Promi Big Brother 2018 Daniel und Katja weinen bei Sat.1 – weinen Sie mit?

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Promi Big Brother: Daniel Völz wird von Tränen übermannt, als er sich an seinen toten Großvater erinnert. Foto: Sat.1Promi Big Brother: Daniel Völz wird von Tränen übermannt, als er sich an seinen toten Großvater erinnert. Foto: Sat.1

Berlin. Daniel Völz weint bei "Promi Big Brother" um den toten Opa, Katja um ihr abgetriebenes Kind. Wie wirken solche Momente?

Marlene Lufen lobt die berührenden Momente, wenn bei "Promi Big Brother" Kandidaten wie Katja Krasavice und Daniel Völz Tote beweinen. Zu recht?


Im Fernsehen trauern: Daniel und Katja

An Tag 10 von „Promi Big Brother“ spricht Daniel Völz über den Tod seines Opas Wolfgang. Der Schauspieler war im Mai gestorben. Daniel war dabei, und bei der Erinnerung daran weint er. „Das war ein sehr berührender Moment, finde ich, von Daniel“, sagt Marlene Lufen nach der Sequenz. „Ein sehr ehrlicher und echter und emotionaler Moment.“

Vor zwei Tagen war die Moderatorin schon einmal bewegt. Da hatte Katja Krasavice im „Big Brother“-Sprechzimmer vom Selbstmord eines Bruders gesprochen, vom Krebstod des zweiten, von den Selbstmordgedanken, die sie selbst und ihre Mutter danach hatten. Und dann von einer Abtreibung und der Hilflosigkeit, die ihre Entscheidung ein Jahr danach noch immer auslöst.

Im Fall von Katja war es nicht der erste intime Moment. Ein paar Folgen vorher hatte die Frau, die sich bei YouTube als Sexmaniac vermarktet, mehrfach für die Sat.1-Kameras masturbiert. „Jetzt lernen wir eine andere Katja kennen“, hatte Marlene Lufen danach die Bekenntnis-Sequenz anmoderiert. Was natürlich nicht ganz stimmt. Zumindest ihre Berufskleidung hatte Katja noch an, sie das Drama ihres Lebens in Reizwäsche vortrug. (Selbstbefriedigung und Selbstvermarktung: Wie Katja Jochen Schropp vorführt)


Promi Big Brother: Im Sprechzimmer beichtet Katja Krasavice das Drama ihres Lebens. Foto: Sat.1


Emotionale Momente sind bei "Promi BB" ein Problem

Bei „Promi Big Brother“ geht alles: Heute stecken die Kandidaten ihre Nasen bei der „Challenge“ in Vaseline, morgen ist vom Tod die Rede. „Es gibt viel zu lachen. Aber manchmal wird’s eben auch ernst“, hatte Jochen Schropp Katjas Abtreibungsbeichte anmoderiert. Seine Überleitung zum nächsten Thema klang so: „Ich hoffe, dass sie das Trauma irgendwann überwinden kann. Wir kommen zum heutigen Duell.“ Nicht nur wegen der ruppigen Übergänge: Emotionale Momente sind bei „Promi Big Brother“ ein Problem. Vielleicht bringen sie einfach mehr Wirklichkeit in die Reality, als das Format bewältigt. Anders als Katjas Orgasmen kann man die Tränen schließlich nicht als Theater wegwitzeln. Die Todesfälle sind ja real.

Trotzdem wird Trauer bei Sat.1 ganz automatisch Teil einer Selbstinszenierung, die einen banalen Zweck verfolgt: Bei „Promi Big Brother“ steigern mäßig bekannte Kandidaten zwei Wochen lang ihren Marktwert. Die Show ist Eigenwerbung, und deshalb fühlt man sich bei ihren emotionalen Momenten auch ein bisschen wie damals, als Benetton mit blutigen Uniformen und sterbenden Aids-Kranken Reklame machte. Das Drama ist echt. Es verträgt sich nur nicht so gut mit der Verkaufsabsicht.  ("Die Höhle der Löwen": Geben Sie Bettlern Geld, Frau Wöhrl?)


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