Neu im Kino Bucks "Asphaltgorillas": Was taugt die Gangsterkomödie?

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Glanz und Glamour: Detlev Buck bebildert in "Asphaltgorillas" das funkelnde Nachtleben der Berliner Halbwelt. Foto: ConstantinGlanz und Glamour: Detlev Buck bebildert in "Asphaltgorillas" das funkelnde Nachtleben der Berliner Halbwelt. Foto: Constantin

Berlin. Detlev Buck dreht mit "Asphaltgorillas" eine Gangsterkomödie – die nicht nur wegen Jannis Niewöhner misslingt.

Nach vier "Bibi und Tina"-Filmen legt Detlev Buck mit "Asphaltgorillas" einen Genrewechsel hin. Am 30. August startet die Gangsterkomödie. Ist sie gut?




Wovon handelt "Asphaltgorillas"?

Zwei Sandkasten-Freunde aus Kreuzberg: Der eine, Atris, will endlich raus aus dem Kiez, in dem ihn eine arrangierte Ehe und ein Dealer-Dasein ohne Aufstiegschancen erwarten. Der andere hat‘s schon geschafft: Als Atris wieder mal vor der Polizei wegrennt, stolpert er seinem Kumpel Franky vor den Lamborghini. Was Atris nicht weiß: Das Auto gehört in Wahrheit Frankys superreicher Freundin. Genau wie die 200.000 Dollar, aus denen er über Nacht zwei Millionen machen will – mit einem Falschgeld-Deal, bei dann schiefgeht, was schiefgehen kann. ("Die Unglaublichen 2" und Bully Herbigs "Ballon": Die September-Starts im Kino)

Erst verlieren die Freunde den Schlüssel zum Geld-Versteck, dann das Geld, das Falschgeld und den Lamborghini. Jede Notlösung provoziert neue Katastrophen, jede Panne ruft neue Antagonisten auf den Plan: den russischen Oligarchen, den überdrehten Asiaten, die Yakuza-Amazone und einen Gangsta-Rapper, der unter der Fuchtel seiner schwangeren Öko-Freundin steht. In guten Momenten pointiert der Film als Culture-Clash-Komödie die deutsche Ordnungsliebe der Arab-Gangster und lässt ihren Machismo von starken Frauen bloßstellen; die satirischen Ansätze enden allerdings regelmäßig in Klischee und Klamauk. Höhepunkt ist ein Dobermann auf Abführmitteln, dessen explosiver Durchfall das Luxusauto ruiniert.


Wie ihre Möchtegern-Gangster scheitern auch Jannis Niewöhner und Stefanie Giesinger an den eigenen Ambitionen. Foto: Constantin


Heillos überfordert: Jannis Niewöhner

Nach vier „Bibi und Tina“-Filmen wechselt Detlev Buck das Genre und erzählt mit „Asphaltgorillas“ eine chaotische Gaunerkomödie, die lose auf einer Erzählung Ferdinand von Schirachs beruht. Das jugendliche Publikum scheint der Regisseur aber immer noch im Hinterkopf zu haben: Das Abenteuer aus Berlins funkelndem Nachtleben zielt erkennbar auf Teenager – in den Coming-of-Age-Konflikten der Hauptfigur genauso wie im burlesken Humor und vor allem in der Besetzung: Franky wird vom Mädchenschwarm Jannis Niewöhner gespielt, die GNTM-Siegerin Stefanie Giesinger übernimmt als seine Freundin ihre erste Filmrolle, und das Feld der Nebendarsteller speist sich zu einem nicht geringen Teil aus der Berliner Rap-Szene.

Wie ihren Möchtegern-Gangstern wachsen auch den Schauspielern ihre Ambitionen über den Kopf: Aus Giesinger holt Buck nicht viel mehr raus als Heidi Klum, und Samuel Schneider (Atris) bleibt im Drogen-Milieu ein bürgerlicher Fremdkörper. All das aber spielt kaum eine Rolle angesichts der außer Kontrolle geratenen Darstellerleistung von Jannis Niewöhner, der die Aufmerksamkeit mit clowneskem Zappeln immer wieder auf das eigene Unvermögen lenkt. Starke Nebendarsteller wie Georg Friedrich oder Kida Khodr Ramadan laufen in diesem Umfeld ins Leere.  (Brauchen wir einen schwarzen James Bond?)

Leerlauf ist denn auch das größte Problem dieser Eskalationsgroteske, die für immer neue Volten zu viel Zeit braucht und die zu wenig Abgründe besitzt, um ihrer glanzvollen Oberfläche aus Neon-Nächten und Slomo-Schlägereien die nötige Tiefe zu geben.

„Asphaltgorillas“. D 2018. R: Detlev Buck. D: Samuel Schneider, Jannis Niewöhner, Ella Rumpf, Georg Friedrich, Kida Khodr Ramadan, Stefanie Giesinger, SSIO, lia Engelmann, Capital Bra, SXTN. 103 Minuten, ab 12 Jahren.


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