Neu bei Netflix "The Innocents" - herausragende neue Netflix-Serie

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Zwischen June und Harry (Sorcha Groundsell und Percelle Ascott) verläuft es nicht immer so harmonisch wie in dieser Szene aus der neuen Netflix-Serie "The Innocents" (ab Freitag, 24. August). Foto: Aimee Spinks/NetflixZwischen June und Harry (Sorcha Groundsell und Percelle Ascott) verläuft es nicht immer so harmonisch wie in dieser Szene aus der neuen Netflix-Serie "The Innocents" (ab Freitag, 24. August). Foto: Aimee Spinks/Netflix

Osnabrück. Mit „The Innocents“ zeigt Netflix eine herausragend produzierte Serie für junge Erwachsene, die trotz phantastischer Elemente aus dem Reich der Superhelden erstaunlich bodenständig bleibt und sogar mit Anleihen bei Shakespeare punktet.

Was ist eigentlich im Leben ihrer Eltern schief gelaufen? June (Sorcha Groundsell) ist außer sich vor Wut. Drei Jahre, nachdem ihre Mutter Elena (Laura Birn) von zu Hause fortgegangen ist, bekommt sie zufällig mit, dass ihr Vater mit ihr und ihrem Bruder auf eine einsame schottische Insel übersiedeln möchte. Kurzentschlossen fasst June den Plan, am Tag ihres 16. Geburtstags gemeinsam mit ihrem Freund Harry (Percelle Ascot) auszureißen.

Ihre junge Liebe steht sowieso unter keinem guten Stern. Harrys Mutter, die Polizistin Christine (Nadine Marshall), und Junes Vater John (Sam Hazeldine) scheinen wegen irgend eines Vorfalls aus der Vergangenheit miteinander verfeindet zu sein. Ein Grund mehr, das kleine nordenglische Kaff im Mittelgebirge der Pennines zu verlassen.

Was wie eine normale Ausreißer-Geschichte um zwei Teenager beginnt, entwickelt sich schon in der ersten Episode zu einem Mystery-Drama, das wirklich alle Zutaten enthält, die erfolgreiche Geschichten für Jugendliche und junge Erwachsene ausmachen. Es geht natürlich um das Phänomen der ersten richtig großen Liebe. Um das Phänomen, dass mit dem Ausklingen der Pubertät das Gröbste noch lange nicht überstanden ist. Und es geht um einen scheinbar nie enden wollenden Reifeprozess, um Veränderung, um das Gefühl, in einer völlig fremden Haut zu stecken.

Was im Falle von June in der herausragend produzierten Serie „The Innocents“ wörtlich zu verstehen ist. Gleich zu Beginn ihrer Flucht versuchen zwei Fremde, June zu entführen. Ohne Erfolg. Aber in der Folge werden in June Kräfte geweckt, die sie weder verstehen noch kontrollieren kann. June ist eine Gestaltwandlerin. Sie kann das Aussehen anderer Personen annehmen, die dann in eine Art katatonische Starre fallen. Kein Wunder, dass Harry erst mal die Flucht ergreift, als June in der Gestalt ihres gescheiterten Entführers Steinar (Jóhannes Haukur Jóhannesson, "Atomic Blonde") vor ihr steht.

Dies ist nur der Beginn einer achtteiligen Odyssee von Nordengland über London bis nach Norwegen an einen abgelegenen Ort bei Bergen, wo sich Junes Mutter mit weiteren zwei Frauen, ebenfalls Gestaltwandlerinnen, in der Obhut eines zwielichtigen Professors (Guy Pearce) befindet. Aber keine Angst. Wer nun denkt, dies sei der Beginn einer neuen endlosen Superhelden-Mär à la Marvel oder DC, der kann sich beruhigt zurücklehnen.

Die britisch-norwegische Produktionen nach der Idee der Autoren und ausführenden Produzenten Hania Elkington und Simon Duric fällt inszenatorisch eher unter das Label Nordic Noir – wobei „The Innocents“ weniger durch brutale Darstellungen als vielmehr durch düstere Landschaften und stimmungsvolle Bilder zwischen Nordengland und Norwegen auffällt.

„The Innocents“ markiert als neuestes Beispiel die Bemühungen von Netflix, auch weltweit und abseits US-amerikanischer Standards und Sehgewohnheiten ein möglichst vielseitiges Angebot entstehen zu lassen. Hauptsache, das „Storytelling“ stimmt. „Wenn Projekte der verschiedensten Länder, Kulturen und Sprachen eine globale Plattform mit unbegrenzten Möglichkeiten finden, dann können einzigartige und zugleich universelle Geschichten ein internationales Publikum erreichen,“ zitiert Netflix Ted Sarandos, Chief Content Officer, in einer Pressemitteilung.

Im Falle der äußerst gelungenen und glänzend besetzten Serie „The Innocents“ geht die Rechnung auf. Die konfliktreiche Coming-of-Age-Geschichte um Identitätssuche und erste Liebe funktioniert sowohl als moderne „Romeo und Julia“-Adaption als auch als spannende Mysteryromanze mit Krimi-Elementen abseits ausgetretener Erzählpfade.

Kleiner Tipp: Wer mit der Serie durch ist, sollte sich noch mal die rätselhafte Eingangssequenz anschauen.

„The Innocents“ (1. Staffel, alle 8 Episoden). Netflix, ab Freitag, 24. August.


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