Ganze Folge zum Nochmal-Sehen Hans Beimer ist tot – und die "Lindenstraße" in Bestform

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Hans Beimers allerletzte Sekunden: In Folge 1685 ("Die Ruhe nach dem Sturm") verabschiedet die "Lindenstraße" Joachim Lugers Figur in einer meisterlichen Folge mit Live-Musik aus dem Rundfunksaal. Im Bild: Anna (Irene Fischer), Hans (Joachim Luger) und Helga (Marie-Luise Marjan). Foto: WDR/Steven MahnerHans Beimers allerletzte Sekunden: In Folge 1685 ("Die Ruhe nach dem Sturm") verabschiedet die "Lindenstraße" Joachim Lugers Figur in einer meisterlichen Folge mit Live-Musik aus dem Rundfunksaal. Im Bild: Anna (Irene Fischer), Hans (Joachim Luger) und Helga (Marie-Luise Marjan). Foto: WDR/Steven Mahner

Berlin. Meister-Episode der "Lindenstraße": Hans Beimer stirbt, und der WDR macht alles richtig. Hier geht's zur ganzen Folge.

Wer beim Abspann der 1685. Folge der "Lindenstraßen" nicht weinte, hat kein Herz. Helga, Anna und Hans sitzen nass und erschöpft in einer Waldhütte. Gerade haben sie ein heftiges Unwetter überstanden: Jeweils das Schlimmste befürchtend, hatten die drei einander im Wald verloren. Nun atmen sie auf und blicken in den aufklarenden Abendhimmel:  "Was für ein Happy End", sagt Helga. "Das ist kein Ende. Das ist erst der Anfang", antwortet Hans – schläft im Sitzen ein und stirbt friedlich zwischen den beiden Frauen, mit denen er sein Leben teilte. Die Kamera fährt rückwärts hoch, betrachtet das Trio aus der Himmelfahrtsperspektive und das WDR-Funkhausorchester gibt Hans Beimer live ein letztes Geleit. Adieu, du alter Hansemann! Und Hut ab vor diesem großartigen Fernsehmoment! Am Ende der Kritik können Sie die ganze Folge noch einmal sehen.  ("Lindenstraßen"-Nekrolog: So starben Benny, Else Kling und die anderen)



Die "Lindenstraße" hat alles richtig gemacht

Schon immer hat die Seifenoper der ARD sich –  mit tagesaktuellen Dialogen, realen Web-Seiten der fiktiven Figuren – als experimentierfreudige Fernsehwerkstatt gezeigt. Bei der Abschiedsfolge für den zentralen Helden spielt der WDR diese Stärke voll aus. Die Episode beginnt im Großen Sendesaal, von wo aus das Funkhausorchester die Episode mit einem Livekonzert begleitet. Das Erste begeht den Moment in aller Größe, die eine ARD-Anstalt zu bieten hat. Auch in der Episode selbst spielt der Konzertsaal eine Rolle: Am Anfang gewinnt Helga Beimer Karten für eine Klavier-Matinee. Und weil sie ausgerechnet Hans mitnehmen will, der aus Unlust aber eine Wanderung in die Länge zieht, kommt es zu dem Zusammentreffen im Wald, bei dem Helga, Hans und Anna sich im Gewitter suchen und finden. (So reagiert Twitter auf den Tod von Hans Beimer)

Beste Melodramatik: Joachim Luger und Irene Fischer in der Todesfolge von Hans Beimer. Foto. WDR/Steven Mahner


Folge 1685: Ein "Lindenstraße"-Abend der Gänsehaut-Momente

Aus der Grundsituation entwickeln die Autorin Catrin Lüth und Dominikus Probst, Regisseur und Ehemann der Anna-Darstellerin Irene Fischer, einen Gänsehaut-Moment nach dem anderen. Und das schon, bevor es ans Eingemachte geht: Weil Hans gerade eine Reise zum Jakobsweg vorbereitet, sprechen seine Lieben Videobotschaften für ihn ein – und geben dem Sterbenden damit schon ihre Abschiedsworte mit. 

Im Wald intensiviert sich dann alles: Helgas unruhige Ahnungen, im Wind zitternde Zweige und die plötzliche Dunkelheit des Gewitters schaffen eine fast naturmystische Stimmung der Gefahr – in der Probst in toller Melodramatik mit dem Vorwissen der Zuschauer  spielt. Durch die Ankündigung, dass der Held am Ende stirbt, hat hier alles zwei Ebenen. Die Worte von Hans zum Beispiel, der einmal zu Helga sagt: "Ich kann dich nicht zurücklassen." Oder Annas verzweifeltes Rufen nach ihrem Mann, das ihren Schmerz über den nahenden Verlust vorwegnimmt. Man wünscht sich eine abendfüllende Version dieser 30 Minuten, in der das Suchen, Verschwinden und Wiederfinden im Wald dreimal so lang ist. 

Ein letztes Mal das große Beziehungsdreieck: Helga, Anna, Hans

Mit der Folge 1685 beendet die "Lindenstraße" auch einen Kernkonflikt der 33 Seifenoper-Jahre: das Liebesdreieck von Hans, Helga (23 Jahre seine Frau) und Anna (26 Ehejahre). Bevor das Drehbuch dem Trio "Die Ruhe nach dem Sturm" gönnt (so der Episodentitel), wird alles noch einmal verdichtet durchgespielt: Helga klammert am Hansemann, der zürnt, strampelt sich frei und findet – in einer Slowmotion-Sequenz, die Helga in die Unschärfe verbannt – ein letztes Mal in Annas Arme. Das war Hans Beimers Leben, Lieben und Leiden. Nun ist es vorbei, und in seinen letzten Sekunden versöhnt er sich für alle Zeit mit sich selbst. "Ich spüre die Anstrengung gar nicht mehr", sagt er, bevor er den Blick in die unsterbliche Schönheit des Abendhimmels hebt. Hans Beim kriegt ein Ende, das sich jeder wünschen würde. Der WDR hat alles richtig gemacht. 







Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN