zuletzt aktualisiert vor

Zwischen Merkel und Lady Gaga Osnabrücker Moritz Harms macht den „Wochenrapblick“ bei „RTL 2 News“

Traumberuf Fernsehredakteur? Moritz Harms ist da gelandet, wo viele andere hinwollen. Er sagt aber auch: „Berufseinsteiger verdienen weniger als die Reinigungskräfte.“ Foto: Tom HeiseTraumberuf Fernsehredakteur? Moritz Harms ist da gelandet, wo viele andere hinwollen. Er sagt aber auch: „Berufseinsteiger verdienen weniger als die Reinigungskräfte.“ Foto: Tom Heise

Osnabrück. Fernsehen fasziniert. Viele junge Menschen träumen davon, später einmal als Journalist vor oder hinter der Kamera zu arbeiten. Nicht alle Ressorts genießen dabei höchste Anerkennung. Aber die Nachrichtenabteilungen der Sender gelten gemeinhin als seriös und kompetent. Doch wie kommt man zum Fernsehen, und wie sieht es mit dem Traum aus, wenn man als Jungredakteur bei den „RTL 2 News“ arbeitet?

„Manchmal verheimliche ich meinen Job, nur um nicht darüber labern zu müssen“, sagt der gebürtige Osnabrücker Moritz-Alexander Harms. Seit 2007 ist er „fester Freier“ bei „RTL 2 München“. Seine Arbeit für den Sender erledigt er aber in Köln, denn dort ist die Nachrichtenredaktion in einem Gebäude direkt am Rhein untergebracht. Hier erarbeitet Moritz mit knapp 30 Kollegen die News, die jeden Abend pünktlich um 20.00 Uhr ausgestrahlt werden.

Nach Abi und Zivildienst brachte ihn sein journalistisches Interesse in den Osten, wo er in Königs-Wusterhausen beim Lokal-TV erste Erfahrungen sammeln konnte. „Es war eine Experimentierphase und die Möglichkeit, Grundlagen des Fernsehmachens zu lernen.“ 2003 kam Harms dann für zwei Jahre an die RTL-Journalistenschule. Theorieblöcke und Praxisstationen (bei „Zimmer frei“, der „taz“ und beim Fußballmagazin „11 Freunde“) wechselten sich ab. Eine Prüfung gebe es nicht, sagt Harms. Die sei die Bewerbungsphase. Die „Schulzeit“ hat Moritz dabei als „sehr offen und transparent“ in Erinnerung.

Die Arbeit fürs Fernsehen macht Harms Spaß, der bei RTL 2 mit einer halben Stelle beschäftigt ist. Vor allem, wenn er selbst Beiträge verfassen darf, ist es für ihn der Traumjob. Ansonsten wird sein Tag durch Redaktionstreffen und Konferenzen strukturiert. Lästereien über „seine Sendung“ sieht er gelassen. „RTL 2 kann nicht Nachrichten aufbereiten wie ARD oder ZDF. Wir wollen Menschen erreichen, die ansonsten reflexartig wegschalten. Menschen, die man mit Lady Gaga oder Bushido eher interessiert als mit Steinmeier oder Merkel. Denen man diese aber ganz gemein unterjubelt.“

Ein Anspruch, der auch auf der Homepage des Senders zu finden ist: „Kein erhobener Zeigefinger, keine komplizierte Sprache. Nachrichten im Stil einer neuen Generation. Engagiert, vielseitig und unterhaltsam – aber auch seriös und glaubwürdig“, heißt es da. Motto: „Kompliziert und langweilig muss nicht sein!“

Da passt es gut, dass Moritz mit seinem Musikprojekt „ Kunstrasen “ die Newssendung mit dem mittlerweile etablierten „Wochenrapblick“ aufpeppt. Immerhin 5 bis 8 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen sind der Lohn dafür.

Dennoch kämpft auch Harms, der nebenbei an der Kölner Uni Lehramtsstudent ist, mit dem Unverständnis seines Umfeldes für seinen Job. Doch den meisten könne man relativ schnell klarmachen, „dass die Leute, die da arbeiten, nicht die sind, die das gucken“. Bei dem Image von RTL 2 sei es fast schwieriger als bei anderen Sendern, dort gute Nachrichten zu machen. „Man wird aber in den News nichts finden, was falsch ist“, so Harms. Der große Unterschied sei, dass man über optische und inhaltliche Reize das Publikum packen müsse. Stichwort Servicethemen und V.I.P.-News.

Finanziell ist der Job als Nachrichtenredakteur bei Privatsendern übrigens nicht besonders lukrativ. „Berufseinsteiger verdienen weniger als die Reinigungs- und Sicherheitskräfte im Haus.“ Doch obwohl es schwierig geworden sei, den Weg ins Fernsehen zu finden, glaubt Harms, dass der Job immer noch seinen Glamour hat. „Die Leute würden ja noch Geld dafür bezahlen.“ Er selbst sieht den ganzen Trubel aber überaus gelassen. „Es ist nur Fernsehen. Hauptsache, es flimmert.“

Moritz Harms scheint die richtige Mischung gefunden zu haben. Redakteursjob und Studium werden beruflich durch seine Herzensangelegenheit „Kunstrasen“ ergänzt. Diese Kombination schafft ihm die nötige Distanz zum Fernsehen, und so kann er locker mit Kritik und Häme umgehen. Für die TV-Zukunft wünscht sich Harms, der privat hauptsächlich Sport und öffentlich-rechtliche Nachrichten schaut, „mehr Mut an allen Fronten, weniger Format und weniger Zwänge“.

Dem jungen Journalisten ist der Einstieg in seinen Traum vom Fernsehen geglückt, ohne von diesem vereinnahmt zu werden. So wirkt Harms mit seiner Situation sehr zufrieden. Aber: „Wenn es dies alles in Osnabrück gegeben hätte, wäre ich dort geblieben.“ Traumjobs fordern eben doch ihre Opfer.


0 Kommentare