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Monatsheft für Männer Neu am Kiosk: Das „DMAX Magazin“ mit testosterongeschwängerten Themen

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Dieser Prachtkerl hat es nicht ins „DMAX Magazin“ geschafft – dabei wäre er ein echter Kandidat ... Foto: ImagoDieser Prachtkerl hat es nicht ins „DMAX Magazin“ geschafft – dabei wäre er ein echter Kandidat ... Foto: Imago

Osnabrück. Es riecht nach Werkstatt, Motorenöl und schmeckt, ja auch das, nach Chili. Mit dem „DMAX Magazin“ (Untertitel: „Leben. Motor. Abenteuer“) erscheint nun ein neues Monatsheft „für echte Männer“. So steht es zumindest auf dem Cover.

Dabei betreibt die Zeitschrift mit ihren virilen Themen auch virales Marketing: Als Printableger des gleichnamigen Fernsehsenders deckt es die gleichen Themenfelder ab wie im TV-Programm und bleibt dabei vor allem eins: männerbündisch. Abenteuer findet man überall. Auch da, wo es dunkel, dreckig und nass ist. Etwa im Ärmelkanal.

Rauer Kerl in rauer See

Denn was der Taucher Achim Stöffel dort unternahm, ist, wenn schon nicht direkt verrückt, so aber auf alle Fälle sehr mutig. In zehn Stunden durchquerte der Münchener die Meerenge zwischen England und Frankreich. Allein, bei gefährlichen Strömungen und Kälte, in einer der meistbefahrenen Schiffsrinnen der Welt. Wie, warum und womit – das erzählt ein sechsseitiger Artikel in dem neuen „DMAX Magazin“. Ein spannendes Abenteuer, ansprechend beschrieben. Ein rauer Kerl in rauer See sozusagen. Und offenbar ist mit den Abenteuerwilligen die Zielgruppe fest umrissen.

Denn „DMAX“ will vor allem eins sein: ein Männermagazin, und kein „Herrenmagazin“, wie es etwa der „Playboy“ ist (und das man[n] ja nur wegen der Interviews liest). Bei „DMAX“ bleibt man unter sich. Zwar ist man verliebt in scharfe Kurven, aber die beziehen sich hier vor allem auf Automobile. Weibliche Formen sucht man vergeblich: Im ersten, reich bebilderten 116-seitigen Heft sind nur zwei Frauen zu sehen. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das „DMAX Magazin“ von einer Frau geleitet wird. Anja Deininger steht da als Chefredakteurin „ihren Mann“. Auf Anfrage bemerkt sie, dass man trotzdem „einen relativ hohen Anteil von weiblichen Leserinnen erreicht habe“.

Werkzeug, Auspuffventile, Muskeltypen: Die siebenseitige Titelstory, wie alles in dem Heft groß und ansprechend bebildert, dreht sich um die Protagonisten der auch auf DMAX laufenden Serie „American Choppers“ – also um eine Familie von Motorradtüftlern. Sozusagen frei nach dem Motto „Hör mal, wer da hämmert“. Es findet sich eine Reportage über harte Jungs bei der Öl-Förderung, allein 15 Seiten über Autos und Motoren, aber auch ein Survival-Guide für Schiffbrüchige. Tipp Nr. 1 lautet übrigens: „Stell fest, ob du dich überhaupt auf einer einsamen Insel befindest!“ Denn: Aus Treibholz eine Hütte am Strand eines Fünf-Sterne-Ressorts zu bauen könnte einen „albern“ aussehen lassen. Oha!

Wo Männer weinen

Außerdem verrät das Magazin, wie man echte Männer zum Weinen bringt – mit extrem scharfem Chili. Aber auch da gilt: Haltung bewahren! Denn, so der Trost: „Pain is good.“

Aber immerhin: Bei all den testosterongeschwängerten Themen tut es gut, dass auch mit einem maskulinen Mythos aufgeräumt wird: Es kommt nicht auf die Länge oder Größe an, sondern auf die Wirkung. Und so mögen Malaria-Mücken klein sein, sind aber eine Riesenplage. „Natural Born Killers“ nennt sie der Titel einer zehnseitigen Reportage.

Motor, Sport, Naturphänomene: Der Mix aus Populärwissenschaft und Technikthemen spiegelt auch die Kombination der zwei Medienpartner hinter der Zeitschrift wider. Den Fernsehsender DMAX betreibt der amerikanische Discovery Channel, hinter dem Printmagazin steht die bayerische WEKA-Verlagsgruppe, die als Fachverlag „männeraffine“ Titel wie „stereoplay“, „Audio“ oder das „PC Magazin“ produziert.

„Beide Unternehmen kennen sich bereits längere Zeit durch frühere Kooperationen“, so Deininger. Trotz Verweisen auf das Fernsehprogramm betont sie: „Wir sind keine Programmzeitschrift.“ Und merkt, auf das Konzept angesprochen, an: „Uns unterscheidet, dass wir vollständig auf die gängigen Fitness-, Flirt- und Stylingtipps verzichten.“ Denn es gehe darum, „darüber zu lesen, was man gern mal selbst erleben möchte“. Und dazu wolle man eben „Anregungen, Ideen und praktische Hinweise“ geben.

Dass die Zielgruppe hart umkämpft ist, zeigt auch der aktuelle Blick in den Kiosk: Seit ein paar Tagen ist die zweite Ausgabe von „DMAX“ erschienen. Auf dem Titelbild: ein Steak und Flammen. Die Fleischeslust ist dabei fast bildgleich identisch mit den aktuellen Covern von „Men’s Health: Coach“ und „Beef“. Und auch RTL 2 hat ein „crossmediales Produkt“ für „echte Kerle“ am Start: Von Burda produziert, erscheint nun mit „Grip“ ein Ableger der gleichnamigen TV-Auto-Sendung als Heft. Der Werbespruch dazu: „Tanken Sie Testosteron!“

Eine Frage bleibt aber noch: Wofür steht eigentlich „DMAX“? Ist es ein Name, eine Abkürzung? Darauf hat leider auch Frau Deininger keine Antwort: „Das müssten Sie die Verantwortlichen beim Sender fragen.“


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