Kritische Doku über US-Konzern Starbucks - der Platzhirsch unter den Kaffee-Verkäufern

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Demonstranten vor einer französischen Filiale von Starbucks. Foto: ArteDemonstranten vor einer französischen Filiale von Starbucks. Foto: Arte

Osnabrück. Vom Hippie-Unternehmen zum Global Player: Arte blickt hinter die Imagekampagnen des US-Kaffeekonzerns Starbucks.

Alles begann mit einer Tasse schlechtem Kaffee Anfang der 70er Jahre. Als die drei Studienfreunde Gerald Baldwin, Gordon Bowker und Zev Siegl in einem Restaurant in Seattle einen Kaffee zum Abschluss ihres Mittagsessens bestellten, bekamen sie, so Siegl, nur eine „schwarze Plörre“ vorgesetzt. Einen anständigen Kaffee, das war damals allgemein bekannt, die USA keine Nation mit Kaffeekultur waren - obwohl in Hollywood-Western Cowboys neben Whiskey sonst nichts anderes zu trinken scheinen.

1971 gründeten die drei Freunde den Laden „Starbucks Coffee“: Sie wollten mit den Verkauf qualitativ hochwertigen Kaffees dem „schwarz-gefärbten Abspülwasser“ den Kampf ansagen. Doch was damals noch Ausdruck eines „Hippie-Kapitalismus“ war, hat sich längst zum knallharten Geschäft entwickelt. Ob in Tokio oder Toronto, New York oder Nantes, Berlin oder Bogota: 2018 gibt es weltweit bereits 28.000 „Starbucks“-Filialen, 2017 erzielte die Kaffeehauskette einen Umsatz von zwei Milliarden Dollar.

Die Wende hin zum „global player“ begann 1982, als Howard Schultz die Geschäftsführung übernahm. Seitdem setzt sich das Unternehmen auch als „Café-Haus-Kette“ durch. Verschiedene Kaffeegetränke, viele davon, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, völlig überzuckert, werden in den standardisierten Filialen in 75 Ländern serviert. Und zwar zu deutlich höheren Preisen als bei der Konkurrenz. „Starbucks“ hat es geschafft, zur „Lifestyle-Marke“ zu werden. Dabei sind die Starbucks-Pappbecher mit dem Firmenlogo, einer bis 1987 barbusigen, nun züchtigen Meerjungfrau, ein wichtiger Werbeträger. Wegen einer Kunststoffbeschichtung nicht recyclebar, stellen sie jedoch ein ernstes Müllproblem dar.

Doch ist der hohe Preis für die Produkte trotzdem gerechtfertigt? Die Dokumentation „Starbucks – ungefiltert“ schaut genauer hin, teilweise mit undercover gedrehten Innenansichten aus einer Filiale in Frankreich. So sind etwa die angeblich „99 % fair gehandelten“ Kaffeesorten oft nur Etikettenschwindel, da die Ausbeutung von Kaffeepflückern über Zwischenhändler fortgesetzt wird. Auch, was die Arbeitsbedingungen in den Filialen angeht, liegt vieles im Argen. Mitarbeiter erhalten zu wenig Lohn, um davon angemessen leben zu können.

Soziale Verantwortung, immer wieder gerne in Kampagnen des Aktienunternehmens propagiert, wird auch durch die zweifelhaften Steuertricks ad absurdum geführt. Starbucks nutzt Fiskaltricks, um wenig oder gar keine Abgaben zahlen zu müssen. In Großbritannien etwa, weil der Kaffeeriese dort angeblich „keine Gewinne“ erzielt. Angesichts des dichten Filialnetzes auf der Insel dürfte das aber eher als unwahrscheinlich gelten.

Zudem drängt Starbucks oft traditionsreiche Mitbewerber vom Markt. Kaffeekultur, einst die Unternehmensstartidee, ist längst einer Vollautomaten-Industrialisierung gewichen.

Erschreckend auch die zweite Doku des globalisierungskritischen Themenabends: „The Cleansers“ (auch am 11. 9. im Ersten) beschreibt, was Facebook und andere Internetgiganten unternehmen, um ihre soziale Plattformen frei von Pornographie, Extremismus oder Terrorvideos sauber zu halten. Erledigt wird dies von Zensoren im streng katholischen Manila, die im durchschnittlichen Acht-Sekunden-Takt über das Löschen oder Beibehalten von Inhalten entscheiden. Mit manchmal zweifelhaften Ergebnissen. Etwa als Facebook das ikonographische Bild eines durch Napalm verletzten Mädchens im Vietnamkrieg löschte. Der Grund: Das Bombenopfer war nackt.

Zwei erschreckende Dokumentationen über den Einfluss von Konzernen auf unser aller Leben.


Arte, 28. 8., 20;15 Uhr: "Starbucks ungefiltert"

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN