Doku und Filme Arte feiert Romy Schneiders 80. Geburtstag

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Einen Abend lang hat Romy Schneider (links) Alice Schwarzer in einem Interview persönliche Dinge erzählt. Patrick Jeudy hat auf der Basis der Tonbänder eine Dokumentation über die Schauspielerin angefertigt. Foto: Gabriele JakobiEinen Abend lang hat Romy Schneider (links) Alice Schwarzer in einem Interview persönliche Dinge erzählt. Patrick Jeudy hat auf der Basis der Tonbänder eine Dokumentation über die Schauspielerin angefertigt. Foto: Gabriele Jakobi

Osnabrück. Zwei Abende hat Arte über Romy Schneider am 16. und 17. September im Programm. Anlass ist der 80. Geburtstag der Schauspielerin. Dokumentation von Patrick Jeudy „Ein Abend mit Romy Schneider“

Einen langen Abend hatte Alice Schwarzer am 12. Dezember 1976 Zeit, ein exklusives Interview mit Romy Schneider zu führen. Ähnlich wie im kürzlich in den Kinos gezeigten Film „Drei Tage in Quiberon“ über Romy Schneider, offenbart er eine sensible Frau, die innerlich zerrissen wirkt und dafür kämpft, wirklich gesehen und anerkannt zu werden.

Die Dokumentation von Patrick Jeudy umfasst aber weit mehr als nur die Widergabe von Schwarzers Tonbandaufnahmen aus der Nacht in Köln und den aktuellen Kommentaren der Feministin dazu. Jeudy hat Ausschnitte aus Scheiders Filmen und Material über ihr Leben in seine Dokumentation integriert. Damit umspannt sein Dokumentarfilm, den Arte in Erstausstrahlung zeigt, weite Teile von Romy Schneiders Leben und beleuchtet damit auch intensiv verschiedene Hintergründe ihrer Karriere und ihres Familienlebens.

„Wir sind die beiden meist beschimpften Frauen“, kommentiert Romy Schneider auf dem Tonband ihre Begegnung mit der vier Jahre älteren Journalistin. Die Schauspielerin, damals 38 Jahre alt, war 1976 nach langer Zeit wieder in Deutschland, um einen Film zu drehen: „Gruppenbild mit Dame“, den Arte am 17. September im Programm hat. Schneider war 1958 nach Frankreich gegangen. Der Liebe zu Alain Delon wegen, vor allem aber auf der Suche nach anspruchsvollen Rollen, die man ihr in Deutschland wegen ihres Sissy-Images nicht geben mochte.

Wegen der heftigen Kritik die Schneider in Deutschland entgegen schlug, wollte Schneider Mitte der 1970er Jahre keine Interviews geben. Der Abend mit Alice Schwarzer war eine Ausnahme. Die beiden kannten sich bereits durch Schwarzers Kampagne „Ich habe abgetrieben – und ich fordere das Recht dazu für alle Frauen“, die am 6. Juni 1971 im Magazin „Stern“ erschienen war. Auch Romy Schneider hatte sich in der Reihe der Frauen gezeigt, die abgetrieben hatten.

Um das Interview hatte Alice Schwarzer gekämpft. Wollte sie es doch in der ersten Ausgabe der „Emma“ drucken, während ihr Team von der Idee nicht recht begeistert war. An mehreren Stellen im Interview hat Romy Schneider Alice Schwarzer in die Pflicht genommen, ihre Vertrauen nicht zu missbrauchen. Schwarzer sagte ihr das immer wieder zu, wie auch im Film zu hören ist. An einigen Stellen aber verlangte Schneider, dass das Tonband abgestellt wird: „Ne me trahis pas“, sagte sie zu ihr: „Verrate mich nicht.“

Heute, mehr als 40 Jahre nach dem Tod der Schauspielerin, erzählt die Journalistin, was Schneider ihr damals abseits des Tonbands anvertraut haben soll: den Missbrauch durch ihren Stiefvater Hans Herbert Blatzheim, der auch ihr Management übernommen und ihre gewaltigen Gagen veruntreut hatte, die sie mit Filmen wie „Sissy“ eingespielt hatte. 1958 soll sie für ihre Rolle in „Christine“ 500.000 DM erhalten haben.

Ihre Mutter Magda Schneider hatte ein Haus in Berchtesgaden besessen – zwei Kilometer Luftlinie vom Berghof Adolf Hitlers entfernt. Im Haus ihrer Mutter hatte Romy einen Teil ihrer Kindheit verbracht – und will erfahren haben, dass ihre Mutter mit dem Reichsführer ein Verhältnis gehabt haben soll. Alice Schwarzer bezweifelt dies, wenngleich Magda Schneider viel für ihre Karriere getan habe. Patrick Jeudy untermalt diese Aussagen mit Filmausschnitten, die Magda Schneider mit Hitler auf dem Berghof zeigen.

Sie sei als „deutsches Nationalgut“ missbraucht worden, sagt Romy Schneider im Gespräch mit Alice Schwarzer, das die beiden überwiegend auf Französisch geführt haben. Lediglich hin und wieder sind kleine Einsprengsel auf Deutsch zu hören. Vor allem, wenn Schneider wütend ist. Auch ihren aktuellen Kommentar spricht Alice Schwarzer auf Französisch, für das deutsche Publikum ist der Film mit Untertiteln versehen.

Romy Schneider ist zum Zeitpunkt des Interviews eine sehr erfolgreiche Schauspielerin. Sie hat einen kleinen Sohn aus erster Ehe und träumt mit ihrem aktuellen Partner von einem weiteren Kind. Dennoch macht ihr der Gegenwind zu schaffen, der ihr in Deutschland entgegenweht. Sie fragte sich, ob sie zu fortschrittlich für ihre Zeit sei. Der Film von Jeudy verdeutlicht eindrucksvoll, was für eine intelligente und spannende Frau Romy Schneider war.

Arte zeigt für Filme zu Romy Schneiders Geburtstag: 16. September, 20.15 Uhr: „Cesar und Rosalie“, 22 Uhr: „Ein Abend mit Romy Schneider“; 17. September, 20.15 Uhr: „Eine einfache Geschichte“, 22 Uhr „Gruppenbild mit Dame“.


Zwei Abende für Romy Schneider

Arte zeigt zum 80. Geburtstag von Romy Schneider vier Filme: Am 16. September startet um 20.15 Uhr „Cesar und Rosalie“, ab 22 Uhr ist die Dokumentation von Patrick Jeudy „Ein Abend mit Romy Schneider“ zu sehen. Am Montag, 17. September, geht es um 20.15 Uhr weiter mit „Eine einfache Geschichte“ und um 22 Uhr mit „Gruppenbild mit Dame“.

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