Kritik zur ersten Folge Fort Boyaaard! Ross Antony kreischt durch die Game-Show

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Willkommen im Fort Boyaaaaard! Ross Antony schreit sich durch die Sat.1.-Show. Foto: Sat.1/Willi WeberWillkommen im Fort Boyaaaaard! Ross Antony schreit sich durch die Sat.1.-Show. Foto: Sat.1/Willi Weber

Berlin. Wie gut ist die Neuauflage der Sat.1-Show "Fort Boyard"? Wir haben die erste Folge schon gesehen.

Sat.1 reaktiviert einen Klassiker: Am Mittwoch startet nach Jahren eine neue Staffel der Spielshow "Fort Boyard". (5. September 2018, ab 20.15 Uhr.) Ist die erste Folge so gut, um das "Bachelorette"-Finale zu schwänzen? 

Morgen Abend um 20:15 Uhr geht‘s endlich los! #fortboyard

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Ross kreischt durch Folge eins 

„Fort Boyard“ kehrt ins deutsche Fernsehen zurück. Wer bei Sat.1 reinzappt, kann es nicht überhören: Die erste Folge nämlich prägt Ross Antony mit schrillem Dauergeschrei. Erst hängt der Sänger und Dschungelkönig am Bungee-Seil. („Ahhhhhh!“). Dann muss er zur Schatzsuche in die Geisterbahn („Quiiiek!“) und wird mitsamt einer Telefonzelle in die Luft katapultiert. („Oh my goooood!“) Ross ächzt und stöhnt sogar, wenn er zum Geschicklichkeitsspiel antritt. Und das, obwohl er vorgewarnt sein sollte: Als der Game-Show-Klassiker vor sieben Jahren zum letzten Mal lief, hat er auch schon mitgemacht.  (Wer hat das reale Fort Boyard gebaut? Die rätselhafte Geschichte der Festung)

Wer ist der Lord Boyard?

Ross Antony ist einer von fünf Promi-Kandidaten, die sich in der ersten Folge von „Fort Boyard“ kunterbunten Kraft-, Geschicklichkeits- und Ausdauerspielen stellen. Im Team sammelt er mit Kollegen wie Sarah Lobardi, Julius Brink und Jochen Schropp erst Schlüssel, dann Hinweise, die ihnen im Finale helfen, das Gold des „Lord Boyard“ zu plündern – ein zauselbärtiger Greis, der nur in vorproduzierten Clips auftaucht, dem Format aber trotzdem seine verschmockte Rahmengeschichte liefert.

Seit 1990 läuft „Fort Boyard“ in Dutzenden Ländern der Welt; in Deutschland mit gewaltigen Pausen: In nicht mehr vier Staffeln wurde die Action-Game-Show hier auf nicht weniger als drei Sendern erprobt. Genug, um als Marke im Gedächtnis zu sein. Viel zu wenig, um als Erfolg zu gelten. Das könnte der Neuauflage zum Verhängnis werden: Um für das leicht aus der Zeit gefallene „Fort Boyard“ zu begeistern, reicht die Nostalgie womöglich nicht aus. (Termine, Fakten, Kandidaten: Alles zum "Fort Boyard"-Revival)

Entertainment wie bei "Indiana Jones"

Alles wirkt ein bisschen historisch, angefangen beim Pomp: Tiger, Schlagen, Schattenkrieger – die Kulisse bietet alles, was ein Abenteuer-Set zur Boom-Ära der „Indiana Jones“-Filme aufbieten musste. Zum festen Cast gehören dabei auch zwei Kleinwüchsige: Passe-Partout (André Bouchet) und Passe Temps (Anthony Laborde) führen als Handlanger des Lords durch den Show-Parcours. Trotzdem bleiben sie, auch weil sie offenbar kein Deutsch sprechen, bessere Statisten. Hier wird Potenzial verschenkt: Als langjährige Darsteller auch der „Fort Boyard“-Versionen anderer Länder könnte man die beiden ruhig intensiver einbinden. Doktor Bob aus dem Dschungelcamp versteht schließlich auch nur Englisch. (Wir legen uns fest: Alex siegt im "Bachelorette"-Finale)

Trotz Gefängnisinsel: Keine Container-Show

Games statt Gossip: In seinen vier neuen „Boyard“-Folgen schickt Sat.1 Bachelor-Kandidaten, Ex-Boygroup-Sänger und Dschungelbewohner in Mannschaftstärke ins Fort. Schlagzeilenträchtigen Skandale werden von ihnen aber nicht erwartet. Zumindest in der ersten Folge treibt Moderator Matthias Killing seine Promis so atemlos von Spiel zu Spiel, dass für Gezänk überhaupt keine Zeit bleibt. Während selbst Reality-Formate wie die „Bachelorette“ heute auf Action-Challenges setzen, verzichtet „Fort Boyard“ umgekehrt auf alle Möglichkeiten des Reality-TV.

Ein bisschen mehr Persönlichkeit dürfte man den Kandidaten aber schon zugestehen – zumal der Schwestersender Pro Sieben mit „Global Gladiators“ doch gerade demonstriert, dass man ein Miteinander unter Extrembedingungen auch ohne Häme unterhaltsam inszenieren kann. Das „Fort Boyard“ mag ein Gefängnis sein, eine Container-Show wird die Show deshalb aber nicht. Dazu passt auch, dass die Kandidaten für den guten Zweck spielen; den Gewinn der ersten Ausgabe bekommen die SOS-Kinderdörfer. Noch so einen Geste aus Zeiten, in denen Promis noch nicht von den Preisgeldern ihrer TV-Shows leben mussten.


Wer tritt in den kommenden "Fort Boyard"-Folgen an?

Lange hat Sat.1 ein Geheimnis um die Kandidaten der Show gemacht. Zum Auftakt steht die Gästeliste fest. Diese Stars treten in den vier Folgen der fünften Staffel an: 

„Fort Boyard“ am 5. September:

  •  Sarah Lombardi, 
  • Nina Moghaddam, 
  • Jochen Schropp, 
  • Julius Brink, 
  • Ross Antony. 

„Fort Boyard“ am 12. September:

  • Mario Basler, 
  • Sarah Knappik, 
  • Jürgen Milski, 
  • Carina Spack, 
  • David Odonkor. 

„Fort Boyard“ am 19. September:

  • Oliver Pocher, 
  • Fabian Hambüchen, 
  • Evil Jared, 
  • Fernanda Brandão, 
  • Jessica Paszka. 

„Fort Boyard“ am 26. September:

  • Thorsten Legat,  
  • Sebastian Fobe,  
  • Linda Hesse,  
  • Evelyn Burdecki,  
  • Eloy de Jong. 

„Fort Boyard“: Sat.1 zeigt die vier Folgen der Staffel ab dem 5. September mittwochs ab 20.15 Uhr.


On-off-Show: Die deutsche Programm-Geschichte von „Fort Boyard“

Im deutschen Fernsehen stellt „Fort Boyard“ ein Kuriosum dar – als TV-Klassiker, der zwar seit drei Jahrzehnten immer mal wieder präsent war, aber sich trotzdem nie vollkommen durchsetzen konnte. Sat.1 übernahm die von Jacques Antoine und Jean-Pierre Mitrecey entwickelte Show im Winter 1990/91, ein halbes Jahr nach der französischen Erstausstrahlung. Nach einer Staffel war Schluss. Neun Jahre dauerte es, bis Pro Sieben im Jahr 2000 eine Neuauflage wagte – nun mit Promi-Kandidaten statt mit Laien. In dieser Version brachte „Fort Boyard“ es immerhin auf zwei Staffeln. 2011 machte Kabel 1 noch einen Versuch. Im September 2018 kommt der Neustart auf Sat.1.

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