Neue Anwaltsserie im Ersten Die blinde Anwältin Pamela Pabst wird zur Serienheldin

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Pamela Pabst (l.) ist das Vorbild für die Serienfigur der blinden Anwältin Romy Heiland, gespielt von Lisa Martinek.Pamela Pabst (l.) ist das Vorbild für die Serienfigur der blinden Anwältin Romy Heiland, gespielt von Lisa Martinek.

Osnabrück. In der neuen ARD-Serie „Die Heiland - Wir sind Anwalt“ spielt Lisa Martinek eine blinde Strafverteidigerin.

Ein Blick in die Unschärfe. Schon der Beginn der neuen Anwaltsserie „Die Heiland - Wir sind Anwalt“, benannt nach der Hauptfigur Romy Heiland, macht klar, dass man hier nicht weniger will als die Welt aus der Sicht eines blinden Menschen zu erzählen. Vorbild für die von Lisa Martinek sehr überzeugend dargestellte Strafverteidigerin ist die Berliner Anwältin Pamela Pabst, Ausgangspunkt für die Serie ihre 2015 erschienene Biografie „Ich sehe das, was ihr nicht seht“. 

„Ich bin seit 2007 Anwältin, die erste von Geburt an blinde Strafverteidigerin in Deutschland,“ erzählt Pabst im Gespräch mit unserer Redaktion. „Da gab es von Anfang an sehr viel Medieninteresse. Durch einen Artikel in der ‚Zeit‘ ist die Ghostwriterin Shirley Seul auf mich aufmerksam geworden und wollte über mich schreiben.“ In den Gesprächen zur filmischen Umsetzung sei es zunächst um eine lose Reihe von Einzelstücken gegangen, doch der RBB habe dann explizit eine Serie in Auftrag gegeben. Headautorin von „Die Heiland“ ist Jana Burbach, die zuletzt für „Bad Banks“ schrieb und im Zuge der Recherche viel Zeit mit Pamela Pabst verbrachte.

Neuer Blick auf die Welt

„Und natürlich habe ich mich oft mit Lisa Martinek getroffen,“ sagt Pabst. „Im Gericht, aber auch privat und habe ihr die Möglichkeit gegeben sich all das abzuschauen, was sie für die Rolle braucht. Dabei habe ich gemerkt, dass sie dadurch einen ganz neuen Blick auf die Welt bekommen hat.“ Dennoch kann die Fiktion die Realität nur bedingt abbilden, wie Pabst verrät: „Ein großer Unterschied zwischen der Serie und meinem Alltag ist, dass eine Episode sich sehr stark auf einen Fall konzentriert. In Wahrheit klingelt bei mir das Telefon, während ich etwas tippe und nebenbei mit meiner Assistentin spreche. Dadurch, dass bei mir alles über Sprache funktioniert, gibt es immer viel Stimmengewirr.“ Auch wenn der Hörsinn für blinde Menschen überproportional wichtig ist, schrieb man Pabst mitunter geradezu übersinnliche Fähigkeiten zu, nach dem Motto: Diese Frau hört, wenn jemand lügt. „Ich bin sehr stark auf das fokussiert, was ich höre,“ so Pabst. „Anhand dessen, was jemand sagt oder wie, kann ich schon Rückschlüsse ziehen. Aber ich kann nicht hören, ob jemand lügt, das ist eine Zuspitzung der Presse. Mit Sicherheit wurde ich schon angeschwindelt ohne es zu bemerken.“

Vorbild "Liebling Kreuzberg"

Die Art und Weise, wie diese Feinheiten der Wahrnehmung in der Serie filmisch umgesetzt werden, ist handwerklich durchaus geschickt ohne aufgesetzt zu wirken. Pamela Pabst ist denn auch zufrieden mit dem Ergebnis, das sie als Hörfilm ‚gesehen‘ hat, wie sie selbst sagt. „Ich finde den Raumton großartig! Viele Synchronisationen sind irgendwie tot, ohne Raumklang. Auch dass ‚Die Heiland‘ sehr dialoglastig ist, gefällt mir, dadurch kann ich die Serie fast ohne Audiodeskription verstehen. Und sie ist lustig!“ Fügt sie hinzu. „Die Leute sollen unterhalten werden und sehen, dass man mit einer Behinderung nicht traurig in der Ecke sitzt.“ Neben einer Portion Stolz, die Pabst für „Die Heiland“ empfindet, verbindet sie mit der Ausstrahlung auch eine Hoffnung. „Ich würde mir wünschen, dass beim Zuschauer Hemmungen im Umgang mit Behinderung abgebaut werden, dass sie sehen, wie man auch mit einer Behinderung ein normales Leben führen kann, dass es einfach nur anders weitergeht. Ich habe als Kind ‚Liebling Kreuzberg‘ gesehen und wollte Rechtsanwältin werden. Wenn heute jemand Romy Heiland sieht und dasselbe sagt, das wäre doch schön.“


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