Erhellende Einblicke in den Alltag Neue Staffel der Doku-Reihe „Unter deutschen Dächern“ zeigt Abi-Druck

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Sie hat ihr Abitur in der Tasche: Die 19-jährige Alisha strahlt bei der Überreichung der Zeugnisse am Schulzentrum Walle in Bremen. Foto: Radio Bremen/Christoph OldacSie hat ihr Abitur in der Tasche: Die 19-jährige Alisha strahlt bei der Überreichung der Zeugnisse am Schulzentrum Walle in Bremen. Foto: Radio Bremen/Christoph Oldac

Bremen . Rund 130 Folgen verzeichnet die Reihe „Unter deutschen Dächern“ bisher. Jetzt strahlt der NDR drei weitere aus. Wie die vorherigen auch, spiegeln sie gesellschaftliche Themen wieder. Um Analyse sind sie weniger bemüht, als um das individuelle Betrachten einzelner Personen und Themen.

Es gibt Menschen, die träumen auch Jahrzehnte später immer wieder von ihrer Abiturprüfung. Dabei stehen sie fest und erfolgreich im Berufsleben. Aber es ist eine besondere Zeit, von der viel abhängt und in der sich das Leben innerhalb kurzer Zeit komplett verändert. Wohl auch deshalb verankert sich das Abitur tief im Seelenleben ehemaliger Gymnasiasten.

Dieser Zeit des Umbruchs hat sich Marianne Strauch mit ihrem Team in dem Beitrag „Die Abi-Prüfung“ in der Reihe „Unter deutschen Dächern“ gewidmet. Zumal: Immer mehr junge Menschen absolvieren diese Prüfung, denn sonst fürchten sie, beruflich abgehängt zu werden. Das Abi scheint zum Standardabschluss in Deutschland zu werden. Anhand von zwei Abiturienten zeigt der Beitrag auf, wie Jugendliche mit diesem Druck umgehen.

Alisha scheint im letzten Moment kneifen zu wollen. Minuten vor der mündlichen Prüfung in Mathe, zeigt eine Lehrerin am Bremer Schulzenrum Walle ihr die Konsequenzen auf: Im kommenden Jahr noch einmal antreten zu müssen. Das will die 19-Jährige dann doch lieber nicht und trottet ihr hinterher in den Prüfungsraum.

Die junge Frau hat aus verschiedenen Gründen eine ganz besondere Geschichte: Zum einen ist sie die erste in ihrer Familie, die Abitur macht. Zudem absolviert sie das Ganze ohne Unterstützung ihrer Mutter, die wenige Jahre zuvor an einer Lungenembolie gestorben ist. Und: Dass sie das Abi macht, war so nicht abzusehen, ging sie doch nach der Grundschule zunächst auf die Hauptschule. Auf welch besondere Unterstützung sie durch ihre Familie bauen kann, zeigt der Film quasi am Rande auf, während er die junge Frau vom letzten Schultag bis zum Abiball begleitet.

Keine Lust zu lernen

Einen Kontrast zum Leben von Alisha bildet Daniel, der auf die selbe Schule geht. Der 18-Jährige hat keine Lust zu lernen und kapselt sich auch von seiner Familie ab. Er will das lieber alleine durchstehen. Freiheit sei ihm wichtig, betont er vor der Kamera. Deshalb will er auch nach dem Abi zuhause ausziehen und verdient dafür sein eigenes Geld. Doch auch ihn packt die Prüfungsphase, durch die er mithilfe seiner Freunde in eine Zukunft mit schwankenden Plänen durchgeht.

Die Reihe wurde oft wegen ihrer gesellschaftskritischen Position kritisiert – und zugleich mit Preisen ausgezeichnet. So erhielten Cordt Schnibben und Christian Berg 1990 den Adolf-Grimme-Preis in Gold für die Folge „Die Erben des Dr. Barschel“. Erstmals 1989 im Fernsehen gezeigt, beleuchtete die Dokumentation die Arbeit der Kieler Staatskanzlei nach dem Tod des Politikers in einem Genfer Hotel im Oktober 1987. Ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis in Bronze wurde 1993 mit „Der Ami geht Heim“ über den Abzug amerikanischer Soldaten aus Bad Tölz. Auch Günther Wallraffs „Ganz unten“ wurde in der Reihe gezeigt. Andere Beiträge drehten sich um die Touristenflut an der Zugspitze, um die Arbeitsweise in Amtsstuben und Gerichten oder widmeten sich folgendem Thema: „Man sieht ja mit den Ohren – Über den Fußballwahnsinn Samstags im Radio“.

Breit ist das Spektrum der Themen, denen sich die Reihe „Unter deutschen Dächern“ seit ihrer ersten Sendung am 11. November 1979 dreht. Konzipiert von Elmar Hügler, damals Leiter der Abteilung Kultur und Gesellschaft/Fernsehen bei Radio Bremen, und Dieter Ertel, damals Fernsehdirektor des Senders, zeigt die Reihe das Alltagsleben von Menschen in Deutschland hinsichtlich gesellschaftlicher, kultureller oder politischer Fragen auf. Dabei geht es weniger um durch Statistiken geleitete Analyse als um individuelle Schicksale und Themen, die mithilfe von Betroffenen beleuchtet werden. Beispielsweise in der zweiten Folge dieser Staffel, die sich dem Umzug von Senioren in das Altersheim dreht. Mithilfe von Betroffenen zeigt Anke Kültür auf, welche Gründe zu einem Umzug führen – und welche Ängste ihn begleiten können. Wie läuft die erste Zeit im Heim ab? Wie arrangieren sich die Neu-Bewohner mit den vielen anderen Senioren und wie begegnen sie den Betreuern? Der dritte Teil der Staffel zeigt unter dem Titel "Mann oder Frau" Menschen, die auf der Suche sind nach ihrer Geschlechtsidentität. 

Unter deutschen Dächern – Die Abi-Prüfung, 20. August, 23.15 Uhr, NDR Fernsehen.


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