Reihe über die Zeit zwischen den Weltkriegen „Krieg der Träume“: Geschichte mit Zeitzeugen vermitteln

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die überzeugte Sozialistin Edith Wellspacher (Roxane Duran) tritt nach dem Studium eine Stelle als Frauenärztin in Wien an. Foto: Jürgen RehbergDie überzeugte Sozialistin Edith Wellspacher (Roxane Duran) tritt nach dem Studium eine Stelle als Frauenärztin in Wien an. Foto: Jürgen Rehberg

Osnabrück. Es waren 20 Jahre zwischen zwei Weltkriegen: Wie Zeitgenossen die Spanne von 1918 bis 1938 erlebt haben, zeigt die Reihe „Krieg der Träume“.

„Der Zeitzeuge ist der Feind des Historikers“, lautet ein häufig zitiertes Bonmot. Etwas in der Rückschau zu beurteilen, scheint einfach. Wohin „das alles“ führte, ist im Anblick des Resultats schließlich bekannt. Was die Zeit selbst aber denjenigen bedeutet, die in ihr leben und was sie – ohne zu wissen, was die Zukunft bringen wird – zu bestimmten Handlungen veranlasst, kann eine ganz andere Sache sein. Die internationale Produktion „Krieg der Träume“ widmet sich dieser Ebene.

Sie erzählt die Schicksale von 14 Kindern, Frauen und Männern aus neun Nationen vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Basis für die Filme sind deren Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Memoiren. Anhand ihrer Hoffnungen und Ängste, ihrer Entscheidungen und Lebenswege soll die achtteilige Reihe die Geschichte Europas mit ihrer Widersprüchlichkeit nicht nur verdeutlichen, sondern erlebbar machen.

Wie schnell beispielsweise durch die Veränderung äußerer Umstände eine Position kippen kann, wird anhand von Hans Beimler (Jan Krauter) erzählt. In der ersten Folge versucht er als Marine-Soldat in einer Kneipe ein Stück Linzer Torte für seine Liebste zu bestellen, und nimmt diese schließlich vom Tisch der Offiziere. Dafür wird er vom Kapitän seines Minensuchbootes degradiert. Nach der Kapitulation Deutschlands kippt das Verhältnis der beiden. „Sie haben kein Schiff mehr“, sagt Beimler in einer der letzten Szenen mit seinem ehemaligen Vorgesetzten. Beimler wird später eines der Gründungsmitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), er sitzt für die Partei als Abgeordneter im Reichstag, wird 1934 ausgebürgert und später politischer Kommissar des „Thälmann-Bataillons“ im Spanischen Bürgerkrieg. 1938 wird er in Madrid getötet.

Gedreht in Luxemburg, Frankreich, Belgien und Deutschland stellen Schauspieler die Szenen nach, die durch Originalfotos und Filmsequenzen aus der Zeit ergänzt werden. So entsteht ein geradezu plastisches Bild von den einstigen Ereignissen. Und das nicht nur auf der Ebene der Soldaten, sondern auch auf der von anderen Funktionsträgern und Privatpersonen.

Edith Wellspacher (Roxane Duran) beispielsweise arbeitet nach ihrem Medizinstudium an einem Wiener Krankenhaus als Frauenärztin – und setzt sich dabei zum Schutz der Patienten auch mal über das Gesetz hinweg. Als Verlobte eines jüdischen Assistenzarztes lässt sie sich auf eine Affäre mit ihrem Kollegen Bert Springer ein, obwohl er Anhänger der Faschisten ist. Welche Folgen es für die Sozialistin hat, den Nationalsozialismus zu verachten, zeigt vor allem die achte Folge der Reihe, die den Titel „Verrat“ trägt. Die erste Folge steht unter dem Stichwort „Überleben“, es schließen sich die Beiträge an wie „Frieden“, „Revolution“ und „Crash“ bis hin zur abschließenden Folge „Krieg“.

Die Reihe „Krieg der Träume“ führt die Geschichte einiger Protagonisten aus dem Doku-Drama „14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs“ fort, die ebenfalls von Jan Peter und Gunnar Dedio entwickelt bzw. produziert wurde. Zu sehen ist beispielsweise Marina Yurlova (Natalia Witmer). Sie hat als Kindersoldatin bei den Kosaken im Ersten Weltkrieg gekämpft. Später machte sie als Tänzerin in den USA Karriere. Erzählt wird auch die Geschichte von Pola Negri (Michalina Olszanska), die als Schauspielerin in Stummfilmen berühmt wurde.

Interessant wird die Reihe – die Menschen aus Frankreich, Deutschland, Polen, Österreich, Schweden, Großbritannien, Italien und der Sowjetunion porträtiert, nicht nur durch den Einblick in Einzelschicksale und Hintergründe. Es werden vor allem auch Parallelen zur jetzigen Situation in Europa deutlich.

Vertieft werden sollen diese Eindrücke durch ein Begleitprogramm, zu dem auch das Buch „Kometenjahre. 1918. Die Welt im Aufbruch“ von Daniel Schönpflug gehört. Es gibt Ausstellungen in London, Brüssel und Potsdam, wo das Potsdam Museum ab dem 28. September eine umfangreiche Werkschau zeigt mit dem Titel „Umkämpfte Wege der Moderne. Wilhelm Schmid und die Novembergruppe“. Und das Salzburger Landestheater zeigt das Stück „Krieg der Träume“, das auf den Drehbüchern der Fernsehreihe basiert.

Krieg der Träume, ab 11. September, 20.15 Uhr, Arte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN