Im ARD-Programm Hitchcock in hell: Der Tatort „Borowski und das Haus der Geister“

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Das neue Team in Kiel: Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) schicken eine Suchstaffel über das Gelände der Voigts. Foto: NDR/ChristineDas neue Team in Kiel: Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) schicken eine Suchstaffel über das Gelände der Voigts. Foto: NDR/Christine

Osnabrück. Der Tatort kam an diesem Sonntag aus Kiel. In „Borowski und das Haus der Geister“ gibt Almila Bagriacik ihren Einstand als neue Ermittlerin Mila Sahin an der Seite von Axel Milberg.

Sibel Kekilli als Sarah Brandt ist raus aus dem Kieler Tatort, an diesem Sonntag stellt der NDR eine neue Ermittlungspartnerin von Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) vor. Auf die richten sich normalerweise alle Augen, doch diesmal muss das Publikum sich gedulden. Die von Almila Bagriacik dargestellte Mila Sahin taucht erst nach 28 Minuten zum ersten Mal auf – da ist Borowski schon knietief in einen Fall verstrickt, in dem er wegen Befangenheit eigentlich gar nicht ermitteln dürfte.  (So war der letzte Borowski-Tatort)

Die Antwort auf die Frage, warum dieser Krimi „Borowski und das Haus der Geister“ heißt, lässt nicht lange auf sich warten. Eine Frau wacht in den frühen Morgenstunden in ihrem Bett auf, geht durchs Haus – und entdeckt auf der Treppe eine weibliche Leiche. Doch die ist ziemlich untot, sie blickt die Frau plötzlich an, hebt den Arm. Als die Frau panisch in ihr Schlafzimmer zurückrennt und die Tür hinter sich verschließt, baumelt dort ein Strick mit Schlinge und Henkersknoten von der Decke. Eine Aufforderung zum Suizid? Manch ein Zuschauer könnte sich an Hitchcocks „Rebecca“ erinnert fühlen.  


Anna Voigt (Karoline Schuch) fühlt sich vom Spuk in die Enge getrieben. Foto: NDR/Christine Schroeder


Diese Frau, Anna Voigt, hervorragend dargestellt von Karoline Schuch, hat eine Geschichte, die sich mit der des Kommissars berührt. Sie ist die neue Partnerin von Borowskis langjährigem Freund Frank (Thomas Loibl), einem früheren Richter und jetzigen Krimiautor, der mit Anna und seinen beiden Töchtern aus erster Ehe auf dem Land vor den Toren Kiels lebt.

Franks Ex-Frau Heike ist vor vier Jahren spurlos verschwunden, Borowski hatte sich ausgerechnet in sie verliebt, seinen Freund des Mordes bezichtigt und vor Gericht gebracht – doch am Ende stand ein Freispruch. Und nun hat Grete, eine der beiden Töchter Franks, den Kommissar in einem Brief um Hilfe gebeten, streitet aber ab, diesen Brief jemals abgeschickt zu haben.

Sommerlich statt düster

Als Borowski das Anwesen der Voigts schon wieder verlassen will, bittet ihn Anna, doch über Nacht zu bleiben. Offenbar hat sie große Furcht in dem vermeintlichen Geisterhaus. Damit nimmt ein Film seinen Ausgang, der eigentlich mit jeder Faser seiner Erzählung nach Düsternis verlangt, von Elmar Fischer aber in sommerlich frischen und hellen Farben gehalten wird.  


Die Voigts (Karoline Schuch, Thomas Loibl, Emma Mathilde Floßmann, Mercedes Müller) diskutieren mit Klaus Borowski (Axel Milberg) das damalige Verschwinden von Heike. Foto: NDR/Christine Schroeder


Der Regisseur erklärt den scheinbaren Widerspruch damit, dass er die Zuschauer überraschen wollte: „Wie können wir diese Ästhetik, der ja mittlerweile auch ein Klischee innewohnt, brechen? Ist es vielleicht sogar eindringlicher, die Bedrohung in eine sommerliche, farbige Visualität zu legen? Wir wollten das ganz bewusst und offensiv angehen. Wir drehen im Sommer, die Sonne scheint, die Natur steht in voller Pracht – und der Grusel steckt in jeder Blüte und summt in jeder Biene mit.“

Erst nach einer halben Stunde kommt die Neue ins Spiel: Mila Sahin (Almila Bagriacik) hat sich eine Woche vor ihrem eigentlichen Dienstantritt in Kiel schon mal in ihrem künftigen Büro zu schaffen gemacht. Und einen Boxsack an die Decke gehängt, den Sie Borowski und dem verdutzten Dienststellenleiter als „Walter, mein Kumpel und Coach“ vorstellt. Kurze Zeit später ist sie mittendrin im Fall, in dem Borowski eine sonderbar wirklichkeitsfremde Rolle spielt.  (Almila Bagriacik ist die Neue an Borowskis Seite) 


Frank Voigt (Thomas Loibl) und Kriminalkommissarin Sahin (Almila Bagriacik) geraten aneinander. Foto: NDR/Christine Schroeder


Denn für den Kommissar führt die Reise immer tiefer in die Vergangenheit. So lernt das Tatort-Publikum zum ersten Mal seine Ex-Frau, die Ballettlehrerin Gabrielle (Heike Trinker) kennen, die Borowski „Gaby“ nennt. Damals, als mit Frank und ihm noch alles stimmte, waren die beiden Paare befreundet. Damals, als der mittlerweile ziemlich einsame Wolf noch bis über beide Ohren verliebt war, schickte er Gabrielle einen Durchsuchungsbefehl für ihren Körper. Heute versucht er sie als U-Boot ins Haus der Voigts einzuschleusen, um an Informationen zu kommen.  


Klaus Borowski (Axel Milberg) befragt seine Ex-Frau Gabrielle (Heike Trinker) zum Verschwinden der gemeinsamen Freundin Heike. Foto: NDR/Christine Schroeder


Mila Sahin, die Neue, wird in diesem Fall eher beiläufig eingeführt. Fast könnte man meinen, Drehbuchautor Marco Wiersch habe bei der Arbeit noch gar nicht gewusst, dass es eine neue Kommissarin vorzustellen gibt. Dennoch macht deren Auftritt und vor allem ihre Darstellerin Lust auf mehr. Denn Almila Bagriacik hält diese Mila Sahin für „die coolste Sau der Welt“, wie sie im Interview mit unserer Redaktion sagt.  (Hier gibt's das ausführliche Interview mit Almila Bagriacik)


Mila Sahin (Almila Bagriacik) ahnt, dass die Familie ein Geheimnis verbirgt. Foto: NDR/Christine Schroeder



Der Tatort hingegen erreicht für Borowski-Verhältnisse allenfalls Mittelmaß, was ja im Vergleich zu anderen Krimis gar nicht schlecht ist. Wenn sich der Kommissar allerdings als Geisterbeschwörer betätigt, ist das ganz sicher einer der gruseligsten Momente dieses Tatorts.


Tatort: Borowski und das Haus der Geister. Das Erste, Sonntag, 2. September 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 4 von 6 Sternen


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