Steinke (Tim Kalkhof) fragen sich, ob eine manipulierte Kaffee Nadel im Kaffeeroboter das Opfer umbrachte. Wenig später bekommt der Assi eine gebaltte Wutattacke des Kommissars ab. Foto: rbb/Conny Klein

Osnabrück. Der Tatort kommt an diesem Sonntag aus Berlin. In „Tiere der Großstadt“ geht es um zwei sonderbare Todesfälle. Zudem inszeniert Regisseur Roland Suso Richter die Kommissare höchst unterschiedlich: Rubin (Meret Becker) als dünnhäutige Dauerläuferin und Karow (Mark Waschke) als cholerische Kotztüte.

So schnell war im Tatort der Titel noch nie im Bild: Gleich die erste Sequenz zeigt eine Hauptverkehrsstraße – und eine Rotte Wildschweine, scheinbar auf dem Weg zu einer Bushaltestelle. Wo? Mitten in Berlin. Nahe der Gedächtniskirche. „Tiere der Großstadt“ eben. Aber was machen die in einem Tatort? Sie zählen zu den Verdächtigen.

Überhaupt bekommen es die Kommissare Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) es diesmal mit höchst sonderbaren Todesfällen zu tun. Zunächst wird in einer gläsernen Box am Ku’damm der Betreiber des darin befindlichen Kaffeeverkaufs-Roboters tot aufgefunden. Etliche Indizien weisen auf die Maschine als Täter hin.  


Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) analysieren die 24 Stunden-Blutdruckmessung von Kathrin Menke. Foto: rbb/Conny Klein


Und dann wird in einem Waldstück die Leiche einer Joggerin entdeckt. Ein Gewaltverbrechen kann schnell ausgeschlossen werden. Stattdessen finden sich in einer tiefen Wunde am Oberschenkel der Toten Haare eines Wildschweins. Ein Roboter und wilde Tiere als „Mörder“?

Drehbuchautorin Beate Langmaack dazu im Presseinfo: „In diesem Tatort treffen zwei Ur-Ängste aufeinander: Die Angst vor der zerstörerischen Wucht der Natur und die Angst vor einer Zukunft, in der Maschinen, die nur noch von wenigen Spezialisten beherrschbar sind, uns massiv manipulieren. Und sogar Menschen gefährden und töten können.“  


Rechtsmedizinerin Nasrin Reza (Maryam Zaree) will Karow (Mark Waschke) mit einem charmanten Trick zum Abendessen verführen - und blitzt ab. Foto: rbb/Conny Klein


Roland Suso Richter hat aus diesem Stoff einen durchaus sehenswerten Krimi mit starken Bildern und leisen Tönen gemacht, der von elektronischen Klangexperimenten des Soundtüftlers Nils Frahm unterlegt ist. Einen Film, der sich immer dann besonders viel Zeit nimmt, wenn er seine stärksten Momente hat. Auch wenn’s gelegentlich arg konstruiert und artifiziell wirkt.

Dennoch: Wenn Rubins Sohn seine Mutter zum Tatort chauffiert und die sich dabei aufführt wie die Mutter aller Beifahrer-Albträume, ist das herrlich schmückendes Beiwerk. Und wenn Karow, der sich im Kollegenkreis aufführt wie eine cholerische Kotztüte, ein beinahe schon poetisches Gespräch mit einem alten Mann führt, der seine Wohnung nicht mehr verlässt und aus seinem „Zwischenreich“ mit dem Fernglas den Ku’damm im Auge behält, hat dieser Film einen schönen stillen Moment. Da kann man es dann etwas verschmerzen, dass der Regisseur seine Kommissarin ständig durch die Berliner Wälder joggen lässt, was so gar nicht zu deren bisherigen Erscheinungsbild passt.  


Fast schon poetisch: Albert (Horst Westphal) berichtet Karow (Mark Waschke) von seinen Beobachtungen. Foto: rbb/Conny Klein


Auch Roland Suso Richter spricht von einem „stillen, fast schon poetischen Tatort“, den er als „sinnliches Aufeinandertreffen von Natur, Technik und der wunderbaren Musik von Nils Frahm“ habe inszenieren wollen. Wunderbar fängt er auch in starken Bildern (Kamera: Max Knauer) die Atmosphäre im Zentrum des alten Berliner Westens rund um den Bahnhof Zoo, Gedächtniskirche und Ku’damm ein. Sehenswert.  


Die Natur-Bloggerin Charlie (Stefanie Stappenbeck) findet im Wald die tote Joggerin Carolina Gröning (Tatiana Nekrasov). Foto: rbb/Conny Klein


Tatort: Tiere der Großstadt. Das Erste, Sonntag, 16. September 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 5 von 6 Sternen


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