WDR-Hörspiel „Brüder“ über die Französische Revolution Große Geschichte, persönliche Schicksale

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Sie sprechen die drei Hauptrollen im Hörspiel "Brüder" (von links): Jens Harzer (Maximilien Robespierre), Matthias Bundschuh (Camille Desmoulins) und Robert Dölle (Georges-Jacques Danton). Foto: Annika FußwinkelSie sprechen die drei Hauptrollen im Hörspiel "Brüder" (von links): Jens Harzer (Maximilien Robespierre), Matthias Bundschuh (Camille Desmoulins) und Robert Dölle (Georges-Jacques Danton). Foto: Annika Fußwinkel

Osnabrück. Walter Adler hat den Roman "Brüder" von Hilary Mantel als Hörspiel realisiert. Anhand der Lebensgeschichte von Georges-Jacques Danton, Maximilien Robespierre und Camille Desmoulins erzählt es die Französische Revolution.

220 Rollen zu besetzen ist kein Zuckerschlecken. Dabei war es für Walter Adler weniger das Problem, gute Sprecher zu finden. Die logistische Leistung ist das viel größere: Wie bekommt man mehrere gefragte Sprecher zusammen, um gemeinsam eine Szene im Studio aufzunehmen? „Da fangen wir an zu X-en“, sagt Walter Adler in der Sprache der Hörspielmacher im Telefonat mit unserer Redaktion über sein jüngstes Werk: „Brüder“.

Das bedeutet: Die Darsteller haben ihren Part bei Dialogen zum Teil allein eingesprochen. Später wurden ihre Stimmen für eine Szene mit den anderen Rollen zusammen gefügt. „Die Entscheidung ist eine für die Qualität“, betont Walter Adler diese Lösung, denn: „Wenn ich Axel Milberg für eine Rolle gewinnen kann, dann richte ich mich natürlich nach seinen Terminen.“

Dabei spricht Milberg noch nicht einmal eine der drei Hauptrollen in dem Werk – was zeigt, wie hochkarätig das Hörspiel über die Französische Revolution besetzt ist. Den Erzähler spricht Michael Rotschopf, Jens Harzer leiht dem erwachsenen Maximilien Robespierre seine Stimme, bei Georges-Jacques Danton ist es Robert Dölle und Camille Desmoulins wird von Matthias Bundschuh gesprochen. Weitere Rollen sind besetzt mit Angela Winkler, Johanna Gastdorf, Rudolf Kowalski, Tom Schilling, Felix von Manteuffel und Leslie Malton – und damit ist die Liste der bekannten Stimmen noch nicht am Ende: Es sind 150 Sprecher dabei, manche sind zuständig für mehrere kleine Rollen.

13 Stunden umfasst das Stück insgesamt, im Radio zu hören ist es in 26 Folgen, die jeweils 30 Minuten dauern. Und wie lange hat es gedauert, die Szenen aufzunehmen? „Angefangen haben wir im Dezember, gedauert hat es bis Ende Februar. Obwohl – wir haben während des Schneidens auch noch ein paar Sachen aufgenommen“, erzählt Walter Adler. Gerichtet ist sein Blick beim Telefonat auf den Garten seines Hauses in der Bretagne. Dort erholt er sich, dort arbeitet der 70-Jährige aber auch gern, der sonst in Köln zuhause ist.

„Das wird man irgendwie“, sagt Adler auf die Frage, warum er vornehmlich Regisseur für Hörbücher ist. Dabei ist er sehr erfolgreich: „Centropolis“ war sein erstes, selbst geschriebenes Hörspiel, für das er 1976 auch gleich ausgezeichnet wurde – mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden.

Adler war aber auch am Theater tätig. Aber der Reihe nach: Nach dem Abschluss der Schauspielschule in Bochum war er Regieassistent beim Hörspiel des Südwestfunks Baden-Baden. Seit 1971 ist Walter Adler freier Autor und Regisseur. Er hat unter anderem für das Schauspiel Frankfurt, das Schauspiel Köln und das Staatstheater Karlsruhe gearbeitet. Zudem hat er mehr als 200 Hörspiele inszeniert.

Diese langjährige Tätigkeit kam ihm bei der Besetzung der zahlreichen Rollen in „Brüder“ zugute: „Viele Schauspieler kennen mich bereits aus früheren Arbeiten.“ Sie für die Mitarbeit zu gewinnen, sei aber auch aus einem anderen Grund relativ einfach gewesen, da viele Schauspieler die Arbeit bei Hörspielen liebten.

Geschrieben hat Hilary Mantel das Buch 1992 unter dem englischen Titel „A place of greater safety“. Übersetzt wurde es erst 20 Jahre später. Weitere sechs Jahre später gibt es nun das Hörspiel. Warum hat das so lange gedauert? Die späte Übersetzung des Romans  erklärt sich Adler in Abhängigkeit vom Erfolg Mantels, der erst mit späteren Romanen wie „Wolf“ eingesetzt habe. Er ergänzt: „Hörspiele sind ja keine Zweitverwertungsstelle für Romane.“ Er habe ein Stück über die Französische Revolution machen wollen und dafür einige Bücher gelesen, bis er auf den Roman von Hilary Mantel gestoßen sei. „Die Französische Revolution ist das bedeutendste Ereignis in der Europäischen Geschichte“, betont Adler und nennt sie als Startpunkt den freien Journalismus und die neuerliche Einführung der Demokratie auf dem Kontinent.

„Brüder“ erzähle die Revolution zudem auf eine besondere Weise: „Mantel hat einen Stoff gemacht, der von den Menschen handelt.“ Anhand der Lebensgeschichte, dem Denken und Fühlen von Danton, Robespierre und Desmoulins werde erzählt, wie sich die Revolution entwickelte. Mit diesem Fokus habe er den Roman zum Hörspiel umgeschrieben.

Brüder. Vom 3. September bis zum 11. Oktober, jeweils montags bis donnerstags, 19.05 Uhr, WDR-Radio 3. Die letzte Folge läuft am Freitag, 12. Oktober, ab 19.05 Uhr.

Einen Podcast von "Brüder" zum Herunterladen stellt der WDR ab dem 3. September bereit unter  


 https://www1.wdr.de/radio/wdr3/hoerspiel-brueder/franzoesische-revolution-podcast-download-100.html


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